Erlöserkirche

Erlöserkirche
Erlöserkirche
Titelbild: "Festschrift zur 25jährigen Gedenkfeier der Kirche der Böhmischen
Exulantengemeinde zu Dresden", Dresden 1905,
aus "Dresden & seine Kirchen"
Evangelische Verlagsgesellschaft GmbH, Berlin 1976

Die Grundsteinlegung für die Erlöserkirche fand am 09. Oktober 1878 statt. Sie wurde an der Wittenberger Straße/Ecke Paul Gerhard Straße von Architekt Gotthilf Ludwig Möckel im Auftrag der Böhmischen Exulantengemeinde zu Dresden im Neogotikstil erbaut. Sie bot 840 Gemeindegliedern Platz und hatte einen 56 m hohen Kirchturm. Der Name wurde von der "Mutterkirche" der Salvatorkirche (übersetzt: Erlöserkirche) in Prag abgeleitet. Die feierliche Kirchweihe fand am 20. Juni 1880 statt und war ein Fest für die gesamte Striesener Bevölkerung.

Ab 1881 wurde sie mitbenutzt durch die Striesener Kirchgemeinde, die 1880 von der Johanneskirchgemeinde abgetrennt wurde, allerdings fand eine Personalunion der Gemeindehäuser erst ab 1910 statt. Auf Grund des rasanten Wachstums wurde 1908 die Versöhnungskirchgemeinde ausgegliedert.

Die Erlöserkirche wurde stark beschädigt beim Luftangriff am 13./14. Februar 1945. Vom Gemeindekomplex an der Paul Gerhard Straße welcher fast völlig zerstört wurde, ist heute nur noch das beim Luftangriff leicht beschädigte Wohnhaus Wartburgstraße 5 erhalten.

Am 01. November 1945 wurde der Zusammenschluß der stark verkleinerten Erlöserkirchgemeinde mit der Andreaskirchgemeinde zur Erlöser-Andreas Kirchgemeinde vollzogen.

Andacht unter freien Himmel in der Erlöserkirchruine
Andacht unter freien Himmel in der Erlöserkirchruine,
mit LKR Neuberg, etwa 1950
Fotosammlung: Horst Milde
aus: "Striesen - Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils"
von Annette Dubbers, Umweltzentrum Dresden, Dresden 1999

Nach der Zerstörung der Erlöserkirche griffen beherzte und engagierte Gemeindemitglieder zu Schaufel, Leiter und Hammer. So wurden notdürftig das Kirchenschiff beräumt, die Mauern gesichert und provisorische Bänke für die dann bei schönen Wetter unter freien Himmel stattfindenden Sommergottesdienste gebaut.

Im neu aufgebauten, und am 22. September 1957 eingeweihten, Gemeindehaus auf der Haydnstraße (am Standort des ehemaligen Pfarrhauses der Andreaskirchgemeinde) ist ein großes Zimmer der Exulantengemeinde gewidmet. Es trägt noch heute den Namen "Exulantenzimmer".

Im Dezember 1959 wurde der Erlöser-Andreas Kirchgemeinde vom Stadtbauamt Dresden mitgeteilt, man beanspruche laut Aufbaugesetz die vier kirchlichen Grundstücke (das der Kirche, der zwei Pfarrhäuser und des Gemeindehauses) an der Paul Gerhardt Straße zwischen der Wittenberger und der Wartburgstraße. Trotz sofortigen Protestes der Gemeinde und des Superintendenten Wendelin, der u. a. auf den Totalausfall von fünf evangelischen Gotteshäusern zwischen der Kreuzkirche und der Versöhnungskirche, die nicht abgebrochene historische Verbindung nach Prag, und auf die Glaubens- und Religionsfreiheit aufmerksam machte, wurde in den Jahren 1961/62 die Erlöserkirche, welche leider nicht unter Denkmalschutz stand, abgerissen.

Die erhaltene Glocke hing danach im Glockenturm der benachbarten Katholischen Herz-Jesu-Kirche an der Borsbergstraße. Bei der Neugestaltung des Geläutes 1990 wurde sie an die Zschachwitzer Kirchgemeinde abgegeben.

Heute findet man an der Straßenecke, an der etwa die Erlöserkirche stand, von modernisierten Altneubauten eingerahmt, eine große Roßkastanie.

Straßenecke Wittenberger Straße/ Ecke Paul Gerhard Straße im Jahre 2001
Straßenecke Wittenberger Straße/Ecke Paul Gerhard Straße im Jahre 2001
Foto: Thomas Kretschmer

Gerettet werden konnten nur die vier steinernen Evangelisten vom Eingang der Kirche. Sie wurden auf dem Striesener Friedhof vor der wiederaufgebauten Friedhofskapelle aufgestellt und später, in den 90er Jahren, restauriert.

Am 01. Januar 2000 fusionierte, wie schon erwähnt, die Erlöser-Andreas Kirchgemeinde mit der Trinitatiskirchgemeinde zur Johanneskirchgemeinde.

Das Erbe der Exulantengemeinde wird seit dem 08. April 2000 von der "Evangelisch-Lutherischen Stiftung Böhmischer Exulanten zu Dresden" fortgeführt.

 


Zusammengetragen und recherchiert vom Thomas Kretschmer.

Quellen:

  • "Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Dresden 1"
    von Pfarrer Lic. theol. P. Flade Dresden,
    Verlag Arwed Strauch, Leipzig 1906
  • "Dresden & seine Kirchen" von Gerhard Schmidt,
    Evangelische Verlagsgesellschaft GmbH, Berlin 1976
  • "Das alte Dresden" von Fritz Löffler,
    VEB E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1989
  • "Johannstadt - Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils"
    von Annette und Jenni Dubbers, Umweltzentrum Dresden, Dresden 1999
  • "Striesen - Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils"
    von Annette Dubbers, Umweltzentrum Dresden, Dresden 1999
  • Landeskirchenarchiv Dresden
  • Diverse Literatur von:
    • Ev.-Luth. Johanneskirchgemeinde Dresden-Johannstadt-Striesen
    • Förderverein zur Erhaltung und Nutzung der Trinitatiskirchruine in Dresden-Johannstadt e. V.
    • Ev.-Luth. Stiftung Böhmischer Exulanten zu Dresden