Beitragsseiten

Juli / August / September 2020

Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja! (Psalm 150, 6)

Ich weiß nicht, wohin Gebete gehen, oder was sie bewirken.
Beten Katzen, wenn sie sich halb schlafend unter der Sonne zusammenrollen?
Beten Opossums, während sie die Straße überqueren? Die Sonnenblumen? Die alte Eiche, die jedes Jahr älter wird?
(Mary Oliver)


© gemeindebrief.de

Gott loben, ihn preisen, sie verehren - aber wie? Gebet und Lobpreis sind doch mehr als nur Gesang. Denn ob mit Tanz oder in der sorgfältigen Verrichtung aller anfallenden Hausarbeiten, selbst auf der täglichen Joggingrunde - jedes Geschöpf betet Gott auf seine Art an. So vielfältig wie unsere Gaben und Herangehensweisen an das Leben sind, so vielfältig drücken wir uns im Gebet aus. Darin sind wir mit der ganzen Schöpfung verbunden.

Deswegen ist es eigentlich verwunderlich, dass wir uns auf eine Gottesdienstform festlegen können, mit der alle gut leben können. Obwohl, tun sie das? Ein Grund, warum ich nicht öfter in den Gottesdienst gehe, ist, weil ich mit einer festen Liturgie und Orgelspiel nicht allzu viel anfangen kann. Anderen geben genau diese Rituale Halt, für andere ist genau der Klang der Orgel ein Signal für den Körper loszulassen und tief durchzuatmen. Diese Vielfalt ist wunderbar und wir sollten sie noch viel mehr fördern!

Lobet ihn für seine Taten,
Lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!
Lobet ihn mit Posaunen,
Lobet ihn mit Psalter und Harfen!

Die ersten Wochen der Corona-Kontaktbeschränkungen haben uns die Möglichkeit gegeben - naja, eigentlich erzwungen -, dass wir Gottesdienste anders feiern. So haben wir ein wenig mit YouTube experimentiert. Bestimmt auch nicht zur Zufriedenheit aller. Und leider auch nicht mit Posaunen oder Harfen - dafür mit Hilfe der Talente und Leidenschaften derer, die technikaffin sind und ganz in der Online-Kommunikation aufgehen.

Dieser Sommer wird besonders. So einzigartig, wie jede und jeder von uns Gott erlebt. Deswegen möchte ich dir diese Fragen mit auf den Weg geben - um darüber am See, auf dem Balkon oder im Home-Office nachzudenken: Was ist deine Art, „Halleluja“ zu singen? Worin entfaltet sich dein ganzes Wesen? Wo bist du ganz bei dir selbst und deinem Schöpfer?

Juliane Assmann


Juni 2020

Fotos: Tobias Funke, Mario Krakowitzky, Manja Pietzcker

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2. Tim 1,7)

Bei aller Herausforderung in der aktuellen Situation erinnert der Timotheusbrief daran, die von Gott geschenkte Kraft nicht zu vergessen. Besonnenheit und Liebe zeigen sich in diesen Tagen überall da, wo Menschen geholfen wird. Gott sei Dank hat unser Versorgungssystem der Krise gut standhalten können. Anders sieht es in anderen Ländern aus. Der Blick über den Tellerrand negiert die eigenen Probleme nicht, aber er relativiert sie. Manchen fiel das Bestehen der Einschränkungen leicht, anderen nicht. Es war vor allem Kreativität gefordert, die Dinge anders zu gestalten als geplant. Die Eindrücke von Ostern sind lebendig: Am Gemeindehaus Fiedlerstraße erblühte das Kreuz, die Lukaspfadfinder legten Hoffnungssteine an eine Quelle, vom Kreuzkirchenturm kamen tägliche Andachten und seit dem Ostermorgen grüßt der Osterwunsch in alle vier Himmelsrichtungen.

Seit Anfang dieses Jahres wächst die große Gemeinde zusammen. Wir teilen die Freuden und in der Krise zugleich die Probleme. Die Absage aller Vorortveranstaltungen schränkt das Gemeindeleben sehr stark ein. Gleichzeitig danken wir Ihnen allen sehr für Ihre Treue, Ihr Mitfühlen, Ihre Gebete und die vielen Signale der Verbundenheit.

Wenn nun die ersten Lockerungen, vor allem im Blick auf die Gottesdienste erfolgen, heißt es, besonnen zu bleiben. Und voller Hoffnung.

Zur aktuellen Entwicklung informieren Sie sich bitte auf den Internetseiten, in den Schaukästen, abonnieren Sie unsere Newsletter oder rufen sie uns an!

Bleiben Sie behütet und gesund!

Ihre Pfarrerinnen und Pfarrer
Carola Ancot, Christian Behr, Tobias Funke, Eva Gorbatschow, Holger Milkau, Manja Pietzcker und Dieter Rau im Namen aller Mitarbeitenden


April / Mai 2020

„Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim 1, 7)

Plötzlich steht alles still, Termine sind abgesagt, Treffen verschoben, die Schulpflicht aufgehoben. Unsicherheit und Furcht greifen um sich – zu unkalkulierbar ist, was uns durch diese Pandemie betreffen kann. Was, wenn ich das Haus nicht mehr verlassen darf? Wenn Familienmitglieder erkranken oder ich selbst? Was sind die betriebswirtschaftlichen Folgen, gerade für kleine Unternehmen oder Kulturschaffende, die kein dickes finanzielles Polster haben? Aber auch für Kirche und Diakonie werden die Folgen finanziell spürbar sein, wenn über Wochen die Kollekten für die Gemeindearbeit und für landeskirchliche Aufgaben wegfallen. Und doch sind die Sorgen um Finanzeinbußen oder das vorzeitige Ende der Bundesligasaison unwesentlich in Anbetracht von Todesopfern, die die Krankheit fordert.


© gemeindebrief.de

Wenn plötzlich alles stillsteht, wenn Krankheit uns bedroht und lebensbedrohlich wird, dann merken wir sehr deutlich: Wir haben nicht alles in der Hand. Aber als Christen wissen wir: Wir sind in Gottes Hand. Dass einfach mal alles stillsteht, kann so auch eine Chance sein für unseren sonst so abgesicherten und durchgetakteten Alltag in Beruf, Familie und Gemeinde. Ruhepause. Nachdenken. Hände falten zum Gebet. Zeit zum Aufräumen, um äußerlich und innerlich Inventur zu machen!

Die Karwoche und die Osterfeiertage stehen bevor: Wir wissen noch nicht, ob und wie die Gottesdienste und Andachten stattfinden – zunächst ist alles ausgebremst. Vielleicht werden wir Jesu Kreuzigung und Auferstehung viel bewusster bedenken und feiern, wenn wir selbst aus Angst und Isolation langsam wieder auferstehen? Vielleicht aber wird weiterhin alles stillstehen – und dann ist uns unerwartete Zeit und Ruhe geschenkt, die wir auch nutzen können. Es muss keine vertane, erst recht keine sinnlose Zeit sein. Vielleicht führen uns all die Einschränkungen der sozialen Kontakte gerade enger zusammen – in den virtuellen Räumen, die das Internet bietet. Oder ganz einfach, wie früher, am Telefon oder durch Briefe. Die junge und weniger gefährdete Generation hilft durch Einkäufe und Besorgungen ganz praktisch den älteren Hausbewohnern. In Italien sangen die Menschen in der Zeit der Quarantäne von den Balkonen ihrer Häuser Lieder und applaudierten Ärzten und Schwestern, wenn Krankenwagen durch die Stadt fuhren.

Natürlich sollen wir nicht alles schönreden. Aber man kann die Krise auch als Chance begreifen. Den Stillstand als Atempause für uns alle. Wir alle müssen uns verantwortungsvoll verhalten, um die Ausbreitung der Epidemie aufzuhalten. Aber als Christen müssen wir dabei nicht in Panik verfallen. All unser Tun und Lassen soll im Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit geschehen.

Lasst uns beieinanderbleiben, auch wenn wir Abstand halten müssen – wir sind verbunden durch Gottes Geist und bewahrt in Gottes Hand!

Im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter grüßt herzlich
Ihre Pfarrerin Eva Gorbatschow.


Februar / März 2020

Lasst uns wachsen?!

Im Februar werden die Tage schon wieder spürbar länger, abends ist es schon eine Stunde länger hell als noch vor vier Wochen. Von nun an nimmt das Tageslicht wieder deutlich zu. Und weil 2020 ein Schaltjahr ist, wächst sogar der ganze Monat Februar um einen Tag – wohl denen, die am 29. Februar Geburtstag haben: sie können dieses Jahr mal wieder termingerecht feiern!


© gemeindebrief.de

Wenn das Tageslicht zunimmt, freuen wir uns über die wachsende Helligkeit. Wer als Gärtner seinem grünen Hobby frönt, der möchte gern seine Kartoffeln, Bohnen und Dahlien wachsen sehen. Und falls Sie Aktienbesitzer sind, sind Sie natürlich am Kurswachstum interessiert. Der Wunsch nach Wachstum umgibt uns eigentlich überall. Auch unsere Kirchgemeinde ist gewachsen und hat sich mit der Lukas- und Kreuzkirchgemeinde auf über 10 000 Gemeindeglieder vergrößert. Doch da kommen manchem auch Zweifel, ob „immer größer“ auch „immer besser“ heißt? Freilich, wir mussten als Kirchgemeinden die Strukturvorgaben der Landeskirche umsetzen. Und wir möchten nun im Jahr 2020 gemeinsam beginnen, das Beste aus der neuen Gemeindestruktur zu machen: Mit den anderen Gemeindeteilen zusammen weiter wachsen und weiter zusammenwachsen.

Denn wie bei den Tulpen auf dem Titelbild zeigt sich im Wachstum ja erst nach und nach, wie z.B. eine Pflanze wirklich aussieht und wie sie von Gott, dem Schöpfer, gedacht war. Erst durch Wachstum gelangt ihre Form zur Vollendung – und das wäre doch auch ein schönes Bild auch für unsere Gemeinde. Dabei sehen wir auf dem Bild sofort: Diese Tulpe ist noch lange nicht fertig mit Wachsen (und es ist ja auch erst Februar, da hat sie wahrlich noch Zeit).

Wie verschiedene Menschen zu einer guten Gemeinschaft im Geist Gottes zusammenwachsen können, das möchten wir in diesem Jahr wieder auf einer Gemeindefreizeit ausprobieren – im Juni fahren wir gemeinsam weg unter dem Motto „zusammen+wachsen“, Anmeldungen dazu sind ab sofort möglich, siehe dazu auch Seite 25.

Doch es ist schon angeklungen und wird in unserer Zeit immer deutlicher: Zum Wachstum gehört auch die Frage: Wie lange kann Wachstum andauern – und wann ist es genug? Im letzten Gemeindebrief hat sich die Theologin Juliane Assmann vorgestellt. Sie wird in den nächsten drei Jahren in unserer Kirchgemeinde erproben, wo wir Wachstum in unserem Handeln und Wirtschaften begrenzen müssen oder wie anderes Wachsen funktionieren könnte. Als „anders-wachsen-Gemeinde“ werden Sie im Gemeindebrief unter der gleichnamigen Rubrik dazu neue Impulse und Idee finden.

Für die Gemeinschaft in unserer gewachsenen Gemeinde gibt uns die Bibel ein Wort aus dem Epheserbrief mit auf den Weg: „Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.“ Das ist die Aufgabe aller, die in der Gemeinde zu Hause sind und unsere Kirche mit ihren unterschiedlichen Begabungen aufbauen und bereichern: Unser Wachstum hat ein Ziel – das ist Christus. In all unseren Vorhaben als Kirche sollen wir uns an Christus orientieren, denn dort erst wird sich unser Wachstum vollenden. Und da befinden wir uns auch als Groß-Kirchgemeinde wohl erst im Stadium einer Tulpe, die längst noch nicht fertig ist mit Wachsen. Doch Ziel und Aufgabe ist klar: Lasst uns wachsen zu Christus hin.

Ich wünsche uns in unserer Kirchgemeinde Johannes-Kreuz-Lukas sehr viele positive Wachstums-Erfahrungen - und die Weisheit zu erkennen, wann weniger mehr ist!

