Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Johannes 20,21

Was kommt eigentlich nach Ostern? Hoffentlich kein Frost mehr, sagen die Kleingärtner. Da kann ich endlich wieder richtig zulangen, sagen jene, die in der Fastenzeit auf Wurst und Schokolade verzichtet haben. Nach Ostern kommt noch eine ganze Woche Ferien, sagen die Schüler – und auch die Lehrerinnen freuen sich darüber. Und sonst? Im Kirchenjahr folgen in den Wochen nach Ostern noch einige Feiertage - einer unverständlicher als der andere - Himmelfahrt und Pfingsten; aber immerhin bringen die ja weitere freie Tage mit sich. Ansonsten geht es für die meisten nach Ostern ganz normal weiter; man hofft auf wärmeres Wetter und will endlich raus in die erwachende Natur, aber sonst ändert sich mit Ostern nicht allzu viel. Nach Ostern beginnt kein neues Jahr und auch gute Vorsätze werden nach Ostern selten gefasst.


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Ganz anders war das damals zum ersten Osterfest, als die Jünger Jesu seinen Sieg des Lebens über den Tod noch gar nicht richtig begreifen konnten. Sie waren verängstigt beieinander, konnten es nicht fassen, als Jesus, der am Kreuz gestorben war, auf einmal wieder lebendig vor ihnen stand! Sie hatten sich aus Angst verbarrikadiert, Fenster und Türen verriegelt und verrammelt – aber Jesus tritt dennoch in ihre Mitte. Kein Tod, keine Mauer, keine Grenze kann ihn aufhalten. Er findet seine verunsicherten und verängstigen Freunde versammelt und hat für sie nur einen Wunsch: „Friede sei mit euch!“ Er zeigt ihnen seine verwundeten Hände und die Seite – und die Jünger verstehen: Er ist es wirklich, Jesus lebt! „Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen“, so lapidar berichtet es das Johannesevangelium. Keine riesen Emotionen, kein Umdenhalsfallen, kein Jubel oder Geschrei. Nur die leise Randnotiz: Die Jünger wurden froh. Daraufhin wiederholt Jesus noch einmal seine Worte: „Friede sei mit euch. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Jesus gibt jetzt den Staffelstab an seine Jünger weiter: Jetzt seid ihr dran. Ich sende euch in die Welt zu allen, die noch nicht wissen, was sich geändert hat: Dass der Tod besiegt ist!

Der Tod hat nicht das letzte Wort. Diese Botschaft erhält am Grab geliebter Menschen auf dem Friedhof ihre eigentliche Bedeutung. Nach Ostern kommt die Gewissheit: Wer an Christus, den Auferstandenen glaubt, für den verliert der Tod den Schrecken. Wir wissen zwar: Wir werden alle sterben, aber wer auf Christus schaut, sieht weiter, über den Tod hinaus. Dadurch kommt wirklich Frieden ins verängstigte und aufgewühlte Gemüt der Jünger. Sie wissen Jesus bei sich, über räumliche und zeitliche Grenzen hinweg. Nach Ostern beginnt für sie eine neue Aufgabe: Ich sende euch! Das ist ihr Auftrag. Es ist auch unser Auftrag, wenn wir als Christen 2000 Jahre später Ostern feiern. Nach Ostern beginnt nicht nur das Frühjahr. Nach Ostern beginnt Frieden in unserem Leben, weil wir vielleicht das Sterben, nicht aber den Tod fürchten müssen. Jesus hat seine Jünger ausgesandt und mit Heiligem Geist ausgerüstet, er sendet auf gleiche Weise auch uns, damit wir in der Welt bezeugen: Friede sei mit euch, der Tod hat die Macht verloren, nach Ostern beginnt Leben mit ganz neuer Hoffnung!

Dass Sie in den Wochen nach Ostern diese Hoffnung spüren können und dass Sie einfach froh darüber werden, das wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Eva Gorbatschow.


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