Hinweise der Landeskirche zum Umgang mit der Coronavirus-Pandemie

Ab sofort könnten sich Gruppen und Kreise unter Einhaltung der Hygienebestimmungen unserer Kirchgemeinde wieder treffen. Genaue Informationen erhalten Sie bei den Verantwortlichen.

Mögen Sie Spiegel? Ich bin immer wieder von Spiegeln fasziniert. Rückspiegel sind äußert hilfreich, aber auch Spiegelbilder begeistern mich, z. B. das Titelbild dieser Ausgabe. Da spiegelt sich das Spiel von Licht und Schatten im neuen Glaskubus der Jugendkirche. Altes und Neues vermischen sich symbiotisch, so dass die Grenze nicht mehr fassbar ist.

In den letzten Monaten hat sich mir die Frage der Grenze zwischen Abbild und Realität noch deutlicher als je zuvor gestellt. Eine Laptopkamera und das von ihr erzeugte Bild ähnelt einem Spiegel. Vor mir auf dem Bildschirm entsteht ein virtuelles Bild von mir und von vielen anderen, mit denen ich so in Kontakt sein kann. Manche dieser Bilder haben virtuelle Hintergründe, manchmal werden die Gesichter von virtuellen Hüten oder Effekten geschmückt. Auch da vermischen sich Realität und Inszenierung.

»Denn jetzt sehen wir nur ein rätselhaftes Spiegelbild. Aber dann sehen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke. Aber dann werde ich vollständig erkennen, so wie Gott mich schon jetzt vollständig kennt.« (1. Korinther 13,12 – Basisbibel)

Auch Paulus war schon fasziniert von Spiegeln. Er nutzt sie als Vergleich für unsere Erkenntnis von Gott. Noch ist diese bruchstückhaft wie durch einen trüben Spiegel. Aber immerhin, dank des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung ist Erkennen möglich. Durch einen Rückspiegel blicke ich in die Vergangenheit und sehe, dass Gott gehandelt hat. So darf ich hoffen, dass er es auch weiterhin tun wird. Und in gegenüberstehenden Spiegeln ahne ich Gottes Unendlichkeit und werde gestärkt im Glauben an seine niemals endende Liebe.

Nun können wir uns, Gott sei Dank, wieder ohne Spiegel und digitale Hilfsgeräte sehen. Von Angesicht zu Angesicht. Das echte gegenseitige Erkennen und das Erkennen Gottes wird dennoch bruchstückhaft bleiben; noch sind nicht alle Masken gefallen. Doch manche Sicht auf unser Leben – wie auch auf die Welt – hat sich verändert, so mancher Blick ist klarer geworden, anderes liegt noch mehr denn je im Trüben.

Ich wünsche Ihnen und uns, dass die Sehnsucht nach Erkenntnis von Gott und Welt in uns wach bleibt. Schauen Sie doch auch mal wieder ganz deutlich in den Spiegel. Sie werden staunen, was Sie da alles (noch nicht) erkennen.

Gesegnete Erkenntnis wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Tobias Funke


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