In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie
Ihre Pfarrerin Eva Gorbatschow


Dezember 2019 / Januar 2020

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.
Jesaja 50,10

Dunkelheit umgibt die Welt in den kurzen, sonnenarmen Tagen des Winters. Die Dunkelheit draußen dringt manchmal bis ins Innere hinein: Traurigkeit und schwere Gedanken beschweren das Gemüt.


© gemeindebrief.de

Angst, Sorge, Unzufriedenheit, Misstrauen. Da ist genug, was finster stimmt.

Das Volk, das im Finstern wandelt, gehört zu den wiederkehrenden Themen in der Adventszeit.

Denen, die im Dunkel leben, ruft Jesaja Mut zu. Er lädt sie ein, im Gottvertrauen neues Licht zu entdecken. Gottes Licht findet den Weg bis in die Herzen der einzelnen, in die kleine Seele.

Die Vorboten des neuen Jahres sind ähnliche Trost- und Hoffnungszeichen. Die Tage werden heller, in der Mitte der Nacht. Was draußen in der Natur, am Himmel geschieht, stellt sich auch im Inneren ein. Wenn ich Ja zu Gott sage, strahlt seine Kraft in mir auf. Wenn ich Ja sage zu mir und zu den Nächsten. Auch zu denen, mit denen ich uneins bin. Denn jeder trägt eine Sehnsucht nach Licht und neuem Vertrauen in sich.

Ab dem 1. Januar 2020 wird das Licht unserer Dresdner Innenstadt-Gemeinde „Johannes-Kreuz-Lukas“ groß und heller als bisher. Jesus Christus, das Licht der Welt: In ihm werden wir mit sehr Vielen künftig unter dem Dach einer Gemeinde versammelt sein – seinen Glanz überall hin weit austeilen. Diesen neuen Weg beginnen wir im Vertrauen auf „den Namen des Herrn“, wie Jesaja sagt.

Lassen Sie sich dazu einladen. Vertraut auf den Namen des Herrn und verlasst euch auf euren Gott, damit Menschen durch das gemeinsame Tun und Glauben in der neuen, ausgedehnten Gemeinde Vertrauen finden und gestärkt werden. Gott gebe uns seinen Segen für ein friedvolles Weihnachtsfest und für ein gesundes Neues Jahr 2020!

Holger Milkau


Oktober / November 2019

AUS DEM VOLLEN SCHÖPFEN

„Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!“

Der Monatsspruch für den Monat Oktober nimmt uns hinein in die Schriften der Apokryphen. Diese „Schriften zwischen den Testamenten“ bilden eine Verbindung zwischen der hebräischen Bibel Israels und dem Neuen Testament. Sie vermitteln einen Einblick in die geistige und religiöse Lage des Judentums vor den Ereignissen, die uns die Evangelien schildern. Eines dieser Bücher ist das Buch Tobit. Es sind diese Worte aus dem Monatsspruch, die der alte Tobit an seinen Sohn Tobias richtet:


© Tobias und der Erzengel Raphael,
Gemälde von Filippino Lippi, erstellt etwa 1472-1482,
National Gallery of Art, Wikipedia

Der alte Tobit merkt, wie seine Kräfte schwächer werden und er spürt, dass ihm nicht mehr viel Zeit zum Leben bleiben wird. In dieser Situation hat er das Bedürfnis, seinen Sohn Tobias zu sich zu rufen. Er möchte seine Erfahrungen an die nächste Generation weitergeben und erzählt davon, was ihm in seinem Leben wichtig war, was ihn geprägt hat und wovon er sich auf seinem Lebensweg hat leiten lassen.

Ich erinnere mich gut an meinen Opa Johann mit seinen „ÜberlebensGeschichten“ aus dem Krieg, die sehr häufig Tischgespräch waren. Seine Strategie bestand zu einem guten Teil darin, ein möglichst großes Netzwerk aufzubauen. Seine Devise lautete: Teile (auch das Wenige), was du hast und alles wird dir doppelt gut gelingen! Und meine Oma Klara erzählte uns von der Not und von dem Hunger, der besonders in der Nachkriegszeit für die Stadtbewohner groß war. Ähnlich klangen die Erzählungen meiner Verwandten aus Berlin. Besonders spannend fanden wir Kinder die Geschichten über die Zeit der Berlin-Blockade mit der Luftbrücke, vom Kohlenklau, der Abholzung des Tiergartens und dem Überlebenskampf und Alltagsleben in einer geteilten Stadt.

Als Tobias zu seinem Vater gerufen wird, erhält er konkrete Weisungen: Regeln, an die sich Tobias halten soll, wenn es der gesamten Familie in Zukunft gut gehen soll! Tobias wird in die Pflicht genommen, Verantwortung zu übernehmen. Nicht nur für sich selbst und seine eigene Lebensgestaltung, sondern darüber hinaus auch für das Wohl der gesamten Familie.

Stellen Sie sich solch eine Szenerie in der heutigen Zeit vor. Die nächste Generation wird in die Pflicht genommen. Verbunden mit einer Fülle von Richtlinien, Regeln und Anweisungen, die nicht nur das Wohl des Einzelnen im Blick haben. Der alte Tobit fordert im Grunde die Beachtung der 10 Gebote: Achte deine Eltern und fördere den Zusammenhalt in den Familien. Bewahre die Traditionen, sei gerecht und führe dein Leben gottesfürchtig. Vor allem aber teile von dem, was du hast und sei nicht neidisch auf deinen Nachbarn.

In der Bibel lesen wir: „Gib auch, wenn du wenig hast. Geben macht reich und selig zugleich. Hab keine Angst. Gott wird das Seine hinzufügen.“
Und was können wir teilen? Wo können wir aus dem Vollen schöpfen? Wie gut geht es uns eigentlich zwischen Menschen, die in Abfallbehältern Leergut suchen und anderen, die unentwegt kaufen?

Mir kommen althergebrachte Traditionen in den Sinn: Einen Platz für den unerwarteten, ungebetenen Gast am Tisch frei lassen. Einen Teil des Feldes nicht abernten, damit es für die Besitzlosen auch eine Ernte geben kann. Doch wo werden diese Traditionen noch gelebt? Und im Größeren? Sollte sich unsere Gesellschaft nicht messen lassen an dem Wohl des schwächsten Gliedes in der Gemeinschaft? Wie steht es um unsere sozialen Netze, um unsere Solidarität?

In der Lutherbibel heißt es auch: „Und dein Auge blicke nicht neidisch, wenn du Almosen gibst.“ In den Medien lesen wir ganz aktuelle Berichte über eine sogenannte Neiddebatte. Dort werden Ängste beschrieben: Wer nimmt mir etwas weg? Wer bekommt mehr als ich? Oder mehr als ihm vermeintlich zusteht?

Zurück zum alten Tobit. Sein Sohn Tobias hört ihm aufmerksam zu und verspricht dem Vater am Ende, alles so zu tun. Er ist bereit, die Last der Verantwortung für die Familie zu tragen. Der alte Tobit verspricht seinem Sohn „Startkapital“ in Form von Silber, welches er vor langer Zeit bei seinem Freund Gabael in Medien hinterlegt hatte. Und so macht sich Tobias in Begleitung des unerkannten Engels Rafael auf den Weg.

Es ist schön zu lesen, dass Tobias nicht alleine auf die Reise gehen muss. Ein Engel begleitet und beschützt ihn. Bestimmt wurden auch wir auf unseren Lebenswegen schon unbemerkt von einem Engel begleitet. Es ist schön, jemanden an seiner Seite zu haben. Die Familie, gute Freunde und natürlich Gott selbst. Bis zu unserem Alter hin. In dieser Gewissheit sind wir alle reich und können wirklich „aus dem Vollen schöpfen“.

Es grüßt Sie herzlich Ihre
Susanne Schmitt aus der Seniorenarbeit


August / September 2019

Vor unbekannten Türen

In wenigen Tagen werden verschiedentlich Türen ins Unbekannte geöffnet: Für die Schulanfänger öffnet sich zum ersten Mal die Tür ins Schulhaus. Für viele Eltern ist dieser Schritt ihrer gar nicht mehr so klei-nen sechs- und siebenjährigen Kinder viel-leicht sogar noch aufregender. Die Kinder schließen nun morgens selbst die Haustür hinter sich und gehen ihren Weg selbst-ständig (sollten sie zumindest!) – und die Eltern ahnen: Nun beginnt er doch lang-sam, der Ernst des Lebens… Wie werden die Sprösslinge klarkommen, hinter der Schultür?


© gemeindebrief.de

Aber auch die Kinder, deren Weg ab der 5. Klasse in eine andere Schule führt, stehen am ersten Schultag sicher mit klopfenden Herzen vor der neuen Klassenzimmertür: Wen kenne ich? Werde ich neue Freunde finden? Und schaffe ich das überhaupt alles?

Auch wer im Krankenhaus einen Besuch macht, klopft vielleicht mit bangem Gefühl an die Tür des Krankenzimmers – was erwartet mich? Wie schlecht geht es dem Patienten wirklich – und was soll ich über-haupt sagen?

Auch am Ende eines Arbeitslebens wartet mit dem Eintritt ins Rentenalter eine neue unbekannte Tür. Eindeutig im Vorteil ist, wer eine einigermaßen lückenlose Er-werbsbiographie mit vielen Arbeitsjahren vorweisen kann. Der kann finanziell gut versorgt neu durchstarten. Für viele wird aber gerade das zum Wermutstropfen beim Thema Rente – wie werde ich finan-ziell überhaupt dastehen? Nichtsdestotrotz: Die meisten freuen sich auf diese neue Eingangstür in die Rente: Plötzlich habe ich Zeit! Man könnte so Vieles neu begin-nen oder endlich zu Ende bringen; all die Dinge, für die sonst nie Zeit war, das lange geplante Gartenbeet anlegen, die alte Freundin im Westen besuchen, viel mehr spazieren gehen oder sich endlich zur Rü-ckenschule anmelden...

Freilich haben viele im Laufe ihres Lebens auch erlebt, wie Türen zugeschlagen wur-den: die Haustür im Streit oder - im über-tragenden Sinn - manche Wünsche, die sich nicht erfüllten, Träume, die geplatzt sind, Pläne, die durchkreuzt wurden. Manchmal macht man dann tatsächlich die Tür hinter sich zu und will erstmal nichts mehr hören und sehen, nur in Ruhe gelassen werden.

Was verbirgt sich hinter der Tür auf dem Bild? Wahrscheinlich ist es eine Kirchentür - mit so komischen griechischen Buchsta-ben drauf. Alpha und Omega, der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, sind im Buch der Offenbarung das Symbol für Jesus: „Ich bin das A und O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ (Offb 22, 13) Alpha und Omega auf der Tür zeigen: Du kannst die-se Tür getrost aufmachen und hineingehen. Was immer dich dahinter erwartet – Jesus ist der Herr über Zeit und Ewigkeit. Jeder neue Anfang liegt in seiner Hand, genau wie jedes Ende.

Ob beim Start in unbekanntes neues Ter-rain im neuen Schuljahr oder als Rentner, beim Umzug in die fremde Stadt für Stu-dium, Ausbildung oder eine neue Arbeit, aber auch beim Gang durch die Kranken-haustür, gilt Gottes Zusage für uns: „Ich bin das A und O“ – Ich war da, und ich werde da sein. Auch hinter unbekannten Türen und hinter neuen Horizonten.

Im Alten Testament wird in der geheimnis-vollen Begegnung von Mose mit dem brennen-den Dornbusch der Na-me Gottes in ähnlicher Weise gedeutet: „Ich bin, der ich bin“ – oder einfacher gesagt: Ich bin da. Für dich. Hinter jeder neuen Tür.

In dieser Gewissheit lassen sich unbekann-te Türen leichter öffnen. Denn jeder Neu-beginn bietet neben aller Aufregung und Ungewissheit auch viele neue Chancen und Möglichkeiten. Und wir dürfen dabei vertrauen, dass Gott uns auf unseren We-gen durch neue Türen mit seinem liebevollen Blick begleitet. Er ist der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. Er wird uns die richtigen Türen öffnen. Und wir müssen nicht allein hindurchgehen. Auch nicht durch die allerletzte Tür unseres Lebens.

In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie
Ihre Pfarrerin Eva Gorbatschow


Juni / Juli 2019

„Worüber freut ihr euch?“, so habe ich die Kinder in unserem Kindergarten gefragt. Und die Antworten waren: „Ich freue mich, wenn ich mit Papa Eis essen kann“, „Wenn Oma mit mir in den Zoo geht“, „Gummibärchen“ oder „Wenn ich Mittagskind bin“. Um die Kinder zu erfreuen, braucht es oft nichts Großes und Kostspieliges. Es sind die Kleinigkeiten, die den Alltag besonders machen und über die die Kinder sich freuen können. Und vor allem Zeit und Zuwendung. Es sind die kleinen Dinge, die das Leben wertvoll machen.


© Torsten Schöley

Was gibt Ihnen Grund zur Freude? Vielleicht die Sonnenstrahlen am Morgen, ein lieber Besuch, ein schönes Konzert oder ein Sommerspaziergang, vorbei an blühenden Gärten? Bei so einem Spaziergang durch die Gärten habe ich diese Biene entdeckt. Sie saß auf einer Apfelblüte, und ließ sich nicht stören bei ihrer Arbeit, den Nektar zu sammeln. Ich habe mich beim Anblick der Biene gefreut. Ich habe mich gefreut, dass es auch dieses Jahr wieder Honig geben wird, und dass aus dieser Blüte hoffentlich ein kräftiger Apfel wachsen wird. Ich habe mich auch gefreut, dass Gott alles so wunderbar gemacht hat. Diese eine Biene ist ja ein ganz kleiner Teil von einem großen Bienenstock, aber ohne Bienen wie sie würde der ganze Bienenstaat nicht funktionieren. Es sind die kleinen Dinge, die im Leben wichtig sind. Es gibt viele Dinge, über die wir uns freuen können, wenn wir mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen. Gerade jetzt in der Sommerzeit, in der Gott uns so sehr den Reichtum der Schöpfung zeigt, in der wir Wärme und Licht spüren. Dabei gehört für mich die Dankbarkeit zur Freude dazu. Wenn ich mich über die kleinen Dinge am Wegesrand freue, bin ich dankbar. Ich danke Gott für die kleinen Freuden, die er mir im Alltag schenkt und die manchmal einen trüben Tag ein Stück heller machen können.

In diesen Monaten singen wir oft das bekannte Lied von Paul Gerhardt:
„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben. Sieh an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesem Sommer die kleinen Freuden entdecken können, ob Sie Zuhause sind oder im Urlaub. Manchmal findet man sie bei einem Spaziergang am Wegesrand.

Susanne Schöley


April / Mai 2019

SIEHE, ICH SAGE EUCH EIN GEHEIMNIS. WIR WERDEN NICHT
ALLE STERBEN, WIR WERDEN ABER ALLE VERWANDELT WERDEN.
1.Kor. 15,51

In diesen Satz fasst Paulus die Botschaft von Ostern zusammen. Nachdem Jesus auferstanden ist, werden auch wir von den Toten auferstehen. Möchten Sie das überhaupt? Weiterleben nach dem Tod?
Manche antworten auf diese Frage: „Interessiert mich nicht. Ich lebe im Hier und Jetzt. Und was danach kommt, das ist mir egal.“


© Ortwin Brand

Dass nichts mehr von dir bleibt? Dass alles egal ist, was du gemacht hast? Glaubst du das? Nein. – „Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?“, fragte ich vor vielen Jahren meine Großmutter. Ich ahnte wohl, dass ich bald von ihr Abschied nehmen musste.

Es muss doch ein Wiedersehen geben. Das Weiterleben scheint eine Ursehnsucht des Menschen zu sein. „In den Kindern werde ich nach meinem Tod weiterleben“, höre ich manchmal. Doch wenn ich keine Kinder habe? Oder kein gutes Verhältnis zu ihnen?

Zahlreiche Kulturen haben eine Vorstellung davon, dass es nach dem Tod etwas gibt, egal wann und wo die Menschen gelebt haben.

Ägypter sahen im Grab den Ort, wo man zu neuem Leben aufersteht. Die Germanen füllten die Gräber mit Reiseutensilien für das Totenreich. Und als Jesus lebte, war der Gedanke an die Auferstehung lebendig. Im jüdischen Achtzehn-Bitten-Gebet heißt es: „Gelobt seist du, Ewiger, der du die Toten wieder belebst.“

Ein beliebtes Symbol auf den Grabsteinen der ersten Christen war der Schmetterling. Ich finde, das ist ein starkes Bild für das, wovon man so schwer sprechen kann.

Aus dem Kokon, der toten Hülle, entsteht ein ganz anderes, ein neues Wesen. Die vorherige Gestalt ist verwandelt und der Schmetterling hat Möglichkeiten, von denen die Raupe nicht hätte träumen können. Neugeboren zu werden, bereits mit der Taufe beginnt es, so bekennen es Christen. Sie sagen, mein Glaube hat mich verändert. Und es wächst eine neue Haltung Gott, den Menschen und dieser Welt gegenüber. Eine Kraft ist das, die nicht von dieser Welt ist. Geheimnisvoll und mit dem Verstand nicht zu fassen. Doch es ist die größte Hoffnung, von der wir zehren können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Passions- und Osterzeit,
Ihre Pfarrerin Carola Ancot.


Februar / März 2019

Ein Nasenkuss

Ein Nasenkuss. In Indonesien ist diese zarte Berührung eine übliche Begrüßung und Verabschiedung unter Familien und Freunden. Wie oft haben Margarita (62) und Yunus (64) sich wohl schon so berührt? Sie sind seit 1974 verheiratet. Das ist eine lange Zeit! Es ist ein Glück, einander so lange zu haben. Doch wir alle wissen, es braucht unseren Einsatz für gute Beziehungen. Liebe und Frieden miteinander sind nicht selbstverständlich, weder bei uns noch in Indonesien.


Foto: Brot für die Welt

„Suche Frieden und jage ihm nach“, gibt uns der Vers aus Psalm 34 mit in das Jahr 2019. Ich seufze, wenn ich an die unfriedliche, weltpolitische Lage denke, aber auch an den Streit, den ich tagtäglich erlebe, im Privaten wie auch in unserer Kirche und in der Stadt Dresden. Ja, die Welt ist voller Unfrieden. Das zu ändern erfordert von mir eine Haltung und fragt auch nach meiner Verantwortung und meinem Einsatz für Frieden. Was heißt es, Frieden zu suchen und ihm nachzujagen? Heißt das, nur den Nachbarn in Ruhe zu lassen, beim Kartenspiel nicht zu schummeln? Heißt das, die Faust nicht in der Hosentasche zu ballen und keine Waffe in die Hand zu nehmen? Bedeutet das, dass ich mich nicht in körperliche Gewalt verstricke und niemanden mit Worten angreife?

Das Bild zeigt es deutlich: Frieden ist viel mehr als die Abwesenheit von Krieg und Gewalt. Viel kleiner beginnt er als bei Friedensverhandlungen auf der großen politischen Weltbühne. Frieden halten heißt: Ich schaue den Menschen neben mir an, in all seiner Würde und als Gottes Geschöpf. Und ich halte diesen Blick, ich achte und lebe meinen Blick, weil er meine Überzeugung und mein Glaube ist. Frieden heißt auch, danach zu streben, sich nach Streit und Verletzung wieder aufeinander zuzubewegen. Dem Frieden nachjagen heißt, den Teil der eigenen Gefühle ernst zu nehmen, der aus tiefstem Herzen Frieden möchte.

Dem Frieden nachzujagen heißt für uns im Jahr 2019 ganz praktisch,

  • dass wir uns 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution und 70 Jahre nach dem Inkrafttreten des Grundgesetzes bei mindestens drei Wahlen für unsere Demokratie einsetzen.
  • dass wir uns nach 30 Jahren Ökumenische Versammlung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung stark machen für Gerechtigkeit und die großen Zukunftsfragen - global wie lokal.
  • dass wir in Erinnerung an die 125jährige Geschichte der Trinitatiskirche die Vorbereitungen für den Bau der friedensstiftenden Jugendkirche voranbringen, damit dieser Anfang 2020 beginnen kann.
  • dass wir den Frieden suchen in unserer Gemeinde und in unserer Landeskirche und die Aufgabe meistern, den Weg zur neuen Gemeindestruktur zusammen mit der Lukas- und der Kreuzkirchgemeinde zu finden.

Ihnen und uns allen ein gesundes und friedvolles Jahr 2019!

Ihr Pfarrer Tobias Funke

P.S.: Margarita und Yunus leben auf dem zu Indonesien gehörenden Teil der Insel Timor. In ihrem Dorf gibt es ein Projekt, das häusliche Gewalt eindämmen soll, welches von einer Partnerorganisation von "Brot für die Welt" initiiert ist. Nähere Infos und die Möglichkeit zu Spenden unter www.brot-fuer-die-welt.de


Dezember 2018 / Januar 2019

DA SIE DEN STERN SAHEN, WURDEN SIE HOCHERFREUT.
(MATTHÄUS 2, 10)

Was bereitet Ihnen Freude jetzt im Advent? Macht es Freude, die Wohnung weihnachtlich zu dekorieren, den Teig fürs Plätzchenbacken auszurollen oder für die Lieben nach originellen Geschenken zu suchen? Für die Kinder ist die Adventszeit auf jeden Fall die Zeit des Jahres mit der größten Vorfreude und Erwartung. Doch auch Erwachsene möchten in diesen Wochen vor dem Fest etwas von der frohen und gespannten Stimmung spüren – und in diversen Katalogen kann man seinen Bedarf decken an Deko-Artikeln und Dingen für eine gemütliche Adventszeit: Vom Bio- Spekulatius über den Tee-Adventskalender bis zur Rentier-Bettwäsche ist an alles für die weihnachtliche Grundausstattung gedacht.


© Gemeindebrief.de

Was bereitet Ihnen Freude? Oder vergeht Ihnen bereits die Freude beim Anblick der Pfefferkuchen, die seit September in den Kaufhallen lagern? Graut Ihnen vor dem Gewühl in den Kaufhäusern und dem endlosen Stille-Nacht-Gedudel auf den Weihnachtsmärkten?

Was bereitet uns denn wirklich Freude jetzt im Advent, in der dunkelsten Zeit des Jahres, die wir so gern mit Kerzenlicht beleuchten?

Von den Weisen aus dem Morgenland berichtet uns die Bibel, dass „sie sich freuten mit einer sehr großen Freude.“ Haben Sie sich schon mal über etwas „mit einer sehr großen Freude gefreut“? Das ist kein Deutsch?! Nein, natürlich nicht, denn das ist die Freude der weit gereisten Magier, die aus Persien nach Bethlehem kamen, die wochenlang unterwegs waren, und „da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut“ – da freuten sie sich mit einer riesengroßen Freude! Der Stern führte sie zu Maria und Josef und dem neugeborenen Kind in der provisorischen Herberge im Stall. Im Stroh eines Futtertroges liegt der Säugling, ohne Rentierbettwäsche. In diesem neugeborenen Kind erblicken die Weisen einen König und schenken ihm kostbare Dinge, so teuer und hochwertig wie aus dem Manufactum-Katalog: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Die (teuren) Geschenke und der Stern sind uns bis heute zu Weihnachten erhalten geblieben. Und die sehr große Freude? Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich zu Weihnachten tatsächlich mit einer sehr großen Freude freuen können – nicht nur über Spekulatius und Geschenke, sondern über das Kind, in dem Gott zu uns Menschen kommt.

Eine freudige Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Eva Gorbatschow.


Oktober / November 2018

Und ich sah die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.
Offenbarung 21,2

Was für eine phantastische Vision, die uns mit dem Monatsspruch im November vorgestellt wird. Was für eine Verheißung, auf die wir schauen, die da auf uns zukommt! Eine himmlische, eine heilige Stadt, die uns erwartet und sich herausputzt, will uns willkommen heißen. Und mit ihr kommt Gott selbst vom Himmel herab und wir dürfen die Herrlichkeit Gottes schauen.

In paradisum deducant te angeli: in tuo adventu suscipiant te martyres,
et perducant te in civitatem sanctam ierusalem.
Ins Paradies mögen dich Engel geleiten: bei deiner Ankunft sollen dich die Märtyrer empfangen
und dich in die Heilige Stadt Jerusalem führen.

Ein apokalyptisches Szenario wird uns im Buch der Offenbarung des Johannes vorgestellt. Ganz am Ende der Bibel schließt sich der Kreis von Schöpfung, Versöhnung und Vollendung. Diese Trinität offenbart sich in der Vision auf ein himmlisches Jerusalem. Doch der Weg dorthin ist kein leichter. Er wird als eine Zeit der Bitterkeit beschrieben, als ein Ringen mit dem Bösen. Als eine Zeit, an deren Ende das Ende aller Dinge steht, als eine Zeit, in der der alte Himmel und die alte Erde vergangen sind - das letzte Gericht durchlitten ist. Im neuen Jerusalem wird alles Irdische überwunden sein. Alles Materielle wird zurückgelassen. Eine neue Zeit wird sein – die Karten werden neu gemischt und alle Chancen und Möglichkeiten werden neu verteilt sein.

In der Offenbarung lesen wir auch eine Beschreibung der Stadt. Das himmlische Jerusalem soll von gleißendem Licht erstrahlen, aus glasartigem Gold und von würfelförmiger Gestalt sein. Auf jeder der vier Seiten existieren jeweils drei Stadttore innerhalb der Stadtmauer, auf denen wiederum insgesamt zwölf Engel stehen. Zusätzlich sollen auf den Toren selbst die Namen der zwölf Stämme Israels vermerkt sein. Tore und Mauern sind mit Juwelen und Edelsteinen geschmückt.

Die Größe der Stadt wird mit einer Seitenlänge von 12.000 Stadien beschrieben und ihre Gebäude sollen auch 12.000 Stadien hoch sein. Rechnet man ein Stadion mit 185 m, ergibt sich eine Kantenlänge von 2.220 Kilometern. Ob diese Zahlen wörtlich zu nehmen sind, ist umstritten. Manche vertreten die Ansicht, dass aufgrund der in der Bibel häufig anzutreffenden Zahlensymbolik eher von einer den Zahlenangaben innewohnenden inneren Botschaft auszugehen sei. In dieser Zahlensymbolik steht die Zahl Drei für eine sehr große Gewissheit, die Zahl Vier für die vier Himmelsrichtungen und damit die gesamte Erde und die Zahl Zwölf für die zwölf Stämme und damit das ganze Volk Israel. Die Zahl Zwölf hat auch eine mathematische Bedeutung, die wir noch heute vom Dutzend oder den zwölf Stunden her kennen.

Bitte schauen Sie sich einmal das Titelbild auf unserem Johannesadler an. Es zeigt eine Miniatur aus den Beatus- Handschriften, dem sog. Facundus-Beatus. Deutlich erkennt man den Engel, der das neue Jerusalem mit einem Stab oder Schilfrohr ausmisst. Außerdem zu erkennen: Das Lamm Gottes und je ein Satz von zwölf Figuren, Toren und Edelsteinen. Die Beatus-Handschriften stammen aus Nordspanien und wurden im 10. und 11. Jahrhundert angefertigt. Häufig sind sie prachtvoll illustriert und mit zahlreichen farbenprächtigen Miniaturen versehen. Die Beatus- Handschriften zählen zu den bedeutendsten Meisterwerken der spanischen Buchmalerei.

Doch nicht goldene Häuser und silberne Straßen werden in Gottes neuer Welt beschrieben. Es sind Menschen, die vom Heiligen Geist mit herrlichen Gaben geschmückt und herausgeputzt wie Brautleute erscheinen: Wir selbst werden Braut und Bräutigam sein; wir selbst werden das neue Jerusalem sein; wir selbst werden Gottes neue Welt bevölkern und dort ewig leben - in Gemeinschaft mit Gott!

In unserem Gesangbuch findet sich ein geistliches Lied, das vom himmlischen Jerusalem und vom Eingang der Seele in die Herrlichkeit erzählt: „Jerusalem, du hochgebaute Stadt“. Den Text schrieb Johann Matthäus Meyfart im Jahr 1626. Meyfart war ein lutherischer Pfarrer und Theologieprofessor und er beschreibt hier ein wahres Sehnsuchtsmotiv: „Jerusalem, du hochgebaute Stadt, wollt Gott, ich wär in dir! Mein sehnend Herz so groß Verlangen hat und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Tale, weit über Flur und Feld schwingt es sich über alle und eilt aus dieser Welt.“ Und in den weiteren Strophen heißt es: „Die Seele geb von mir in Gottes treue Hände - tu auf der Gnaden Pfort - mir Gott hat gegeben das Erb der Ewigkeit - was in der Welt an Auserwählten war, seh ich: sie sind die Kron - in Ehren schweben, in Freiheit überall - im schönen Paradeis, von höchster Freud erfüllet wird der Sinn, der Mund von Lob und Preis - Halleluja, Hosianna, Jubelklang - es wird keine Mühsal mehr geben!“ Was für eine Vision.

Das himmlische Jerusalem wird als wichtigstes eschatologisches (altgriechisch: die letzten Dinge betreffend) Symbol verstanden, in welchem die Lehre vom Anbruch einer neuen Welt entfaltet wird. Der Apostel Paulus beschreibt es so: Gegenwärtiges Leiden kann ertragen werden in der Gewissheit, dass Gott die Lebenden von den Toten erwecken wird.

Auch der Evangelist Johannes betont in seinen Betrachtungen eine Gegenwart, in der die Zukunft schon wirkmächtig ist und tätig wird: „Der Glaube hebt die Zeit nicht auf, sondern gibt ihr eine neue Qualität und Ausrichtung.“ In der Zukunft wird offenbar, was bereits in der Gegenwart angekündigt und entschieden ist: Die Auferstehung von den Toten.

Schon in unserer Taufe werden wir darauf vorbereitet. Gott möchte uns an jedem Tag begleiten, mitten unter uns sein, uns beschützen und helfen, für uns sorgen. Gott ist mit uns, so wie es das hebräische Wort „Immanuel“ verheißt.

Ein neues Jerusalem. Ein herrliches Ziel, eine lebendige – eine heilige und ewige Stadt. Wie sie genau aussehen wird, diese himmlische Stadt, erfahren wir nicht. Dafür gibt es in unserer alten Welt keine passenden Worte und Vergleiche. Doch es wird uns gesagt, was es im himmlischen Jerusalem nicht mehr gibt: Tränen, Tod, Leid, Schmerz, Schuld und Zweifel.

Doch inwieweit kann uns eine solche Vision als Orientierungshilfe im Lebensalltag dienlich sein? Wird hier nicht ein Spannungsverhältnis zwischen der Glaubensgewissheit auf der einen und der Welterfahrung des Einzelnen auf der anderen Seite beschrieben? Wie steht es um unser persönliches Gottvertrauen? Vielleicht fällt es schwer loszulassen – sich auf etwas zu verlassen, die Kontrolle abzugeben.

Gottes Botschaft durch Johannes an uns lautet: Alles Böse der alten Welt wird es in der neuen Welt nicht geben. Mit dieser phantastischen Aussicht auf ein herrliches Ziel befinden wir uns nun auf unserer Lebensreise. Und unterwegs können wir „unseren Durst von der Quelle des lebendigen Wassers stillen“, das meint, uns durch unseren Glauben stärken. Ganz umsonst. Wir können uns Gottes Gegenwart gewiss sein. Und alle, die zu seinem Volk gehören, bleiben am Ziel in ewiger Gemeinschaft bei ihm. Denn Gott spricht: „Wer überwindet, der wird alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.“

Es grüßt Sie im Namen der Mitarbeiter
Ihre Susanne Schmitt von der Seniorenarbeit.


August / September 2018

Abnehmen und Wachsen

Viele Dinge im Leben begegnen uns nicht nur öfters, sondern sogar regelmäßig. Weihnachten, der eigene Geburtstag, die Steuererklärung oder die Vorsorge beim Zahnarzt oder, falls wir ihn bisher bemerkt haben, der Johannistag immer am 24. Juni. Letzterer führt eher ein Schattendasein, wenn er nicht wie in diesem Jahr auf einen Sonntag und noch dazu auf unser Gemeindefest fällt.


© Bernd Kasper, pixelio.de

Wer war nun dieser Johannes der Täufer? Was macht ihn beachtenswert? Diese Fragen wurden zum Gemeindefest durch das gleichnamige Musical beleuchtet, welches von den Musical-Kids und weiteren Christenlehrekindern aufgeführt wurde.

Die Evangelien bezeichnen ihn dann als die „Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben!“ Er lebt abgesondert in der Wüste, bekleidet mit einem Gewand aus Kamelhaar samt Gürtel und ernährt sich von Heuschrecken und Honig. Ein Außenseiter also? Seine Botschaft schallt nicht aus Jerusalem, dem Zentrum der religiösen und politischen Macht. Damit steht er im Kontrast zum Tempelkult, der sich mit der ungeliebten römischen Besatzung zu arrangieren hatte. Johannes möchte das Erscheinen des ersehnten Messias vorbereiten. Schließlich kommt sogar Jesus zu ihm und lässt sich taufen. Dies ist für Jesus der Beginn seines Wirkens als Sohn Gottes. Aber entsprechen diese eigenen Bemühungen um das Kommen eines Messias‘ zu ermöglichen unserem christlichen Verständnis von Gott, einem Gott, der sich durch Jesus auf den Weg zu uns gemacht hat, um selbst die Hindernisse zu beseitigen? Hat dieser Täufer damit für uns nicht ausgedient?

Johannes scheint einerseits noch in seiner Zeit verwurzelt, mit der Tradition, selbst etwas zu tun, um eine Distanz zu Gott zu überwinden. Doch er bleibt dabei nicht stehen, sondern weist auf den Beginn von etwas Größerem hin: Nach mir kommt der, der stärker ist als ich; ich bin nicht wert, dass ich mich vor ihm bücke und die Riemen seiner Schuhe löse. Ich habe mit Wasser getauft; aber er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. (Mk. 1, 7f)

Johannes weist von sich selbst weg, nur dadurch kann er auf etwas Größeres hinweisen und Wegbereiter sein für etwas Neues: Für einen Gott, der mit seiner eigenen Initiative den Weg zu jedem Menschen bereitet und eine Rechtfertigung anbietet, zu der niemand selbst etwas beitragen kann. Eine Einladung an jeden Menschen, die bedingungslos und nicht zu verdienen ist. Darin sind wir als Christinnen und Christen gleich. Das kann uns zu einem christlichen (Mit)Menschenbild bringen, bei dem jeder Mitmensch keine größere Gnade nötig hat als ich selbst.

Machen wir dann als Kirche, als Gemeinde, als Christinnen und Christen nur auf uns selbst aufmerksam oder weisen wir über uns hinaus, auf etwas Größeres: Jesus Christus? Oder verdecken wir ihn oder stehen ihm manchmal sogar im Weg? Der Appell von Johannes dem Täufer scheint auch heute noch aktuell und fasst sich für mich in dem kurzen Johanneszitat zusammen: Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen. (Joh. 3, 30) Damit hat für mich der Johannestag eine Bedeutung. Vielleicht können Sie diesem „Abnehmen und Wachsen lassen“ auch etwas Positives abgewinnen oder haben damit schon erstaunliche Erfahrungen gemacht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen persönlich und uns allen als Gemeinde eine gesegnete Zeit.

Ihr Kantor & Kirchenmusiker
Mathias Bertuleit


Juni / Juli 2018


Das gezeigte Altarbild habe ich auf meiner 9-monatigen Reise durch Schweden und Norwegen vor zwei Jahren entdeckt. Es befindet sich in der kleinen Stadt Jukkasjärvi in Lappland, in einer um 1607 erbauten Kirche der Samen. Es wurde gemalt von Bror Hjorth (1894-1968).


© Gemeindebrief.de

Das Bild begeisterte mich schon auf den ersten Blick. Die ausdrucksvollen Farben und die schlichte, fast kindliche und doch facettenreiche Gestaltung durch den Künstler weckten mein Interesse. Mehrere Interpretationsmöglichkeiten erfuhr ich durch eine Kirchenführung in Jukkasjärvi, einigen Gesprächen mit Freunden und eigenen Gedanken. Auf der linken Seite des Bildes ist die Winterzeit abgebildet. In dieser dunklen Zeit wird das Leben der Menschen geprägt von der Dunkelheit, von Süchten, Krankheiten und Konflikten. Im Gegensatz dazu befindet sich auf der rechten Seite des Bildes die Sommerzeit. Dort erkennt man „paradiesische“ Zustände: Helligkeit, Freude, Gemeinschaft und die farbenprächtige Natur mit vielfältigen Blumen und Pflanzen.

Diese Vorstellung von der perfekten Sommerzeit hat mich damals, während meiner Reise, gedanklich begleitet.

Ich fühlte und sah, getragen von den hellen Nächten der Mitternachtssonne und von den scheinbar endlosen Sommertagen, die faszinierende Natur Skandinaviens, die Berge und das Meer, ebenso perfekt und „paradiesisch“, wie sie der Künstler auf dem Bild darstellte.

„Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen, dass alle Tiere des Feldes trinken (…). Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen. Du tränkst die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest. Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen (…). Die Bäume des HERRN stehen voll Saft (…). Dort nisten die Vögel, und die Störche wohnen in den Wipfeln. Die hohen Berge geben dem Steinbock Zuflucht und die Felsklüfte dem Klippdachs.“ (nach Psalm 104, 10-18)

Inspiriert von dem Altarbild, verstand ich während der Reise und meinen Erlebnissen in der Natur ganz neu, wie wunderbar Gott diese Welt erschaffen hat. Wie schön ist doch der Sommer mit seinen reichen Gaben, dem Licht und der Wärme. Dankbar und fröhlich dürfen wir dieses wertvolle Geschenk der Sommerzeit annehmen.

Was planen Sie in diesem Sommer? Soll es vielleicht auch auf Reisen und in den Urlaub gehen? Vielleicht bleiben Sie aber auch hier in Dresden? Vielleicht gehen Sie öfter in die Natur, in den Garten, in einen Park oder an die Elbwiesen und genießen die warmen Temperaturen, die Sonne und das Licht?

Vielleicht denken Sie dabei auch öfters an das Altarbild aus Jukkasjärvi, an die Darstellung und die Gefühle längst vergangener Generationen, wie dem alten Volksstamm der Samen: Der Sommer zeigt Gottes perfekte Schöpfung von seiner besten Seite.

Ich wünsche uns und Ihnen für diesen bevorstehenden Sommer ähnliche glückliche, zufriedene Momente und Schlüsselerlebnisse, wie ich sie damals erlebte. Dass wir erneut die Schönheit des Sommers schätzen dürfen und unseren Fokus auf das richten, was Gott so wunderbar geschaffen hat und für all das dankbar sind, ganz egal, wo wir unseren Sommer verbringen:

„Ich will dem Herrn singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.“ (Psalm 104, 33)

Ihre Marie Leubner


April / Mai 2018

Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Johannes 20,21

Was kommt eigentlich nach Ostern? Hoffentlich kein Frost mehr, sagen die Kleingärtner. Da kann ich endlich wieder richtig zulangen, sagen jene, die in der Fastenzeit auf Wurst und Schokolade verzichtet haben. Nach Ostern kommt noch eine ganze Woche Ferien, sagen die Schüler – und auch die Lehrerinnen freuen sich darüber. Und sonst? Im Kirchenjahr folgen in den Wochen nach Ostern noch einige Feiertage - einer unverständlicher als der andere - Himmelfahrt und Pfingsten; aber immerhin bringen die ja weitere freie Tage mit sich. Ansonsten geht es für die meisten nach Ostern ganz normal weiter; man hofft auf wärmeres Wetter und will endlich raus in die erwachende Natur, aber sonst ändert sich mit Ostern nicht allzu viel. Nach Ostern beginnt kein neues Jahr und auch gute Vorsätze werden nach Ostern selten gefasst.


© Gemeindebrief.de

Ganz anders war das damals zum ersten Osterfest, als die Jünger Jesu seinen Sieg des Lebens über den Tod noch gar nicht richtig begreifen konnten. Sie waren verängstigt beieinander, konnten es nicht fassen, als Jesus, der am Kreuz gestorben war, auf einmal wieder lebendig vor ihnen stand! Sie hatten sich aus Angst verbarrikadiert, Fenster und Türen verriegelt und verrammelt – aber Jesus tritt dennoch in ihre Mitte. Kein Tod, keine Mauer, keine Grenze kann ihn aufhalten. Er findet seine verunsicherten und verängstigen Freunde versammelt und hat für sie nur einen Wunsch: „Friede sei mit euch!“ Er zeigt ihnen seine verwundeten Hände und die Seite – und die Jünger verstehen: Er ist es wirklich, Jesus lebt! „Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen“, so lapidar berichtet es das Johannesevangelium. Keine riesen Emotionen, kein Umdenhalsfallen, kein Jubel oder Geschrei. Nur die leise Randnotiz: Die Jünger wurden froh. Daraufhin wiederholt Jesus noch einmal seine Worte: „Friede sei mit euch. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Jesus gibt jetzt den Staffelstab an seine Jünger weiter: Jetzt seid ihr dran. Ich sende euch in die Welt zu allen, die noch nicht wissen, was sich geändert hat: Dass der Tod besiegt ist!

Der Tod hat nicht das letzte Wort. Diese Botschaft erhält am Grab geliebter Menschen auf dem Friedhof ihre eigentliche Bedeutung. Nach Ostern kommt die Gewissheit: Wer an Christus, den Auferstandenen glaubt, für den verliert der Tod den Schrecken. Wir wissen zwar: Wir werden alle sterben, aber wer auf Christus schaut, sieht weiter, über den Tod hinaus. Dadurch kommt wirklich Frieden ins verängstigte und aufgewühlte Gemüt der Jünger. Sie wissen Jesus bei sich, über räumliche und zeitliche Grenzen hinweg. Nach Ostern beginnt für sie eine neue Aufgabe: Ich sende euch! Das ist ihr Auftrag. Es ist auch unser Auftrag, wenn wir als Christen 2000 Jahre später Ostern feiern. Nach Ostern beginnt nicht nur das Frühjahr. Nach Ostern beginnt Frieden in unserem Leben, weil wir vielleicht das Sterben, nicht aber den Tod fürchten müssen. Jesus hat seine Jünger ausgesandt und mit Heiligem Geist ausgerüstet, er sendet auf gleiche Weise auch uns, damit wir in der Welt bezeugen: Friede sei mit euch, der Tod hat die Macht verloren, nach Ostern beginnt Leben mit ganz neuer Hoffnung!

Dass Sie in den Wochen nach Ostern diese Hoffnung spüren können und dass Sie einfach froh darüber werden, das wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Eva Gorbatschow.


Februar / März 2018

Jahreslosung 2018 - Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6

Wer kennt es nicht, durstig zu sein? Ein Gefühl, was sich plötzlich in der Magengegend einschleicht und nach schneller Stillung sucht. Sich nach einem Tropfen Wasser zu sehnen, besonders nach einer getanen Arbeit, einem heißen und trockenen Sommertag, einem Wanderausflug, nach einer sportlichen Aktivität oder während des einfachen Bummelns in der Stadt, kann manchmal ganz schön anstrengend sein...


© Gemeindebrief.de

Man hetzt sich ab, um das abgrundtiefe Bedürfnis nach Wasser zu stillen, bis die Erleichterung einsetzt, weil wir unserer Sehnsucht nachgegeben haben. Hierfür tut es gut, die Quellen für Durstige zu kennen - den Weg zum nächsten Supermarkt zu nehmen, etwas kaufen oder auch mal den Wasserhahn in der heimischen Wohnung aufzudrehen. Es breitet sich ein dankbares Gefühl der Erleichterung aus, wenn wir wissen, dass wir genug zu trinken haben – und das so selbstverständlich!

Die Jahreslosung 2018 greift die Motive des Durstigen und der Quelle auf. Aber wer ist mit dem Durstigen, der Quelle des lebendigen Wassers, die es umsonst gibt, gemeint?

Dafür müssen wir gedanklich einen Zeitund Ortswechsel vornehmen: Es ist die Zeit des 1. Jahrhunderts, in der Kaiser Domitian im römischen Reich regierte. Wie jeder Herrscher prägte er seine Herrschaft. In verschiedenen Zeitzeugenberichten beschrieb man ihn als einen Kaiser, der hochfahrend, selbstsüchtig, menschenverachtend und eifersüchtig war, und das wirkte sich auf das Leben der damaligen Zeit aus. Gleichzeitig war es die Zeit, in der sich die Christen und ihre Gemeinden in einer Welt von religiöser Vielfalt behaupten mussten. Es war normal geworden, verschiedene Götter anzubeten, andere Kulturen als eigene Kultur anzunehmen, sich dem moralischen und sittlichen Verfall hinzugeben. Es war eine Herausforderung für die Christen, in dieser Zeit zu leben. Zwar wurden sie nicht als religiöse Gruppe selbst verfolgt, aber sie erlebten unter der Herrschaft Domitians eine Zeit der Unsicherheit. Denn Kaiser Domitian fiel es schwer zu ertragen, dass die Christen sich weigerten, ihn anzubeten.

Täglich wurde der Glaube angezweifelt - An wen wollten sie glauben und wohin gehörten sie?

Genau in diese Zeit hinein scheint die prophetische „Enthüllung“ des Sehers Johannes über ein „himmlisches Jerusalem“ im Buch der Offenbarung sie daran zu erinnern - an wen sich Christen in Zeiten von Umbrüchen halten können: Gott.

„Ich will dem Durstigen geben“, - daran kann uns deutlich werden, dass Gott den Gescheiterten und Bedürftigen sein Angebot macht, sich an ihm zu orientieren. Es ist die persönliche Verheißung Gottes an den Leser des Verses - wir sind alle Durstige auf der Suche nach unseren Quellen. Wenn wir darüber nachdenken, fallen uns sicher viele Quellen ein, die uns in unserem Alltag, Kraft und Halt geben.

Für den einen sind es vielleicht die Familie, der Ehepartner, Freunde, die Arbeit oder die Dankbarkeit darüber, so viel im Leben erleben zu können. Für den Anderen ist es der Erfolg, der Sport, ein Ziel, dass man erreicht hat. Diese Quellen sind sichtbar. Aber in der Jahreslosung wird Bezug darauf genommen, dass es eben nicht irgendeine Quelle ist, sondern die „Lebendige“. Es ist die „Lebendigste“, die Überraschendste und die Größte und vielleicht auch die „Herausforderndste“ unter allen: - Gott.

Es sind nicht immer die sichtbaren Wasserquellen, nach denen wir „nur“ suchen und die unseren Durst für einen Moment stillen. Es gibt etwas, nachdem wir uns als Christen viel mehr sehnen und auch ausstrecken dürfen. Nach der Quelle des lebendigen Wassers.

Im Bild der “Quelle“, die sich immer wieder mit frischem Wasser füllt und nicht aufhört, lebendig zu sprudeln, zeigt sich uns, wie Gott und wer Gott ist. Dahinter steckt ein Versprechen.

Wenn wir uns Gott anvertrauen, dann macht er alles neu und das umsonst. Wir müssen für Gottes Liebe und Gnade, die sich auch hinter der sprudelnden Quelle verbirgt, nichts leisten, sondern erhalten sie, so wie wir sind. Es ist eine Zusage an uns. Ein Bekenntnis zu uns Menschen. Eine Quelle, die sich nicht leer trinken lässt.

Für unsere Gemeinde wünsche ich mir, dass wir immer wieder gemeinsam vor dieser Quelle stehen dürfen und nicht müde werden, nach Gott zu suchen und Gott in den verschiedenen Veranstaltungen und an vielen anderen Orten begegnen und erleben können.

Ihre Gemeindepädagogin
Anne Rau-Oufkir


Dezember 2017 / Januar 2018

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen
das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen,
die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte
unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Lukasevangelium 1,78-79 (L)

Es ist Gott nicht egal, wie es uns geht. Die biblischen Geschichten erzählen, wie sehr Gott leidet, wenn er die Finsternis sieht, die auf Erden herrscht. Aber Gott hat uns geschaffen und die Freiheit geschenkt, unser Leben zu gestalten, wie wir es wollen. Damit haben wir die Wahl, auch im Schatten des Todes zu sitzen und uns gegen den Weg des Friedens zu entscheiden. Aber weil wir Gott nicht egal sind, zeigt er uns Wege heraus aus dem Todesschatten. Gott schnipst jedoch nicht einfach mit dem Finger, um uns zum Guten zu bewegen, sondern wählt einen anderen Weg. Er kommt zu uns, als unser Mitmensch und Bruder. Er wird geboren als Kind in einem Stall.


© Gemeindebrief.de

Der Monatsspruch für den Dezember stammt aus dem „Lobgesang des Zacharias“. Als Zacharias klar wird, dass sein Sohn Johannes – später der Täufer – der Wegbereiter für den Gottessohn sein wird, stimmt er ein Loblied an. Er besingt, woran man merken wird, dass Gott uns „besucht“ und „erlöst“: Die, die in der „Finsternis sitzen“ und „im Schatten des Todes“ werden das „aufgehende Licht aus der Höhe“ sehen und ihre „Schritte werden auf den Weg des Friedens“ gerichtet werden. Das war vor 2000 Jahren.

Und heute? Heute haben wir diese Hoffnung immer noch nötig, wo wir doch umgeben sind von Finsternissen, Todesschatten
und Unfrieden.

Advent und Weihnachten liegen in der dunklen Jahreszeit. Manche Kerze, manche Lichterkette wird uns auch dieses Jahr wieder dabei helfen, in die Dunkelheit Licht zu bringen. Mit Zacharias hoffe ich aber darauf, dass das Licht nicht nur in dieser Weise zu uns kommen wird, sondern auch, indem Herzen erhellt werden, Menschen aufatmen und die adventliche und dann auch die weihnachtliche Freude groß wird.

Ich wünsche Ihnen innere Ruhe und offene Herzen, um Gottes Licht zu entdecken oder selbst weiterzugeben. Bei den Veranstaltungen in unserer Gemeinde wird es dazu Gelegenheiten geben: Vielleicht, wenn gemeinsam musiziert wird beim Finnischen Weihnachtskonzert oder wenn wir nach dem Diakonischen Gottesdienst Grüße zu Menschen bringen, die nicht mehr zum Gottesdienst kommen können oder bei einer persönlichen Auszeit, einem Gebet, einem Lied.

Gehen wir gemeinsam durch diesen Advent – dem aufgehenden Licht Gottes entgegen. Lassen wir das Licht in uns selbst hell werden. Geben wir von diesem Licht weiter an die, die in Finsternis und Todesschatten sitzen. Gehen wir Schritte auf dem Weg des Friedens – in ein gutes neues Jahr. Gott begleite uns, damit wir erkennen, wann und wie das aufgehende Licht uns "besucht".

Ihr Tobias Funke
Pfarrer


Oktober / November 2017

Liebe Gemeinde,
zu Luthers Zeiten weideten auf der Striesener Flur noch Schafe. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Striesen zur Dresdner Vorstadt. 1880 wurde die Erlöserkirche gebaut als Kirche der Böhmischen Exulanten und der Striesener Protestanten. Vier lange Straßen in Ost-West-Richtung wurden nach wichtigen Orten der Reformation benannt, nach Augsburg, Wittenberg, der Wartburg und Worms. Die kürzeren Querstraßen erhielten Namen von bedeutenden Theologen späterer Jahrhunderte: Paul Gerhardt, Philipp Spitta, Philipp Jakob Spener und Valentin Ernst Löscher.


© Hanno Schmidt

Für das Titelbild habe ich ein altes Foto ausgegraben. Es zeigt ein Relief aus Sandstein, das am Pfarrhaus auf der Paul- Gerhardt-Straße angebracht war. Nach der Zerstörung des Pfarrhauses lag es noch einige Jahre im Vorgarten, bevor es abhanden kam. Das Relief zeigt Martin Luther mit der Laute, umgeben von seiner Familie. Auf dem alten Foto ist das Sandsteinbild wiederum von einer Kinderschar und einer Diakonisse umgeben. Vielleicht handelt es sich um eine Christenlehregruppe?

Das Foto bezeugt uns: In unserem Stadtteil nahm der evangelische Glaube einst eine wichtige Rolle ein. Die Nachfahren der Böhmischen Exulanten schätzten als Merkmale dieses Glaubens die Bibel und das Heilige Abendmahl in beiderlei Gestalt hoch. Sie hielten die Erinnerung an die Verfolgung der Evangelischen im 17. Jahrhundert wach. Diese Erinnerung wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Osten Deutschlands wieder Wirklichkeit. In den Jahren um 1957, als unser Foto entstand, wurden besonders junge Christen benachteiligt und an der Ausübung ihres Glaubens behindert. Die Stadt Dresden enteignete 1961/62 die Kirchgemeinde und ließ die Ruine der Erlöserkirche abreißen, um Wohnhäuser zu bauen.

Das alte Foto bezeugt: Wir lassen uns nicht unterkriegen. Trotz aller Widrigkeiten geben wir unseren Glauben weiter an die junge Generation. Das Bild erzählt auch vom Miteinander der Generationen, das wir in unserer Gemeinde zu leben versuchen. Alte Menschen freuen sich über Begegnungen mit Kindergartenkindern und Konfirmanden. Jugendliche staunen, was die Älteren zu erzählen haben.

Auf dem Relief, das das Pfarrhaus zierte, ist Luther nicht mit Bibel und Doktorhut zu sehen. Eine Laute hält er in der Hand. Gerade die Musik war und ist ein verbindendes Element. Wir geben die alten Lieder an unsere Kinder weiter. Gleichzeitig freuen wir uns, von ihnen neue Lieder zu lernen. In den Musikgruppen unserer Gemeinde treffen sich ganz unterschiedliche Menschen, die ohne die Liebe zur Musik wohl nicht zusammen kämen. Im Ökumenischen Orchester zum Beispiel musizieren Mitglieder verschiedener Gemeinden miteinander. Luthers Laute sagt uns: unser Glaube geht tiefer als alle Theologie. Theologie beschäftigt den Verstand. Theologie ist unverzichtbar als Grundlage, Forschung und Lehre. Die Musik aber betrifft unser Gefühl. Sie spricht uns tief im Herzen an. Und gerade sie bleibt uns erhalten, wenn im hohen Alter die Kräfte des Verstandes nachlassen. Wenn uns Worte nicht mehr erreichen, kann uns die Musik weiter trösten. „Musik ist das beste Labsal einem betrübten Menschen“, sagt Martin Luther, „dadurch das Herz zufrieden, erquickt und erfrischt wird.“ Musik trifft uns im Herzen. Und auch unser Glaube spielt sich nicht in unseren Gehirnzellen ab, sondern in tieferen Regionen. „Woran du nun dein Herz hängst, das ist eigentlich dein Gott.“ In diesem Satz aus dem Großen Katechismus fragt uns Luther: Was trägt dich in Krisen und Schwierigkeiten? Wer hilft dir, wenn du nicht mehr weiter weißt?

Unsere Striesener Straßennamen halten auf diese Fragen Antworten bereit. Sie verweisen uns auf wichtige Orte der Reformation, auf Stätten von Lehre und Bekenntnis, auf Lehrer und Dichter der Kirche. Und in dem verschollenen Relief auf die Musik als ein unverzichtbares Herzstück unserer Glaubens.

Feiern Sie mit uns 500 Jahre Reformation! Gemeinsam mit unseren katholischen Schwestern und Brüdern feiern wir am Reformationstag Gottesdienst in der Herz- Jesu-Kirche. Anschließend begeben wir uns auf den Prozessionsweg, dieses Jahr durch die Straßen der Reformation, an den Stätten der verlorenen Kirche und dem verschwundenen Pfarrhaus vorbei. Wie immer endet der Gottesdienst in der Ruine, mit Bläsermusik und Reformationsbrötchen.

Herzlich grüßt Sie
Ihre Pfarrerin Carola Ancot


August / September 2017

Gedanken zum Monatsspruch August 2017
Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein.
Apostelgeschichte 26, 22

Paulus steht angeklagt vor dem jüdischen König Herodes Agrippa in Jerusalem und soll sich erklären. Im Raum steht der Vorwurf, er sei Anführer der „Sekte der Nazarener“ und errege unter seinen jüdischen Landsleuten Aufruhr. Da Paulus aber nicht nur gebürtiger Jude, sondern auch römischer Bürger war, steht ihm ein ordnungsgemäßes Gerichtsverfahren zu. Und in dieser Situation zieht er folgendes Resümee seines bisherigen Lebens: „Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag.“


©Paul Burns / fotolia.com

Paulus hätte - weiß Gott - auch anders reden können! Er hätte berichten können, wie viel Zeit, Nerven, Kraft und Geld ihn sein Einsatz für Gott gekostet hat; allein die Reisekosten, jahrelang tausende Kilometer nicht im Dienstauto, sondern zu Fuß oder in einfachen Wagen auf unwegsamen Straßen unterwegs. Dazu der Ärger in den Gemeinden, die er gegründet hat! Immer wieder musste er in seiner Korrespondenz mit den Gemeinden in Korinth oder in Galatien Streit schlichten; musste ermahnen, dass sich die jungen christlichen Gemeinden nicht auf spirituelle Abwege begaben. Manchen Brief hat Paulus sogar unter Tränen geschrieben, so verzweifelt war er über die Lage. Er musste sich Beleidigungen anhören, seine Kompetenz als Prediger wurde angezweifelt. Paulus hat von seinen Gegnern Schläge einstecken müssen, überlebte geradeso eine Steinigung, hat Schiffbruch erlitten, war unter Räubern und in Todesnot, und dazu wurde er von einer schmerzhaften Krankheit geplagt... Im 2. Korintherbrief zählt er selbst einmal schonungslos auf, was er alles während seiner Missionsreisen erlitten hat.

Jetzt ist er angeklagt und es könnte ihm an den Kragen gehen. Die Lage ist ernst. Aber sein Resümee lautet: „Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein.“ Erstaunlich! Sieht Paulus sein Leben durch die rosarote Brille? Bei allem, was er durchgemacht hat?

„Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag.“ Dieser Satz zeugt von tiefer Glaubenserfahrung. Er könnte aber auch von der 88jährigen Frau im Pflegebett stammen, die seit dem Schlaganfall nicht mehr aufstehen kann, die alleinstehend war mit einer behinderten Tochter und doch in ihrer knappen Zeit früher immer im Kirchenchor gesungen hat. Daraus hat sie Kraft geschöpft – und sagt heute trotz allem über ihr Leben: „Gott hat mir immer wieder geholfen.“

Wie gut, dass solche Menschen uns ein Beispiel geben: Menschen, die kein einfaches Leben hatten, die viel geopfert haben, die manchmal am Rand ihrer Kräfte gewesen sein mögen – aber dennoch ein solches Lebensresümee ziehen können. „Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag.“ Sie sind tatsächlich Zeugen für die Kraft des Glaubens bei Groß und Klein.

Ich wünsche uns, dass wir als Große und Kleine von solchen Glaubenszeugen in unserem eigenen Glauben gestärkt werden!

Es grüßt herzlich
Ihre Pfarrerin Eva Gorbatschow


Juni / Juli 2017

Der Monatsspruch für Juli

Das ist es, worum ich bete: Eure Liebe soll weiterwachsen und zunehmend geprägt sein von Erkenntnis und umfassendem Verständnis.
Philipper 1,9
in der Übersetzung der Basisbibel.


Buntglasfenster, Petersdom, Rom

Liebe Gemeinde, dieser Spruch aus einem Brief des Missionars Paulus an eine Christen- Gemeinde in Philippi (heute Ostgriechenland) klingt in unseren Ohren zunächst süßlich-fromm und schwärmerisch. Bei dem Begriff "Liebe" denken wir heute an Sympathie-Gefühle, Zweisamkeit, Sehnsucht und Eifersucht oder an Gefühle der Verbundenheit oder Abhängigkeit in einer Familie. Gemeint war in dem Text aber die Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen und sich ihnen gegenüber in Wort und Tat situationsangemessen, vorausschauend und lebensdienlich zu verhalten. Man könnte das auch "Sozialkompetenz" nennen. Wenn diese wächst, wie es in dem Vers heißt, dann entwickeln sich Fähigkeiten wie:
genaues Wahrnehmen von Menschen - Einfühlungsvermögen - die Fähigkeit, eigene Urteile und Meinungen momentan zurückzuhalten - Selbstbeherrschung (der eigenen Gefühle) - die Fähigkeit, eigene Gefühle wahrzunehmen und anderen bewusst zu zeigen, ohne sie zu verletzen - anderen zu erlauben, so zu sein, wie sie sind - Hilfsbereitschaft - Verschwiegenheit an der richtigen Stelle - Kritikfähigkeit - Bewusstsein der eigenen Fehlbarkeit - die Fähigkeit, gut zusammen zu reden, zu planen und zu arbeiten.

In unserem Monatsspruch betet Paulus für eben solches Wachstum in Verbindung mit Erkenntnis und Verständnis bei seinen Freunden. Heute würde man sagen: für Entwicklung von Sozialkompetenz, indem man eigenes Reden und Handeln immer wieder kritisch betrachtet und mit anderen bespricht. - Sie werden mir zustimmen, dass das eine hochanspruchsvolle Sache ist!

Die ersten Christengemeinden hatten offensichtlich diesen hohen Anspruch, und vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb sie so anziehend waren, einen heute unvorstellbaren Zulauf hatten und sich (trotz grausamster Christenverfolgungen) in kurzer Zeit über das ganze große Römische Reich ausbreiteten. Das funktionierte so lange, bis im 4. Jahrhundert Kirchenmitgliedschaft zwangsmäßige Pflicht für alle Bürger wurde. Dieser Zwang hat zwar für 100% Mitglieder gesorgt, aber die Entfaltung und Entwicklung von besonderer Sozialkompetenz verhindert und den hohen Anspruch in dieser Sache in Vergessenheit gebracht. Ich meine: Deshalb fehlt unseren Gemeinden ein großer Teil dessen, was die frühen Gemeinden anziehend gemacht hat. Da der Zwang zur Kirchenmitgliedschaft seit etwa 100 Jahren immer mehr nachlässt und heute praktisch verschwunden ist, sinken die Mitgliederzahlen rapide. Kircheneigene Prognosen besagen, dass zwischen 2014 und 2040 die Mitgliederzahl um etwa 40% abnehmen wird.

Stellen Sie sich nun mal eine Gemeindegruppe vor, die "Sozialkompetenz" als ihr wesentliches Lernziel betrachtet und tatsächlich übt, sich darin anleiten lässt und über längere Zeit Fortschritte macht! In einer Welt, in der die soziale Kälte zunimmt, wäre sie super-anziehend! Warum sollten kirchliche Gruppen nicht an dieser ursprünglichen Tradition wieder anknüpfen?

Schwierig? Ja!! Eine Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich selbst zu ändern - ein Wagnis, vor dem die meisten Angst haben. Es kommt aber nicht in erster Linie darauf an, ob wir uns so eine anspruchsvolle Lernaufgabe selbst zutrauen, sondern darauf, ob wir Gott zutrauen, dass er uns bei dieser Aufgabe wirksam helfen kann. Denn es ist eigentlich sein Projekt. Deshalb schreibt Paulus auch nicht: ich wünsche euch so eine Entwicklung, sondern: ich bete dafür.

Ein passendes Bild zu diesen Gedanken sehen Sie auf dem Titelblatt: die Taube als Symbol für den Heiligen Geist, der uns für das begeistert, wofür Gott uns ins Leben schickt.

Ihr Pf. Roija Weidhas


April / Mai 2017

Was bedeutet mir die Auferstehung? Was bedeutet mir das Geschehen, das der Altar in der Erfurter Predigerkirche wie in einem Schnappschuss festhält? Der Auferstandene auf dem Weg vom Tod ins Leben, gezeichnet mit den Wundmalen, die Hand zum Segen erhoben? Die schlafenden, wie erstarrten Wächter? Der Engel, der die für ihn scheinbar viel zu große Grabplatte in Händen hält? Die Frauen im Hintergrund, auf dem Weg zum Grab, um den vermeintlich Toten zu betrauern? Was bedeutet mir die Auferstehung? Was kann sie mir bedeuten angesichts des Elends in der Welt und bei uns?


© Michael Tillmann, Aachen

Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: "Kinder der Auferstehung hat uns Christus genannt. Kinder, die Heimweh haben, das sind wir, wenn es recht mit uns steht."

Was heißt das? Zunächst, dass wir von der Auferstehung Christi so abhängig sind wie ein Kind von seinen Eltern. Ohne die Auferstehung hängt das Leben gleichsam in der Luft, verliert seinen Ursprung. Das ist schon eine gewagte These: Ist das wirklich so? Empfinde ich das in meinem Leben ebenso? Dietrich Bonhoeffer hat um die Schwierigkeiten dieses Satzes im alltäglichen Leben sehr genau gewusst, denn er hat die Schrecken in ungeheurer Brutalität am eigenen Leib erfahren. Und deshalb fügt er einen zweiten Satz hinzu: "Kinder, die Heimweh haben, das sind wir, wenn es recht mit uns steht."

Nach dem Tod geht es für viele nicht mehr weiter. Alle Wege kommen an ein Ende, alle Hoffnungen. Doch Kinder der Auferstehung, die ihre Heimat nicht vergessen, vertrauen darauf: Jesus lebt. Die entscheidende Veränderung hat sich nicht vor unseren Augen abgespielt, doch wir können sie bezeugen: das Grab ist leer. Christus ist auferstanden. Gott schlägt das Buch des Lebens Jesu noch einmal auf. Die Erstarrung des Todes löst sich auf. Bewegung kommt in die Welt. Bewegung kommt in mein Leben. Es hat Ursprung und Ziel. Christliches Leben ist Heimkehr zu der Quelle, aus der wir leben. Das bedeutet mir die Auferstehung.

Und es geht nicht nur um Quelle und Ziel, Ursprung und Heimkehr, ich erfahre auf diesem Weg auch Begleitung. Der, der mich erwartet, führt mich auch zu sich. Er begleitete die Frauen durch die Trauer hindurch zur Freude und ist auch für die Wächter da, wenn sie aus ihrem Schlaf erwachen. Von dieser Botschaft darf ich mich bewegen und beleben lassen.

Ostern will uns dazu neue Kraft geben: Kinder der Auferstehung zu sein. Heimweh zu haben und Gottes Spuren zu folgen. Aufmerksam zu sein für seine Begleitung an meiner Seite. Gott und einander zu vertrauen, Lieblosigkeit zu überwinden, sich zu Schuld zu bekennen, auch Unbequemes zu wagen und immer wieder das Gespräch zu suchen: mit Gott, mit mir selbst, mit den Menschen. Zu all dem will Ostern uns bewegen, damit sich in der Welt etwas bewegt - hin zum Leben.

Gesegnete Ostern wünscht Ihnen Ihre
Pfarrerin Carola Ancot


Februar / März 2017

Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Hesekiel 36, 26


© Johannes Spörl

Liebe Gemeindemitglieder, bei den Israeliten, zu denen der Satz mit dem neuen Herz und Geist gesagt wurde, hat es nicht funktioniert. Der Prophet Hesekiel richtete ihnen von Gott aus: Wenn ich euch aus der Verbannung in eure Heimat zurückkehren lasse, dann erwarte ich von euch ein deutlich anständigeres Verhalten! Ich hab gemerkt: Mit ein paar Geboten und Prophetensprüchen allein ist das nicht zu ändern. Damit ihr’s hinkriegt und ich euch nicht gleich wieder mit verlorenen Kriegen bestrafen muss, gebe ich euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Eurer jetziges ist ja steinhart! -

Aber neue Herzen fielen keine vom Himmel, wuchsen auch nicht in Brustkörben heran, nicht mal Lehrer einer neuen Herzlichkeit tauchten auf. Nach ihrer Heimkehr aus dem Exil verhielten sich die Israeliten kaum anders als vor ihrem Straf-Exil. Das ist verständlich. Allein durch Ermahnungen, Befehle und Strafen wird ja nicht mal ein Hund herzlicher. Aber vermutlich begann in den frömmeren Kreisen des Volkes Israel eine Debatte über die Idee einer neuen Herz- und Geist-Kultur. Im Laufe von Generationen fingen immer mehr Leute an - trotz ihrer Verwurzelung in barbarischen Verhältnissen - Versuche und Erfahrungen mit wertschätzenden, toleranten, selbstbewussten und kreativen Umgangsformen zu machen. Ihre Erfahrungen damit erzählten sie weiter. Sie wiederholten, ergänzten und erweiterten solche Erfahrungen und Erzählungen. Sie testeten und diskutierten Modelle einer neuen Kommunikations- und Umgangskultur - damit war diese als eine neue Herzlichkeit und neue Denkweise in der Welt! Seitdem versuchen immer wieder Menschen darin zu handeln und kreativ zu sein. Einige wurden dabei zu Symbolfiguren dieses Lebens mit neuem Herz und Geist: z.B. Jesus, Franz v. Assisi, Bonhoeffer, A. Schweitzer, M. Teresa, M. Ghandi etc.

Die Jahreslosung 2017 sagt uns, dass wir in unseren unreflektierten Bedürftigkeiten und Ängsten nicht hoffnungslos feststecken, sondern dass Gott uns bessere innere Motivationen und Ziele gibt. Genauer gesagt: Er ermöglicht, dass sich andere Denk- und Verhaltensmuster entwickeln können. Er schenkt sie uns auch nicht im Schlaf und ohne dass wir danach gefragt haben. Vielmehr müssen wir uns absichtlich und engagiert darauf einlassen, damit sie ihre wohltuende Wirkung für uns entfalten.

Wie das geht? Steht in den Biographien der genannten Symbolfiguren! Ich empfehle Jesus-Geschichten. Wenn Sie die lesen, lassen Sie sich auf diese (zu Hesekiels Zeiten) neue Herz-und-Geist-Kultur ein. Wenn Sie diese Zeilen hier lesen, sind Sie dabei. Wenn Sie demnächst Ihren Mitmenschen freundlicher, großzügiger, feinfühliger und geduldiger begegnen, sind Sie in diesen Momenten Teil des „neuen Herz und neuen Geistes“ und tradieren es. Es beginnt damit, dass Sie davon hören. Der zweite Schritt heißt: den Gewinn davon erkennen und verlockend finden. Der dritte ist das Selber-probieren-und-üben. - Wie gesagt, wir kriegen unseren Anteil am „neuen Herz und neuen Geist“ nicht ohne eigenes Zutun wie einen Schnupfen, sondern: indem wir uns dafür Zeit nehmen, uns gute Beispiele vor Augen halten, uns von der Schönheit eines offenes Herzen beeindrucken lassen, die Sehnsucht unseres eigenen Herzens danach entdecken und uns daran erinnern, wo wir selbst schon so eine Geisteshaltung zeigen konnten. Unter diesen Erinnerungen findet sich der Mut, es immer wieder zu probieren. - Wundern Sie sich nicht, wenn irgendwann andere anfangen, sich ein Beispiel an Ihnen zu nehmen.

Viel Erfolg dabei und Gottes Segen wünscht Ihnen Ihr Pf. Roija Weidhas


Dezember 2016 / Januar 2017


© Michael Tillmann, Aachen

Maria und Joseph. Selten sah ich sie so nah beieinander. Maria ist als Mutter Jesu auf vielen Bildern zu finden. Oft mit dem neugeborenen Kind auf dem Arm. Oder ganz am Anfang der Geschichte: als der Engel Gabriel ihr eröffnet, dass sie schwanger werden wird und Gottes Sohn gebären wird.

Joseph finden wir meistens an der Krippe. Oft steht er ein bisschen abseits, als gehöre er nicht richtig dazu. Doch was hätte Maria ohne ihn gemacht? Was wäre aus dem Jesuskind geworden?

Im ersten Kapitel des Matthäusevangeliums lesen wir: „Die Geburt Jesu Christi aber geschah so: Als Maria, seine Mutter, dem Joseph vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem heiligen Geist.“ Ganz schön komplizierter Satz, nicht wahr? Nicht nur Matthäus war eine schwangere Braut nicht geheuer. Auch Joseph möchte lieber hinaus aus der Geschichte. „Joseph, aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen.“ Joseph will Maria nicht bloßstellen. Alles soll mit Anstand geschehen. Ein verlässlicher Mann, ein Handwerker, der feste Pläne hat für seinen Lebensweg. Doch Gott hat einen anderen Plan. Im Traum erscheint Joseph ein Engel. Er sagt: „Bleib bei Maria und nimm dich des Kindes an.“ Und Joseph folgt diesem Weg. Er nimmt Maria zu sich. Aus tiefer Überzeugung, so glaube ich, und mit großer Liebe. Davon erzählt die kleine Skulptur aus dem Dom St. Bartholomäus aus Frankfurt am Main. Sie spricht von Liebe, Zuneigung, Geborgenheit.

Die Gesichter und Körper der beiden, die da in der Umarmung festgehalten sind, sehen sehr menschlich aus. Nur der goldene Glanz auf ihren Gewändern zeigt, dass es auch Gottes Geschichte ist. Die Stadt im Hintergrund könnte Nazareth sein. Doch hier werden Maria und Joseph nicht bleiben. Sie müssen zur Volkszählung nach Bethlehem. Dort wird Maria das Kind gebären. Später werden die drei vor den Soldaten des Herodes fliehen. Joseph wird durch seine Träume geführt.

Was wäre, wenn Joseph sich für einen anderen Weg entschieden hätte? Wenn er nicht da gewesen wäre, um Maria in den Arm zu nehmen und zu stützen?

Joseph, auf den ersten Blick ein so unscheinbares Glied in der Heilsgeschichte, wird so zu jemandem, ohne den es nicht gegangen wäre, ohne den Maria nicht weiter gewusst hätte, ohne den Jesus den Häschern des Herodes in die Hand gefallen wäre.

Auch wir sind Teile der Heilsgeschichte. Auch auf jeden und jede von uns kommt es an. Das klingt erschreckend, überfordernd. Doch ein Blick auf Joseph zeigt es: Mit beiden Beinen auf der Erde stehen und auf Gottes Wort hören und danach handeln – darauf kommt es an.

Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie im Advent berührt werden, durch ein Bild, durch ein Lied, durch Gottes Wort. Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie einen Engel finden und jemandem zur Stütze werden.

Ihre Pfarrerin Carola Ancot


Oktober / November 2016
Nach der Geburt

Eine Geschichte zum Ewigkeitssonntag

Es geschah, dass im Mutterleib Zwillinge heranwuchsen. Die Wochen vergingen, und in dem Maß, in dem das Bewusstsein wuchs, stieg die Freude. »Ist es nicht großartig, dass wir gezeugt und empfangen wurden?! Ist es nicht wunderbar, dass wir leben?!« sagte der eine zum anderen.


Die Zwillinge begannen ihre Welt zu entdecken. Als sie die Schnur fanden, die sie mit ihrer Mutter verband und ihnen Nahrung gab, da sagten sie voll Freude: »Wie groß ist die Liebe unserer Mutter, dass sie ihr eigenes Leben mit uns teilt!«

Die Wochen vergingen und wurden schließlich zu Monaten. Die Zwillinge merkten plötzlich, wie sehr sie sich verändert hatten. »Was soll das heißen?« fragte der eine. »Das heißt«, sagte der andere, »dass unser Aufenthalt in dieser Welt bald seinem Ende zugeht. Alles hat seine Zeit, und jeder muss irgendwann gehen.« »Aber ich will gar nicht gehen«, erwiderte der eine. »Ich möchte für immer hier bleiben.« »Wir haben keine andere Wahl«, entgegnete der andere, »aber vielleicht gibt es ein Leben nach der Geburt!«

»So ein Unsinn«, sagte der erste, »wir werden unsere Lebensschnur verlieren! Und wie sollen wir ohne sie leben können?! Und außerdem haben andere vor uns diesen Mutterleib verlassen und niemand von ihnen ist zurückgekommen und hat uns gesagt, dass es ein Leben nach der Geburt gibt! Nein, die Geburt ist das Ende!«

Da wurde der eine von ihnen richtig schwermütig und sagte: »Wenn die Zeugung mit der Geburt endet, welchen Sinn hat dann das Leben im Mutterleib? Es ist sinnlos. Womöglich gibt es gar keine Mutter hinter allem.« »Aber sie muss doch existieren «, protestierte der andere. »Wie sollen wir sonst hierher gekommen sein? Und wie könnten wir am Leben bleiben?«

»Hast du je unsere Mutter gesehen?« fragte der eine. »Womöglich lebt sie nur in unserer Vorstellung. Wir haben sie uns ausgedacht, weil wir dadurch unser Leben besser erklären und verstehen können.« Und so waren die letzten Tage im Mutterleib gefüllt mit vielen Fragen, Zweifeln und Ängsten. Schließlich kam der Moment der Geburt. Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten, öffneten sie die Augen. Sie schrien, was sie sahen übertraf ihre kühnsten Erwartungen.

Autor nicht bekannt.

Reformationstag

31. Oktober: Erinnerungstag an den Beginn einer Reformation der Kirche. Vorbei seit 500 Jahren? Martin Luther...? Man muss den Mann nicht mögen. Bemerkenswert ist aber bis heute, wie er gegen Ängste gekämpft hat. Teufel und Hexen galten in allen Teilen der Bevölkerung als Realität. Die Angst vor einer Hölle mit Folter-Teufeln war verbreitet, und die damalige Kirche machte damit fette Geschäfte. Wer Geld hatte, konnte sich von Sünden und den darauf angedrohten Höllenqualen, eigentlich aber: von der Angst davor, freikaufen.

Durch intensives Studium der Bibel hatte Luther begriffen: Wer auf Gott vertraut, braucht vor niemandem Angst haben und wird niemandem Angst machen. Deshalb wollte er dem Geschäft mit der Angst ein Ende setzen und legte sich mit einflussreichen Leuten an mit dem Ziel, dass die Menschen angstfreier glauben und leben können. Dafür riskierte er seine eigene Freiheit, sein Wohlergehen, sein Leben. Was ihn vielleicht selber überrascht hat: dass sich nach seinem provokativen Anstoß Verbünde an seine Seite stellten: mächtige Landesherren, Professoren, Künstler. Das Licht seines Mutes hat in anderen Mut und Zuversicht entzündet. Zusammen mit Freunden und Verbündeten ist es schon etwas einfacher mutig zu sein. Trotzdem war das eingegangene Risiko für Luther und seine Freunde beträchtlich.

Das Gedenken an den mutigen Martin Luther und seine Reformation sollte uns nicht dazu bringen, ihn auf hohe Denkmalsockel zu hieven, steil zu ihm aufzuschauen und uns dabei selber klein zu fühlen.

Nehmen Sie den Gedenktag stattdessen zum Anlass, in Ihre eigene Geschichte zu schauen und sich zu erinnern, wann und wo Sie selbst einmal oder mehrmals etwas Mutiges getan haben. (Sie müssen nur lange genug überlegen.) Denn für unsere Kirche und Gesellschaft heute ist unser eigener Mut wichtiger als Luthers Mut damals. Wie war das, als Sie etwas Mutiges getan haben? Wo kam Ihre Kraft dazu her? Wo finden Sie diese Kraft heute? Wofür hätten Sie heute gern mehr Mut? Schon mit jemandem darüber geredet? Schon nach möglichen Verbündeten geschaut?

Manchmal kommt der Mut aus der Wut. Dann braucht es nur noch Besonnenheit, und ein Strategieplan entsteht. Aber Sie wissen ja: Gott hat uns nicht einen Geist der Angst gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Erinnern Sie sich an Ihren Mut, an Ihre Kraft, an Ihre Weisheit und Ihren guten Draht zum Schöpfer und Herr der Welt!

Roija Weidhas


August / September 2016

Liebe Gemeinde - Ein »Happy End«?

Vor Ihnen liegen die neuen Kirchennachrichten, hinter Ihnen liegen hoffentlich angenehme, erholsame Sommertage. Am Beginn der Sommerszeit stand das Gemeindefest mit dem Kindermusical »Der barmherzige Samariter«. Neun Kinder aus unserer Gemeinde, verstärkt durch die Kurrende der Zionskirchgemeinde haben musikalisch dargestellt und kommentiert, was einem Mann, im Musical dem Händler, auf seinem Weg von Jerusalem nach Jericho wiederfuhr.


Er war da ja nicht ganz allein – Räuberbande, Priester und Levit, Samariter und Wirt haben sich zu diesem Händler positioniert. Die einen meinen, Reichtümer eigenmächtig umverteilen zu dürfen… »Packt ihn, fasst ihn, das gibt fette Beute. Von diesen Händlern gibt’s genug und wir sind arme Leute!« So rappte der Kinderchor und fiel über den armen Händler her. Niedergeschlagen, zusammengeschlagen, mittellos bleibt der Händler auf der Strecke. Ein vorbeikommender Priester geht auf Distanz zu einem augenscheinlich so großen Sünder: Selber Schuld am eigenen Elend. Entbindet ihn diese Mutmaßung seiner Verantwortung? Außerdem hat er Termine. Keine Zeit – also schnell weiter!

Ein Levit befürchtet gar sich unrein zu machen an diesem blutverschmierten Lump. Er analysiert die Lage kurz nach Fakten: blutverschmiert, kultisch unrein und es gibt andere die dafür viel besser ausgebildet sind zu helfen. Ein dritter kommt vorbei und hilft endlich. Selbst vielleicht unrein, zumindest von den Juden gemieden, verachtet und sicher auch kein ausgebildetes Notfallpersonal. Er leistet Hilfe mit dem, was er dabei hat, bringt ihn dorthin, wo ihm professionell geholfen wird und übernimmt sogar noch die Kosten.

»Das ist wirklich sehr sozial, unglaublich und phänomenal […] der Samariter hilft dem Armen, der Außenseiter hat Erbarmen« mit diesem Ohrwurm schließt das Kindermusical.

Welch ein Happy End! – Happy End? Doch diese Geschichte hat sich so möglicherweise gar nicht ereignet. In der Bibel, im Evangelium nach Lukas Kapitel 10, 25-33 lesen wir wie ein Schriftgelehrter Jesus fragend auf die Probe stellen will: »Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? « – Doch er weiß bereits selbst: »Du sollst Gott lieben […] und deinen Nächsten wie dich selbst.« Ist dem Schriftgelehrten diese Antwort zu trivial, zu global oder fühlt er sich entlarvt? Die nun folgende Geschichte erzählt Jesus als Gleichnis auf die Frage, wer dieser Nächste wohl wäre.

Schon zu Beginn des Gleichnisses fühlt man, dass der unter die Räuber geratene dringend Hilfe benötigt – seiner Sachen beraubt und halbtot. Mancher kann die Schmerzen, den Straßendreck in den Wunden, die glühende Sonne und die Hilflosigkeit nachempfinden. Mitgefühl, Liebe, Barmherzigkeit für andere und deren Gleichstellung mit der Liebe, dem Mitgefühl und der Barmherzigkeit zu sich selbst erscheinen als ein Schlüssel zu Jesu Auftrag: Erkenne deinen Nächsten und lass ihm die notwendige Zuwendung zu Teil werden!

Der bzw. die Nächste liegt oft schon »auf dem Weg«. Dem Samariter gelingt es, mit den ihm gegebenen Möglichkeiten wichtige Hilfe zu leisten, ohne sein eigentliches Reiseziel aufzugeben. Er überlässt eben auch einen Teil der Hilfe den professionellen Kräften und bezahlt diese dafür aus eigener Tasche.

Zum Gemeindefest konnten sich durch das Engagement aller Mitwirkenden weit über zweihundert Gemeindeglieder und Gäste an diesem Kindermusical erfreuen. Ein herzliches Dankeschön allen beteiligten Kindern und deren Eltern aus unserer und der Zionskirchgemeinde, allen fleißigen Kulissenmalern und -gestaltern, insbesondere der Krabbelgruppe, sowie Gemeindepädagogin Frau Casali und der Kantorin der Zionskirchgemeinde, Frau Ballendat für die fach- und gemeindeübergreifende Zusammenarbeit. Jeder tat das ihm Mögliche und brachte sich mit seinen Fähigkeiten ein. Das Ganze war am Ende mehr als die Summe der Einzelteile und hat Unbeteiligte mit hinein genommen. Von diesem Engagieren und Potenzieren lebte das Gemeindefest und lebt das Miteinander in der Gemeinde insgesamt. »Es gibt nichts Gutes, außer man tut es« klingt mir als Resümee aber zu einseitig humanistisch. Wenn ich Gott in mir wahrnehme und respektiere, dann wird er mir auch in meinem Nächsten begegnen. Ich wünsche mir und uns, dass uns dies in unseren Begegnungen im täglichen wie im gemeindlichen Leben für unseren Nächsten aufmerksam macht und motiviert.

Das Happy End der Geschichte des Kindermusical-Projektes ist für mich ein »Open End«. Denn es gilt immer wieder neu, Gott, unseren Nächsten wie uns selbst zu erkennen und zu lieben.

Herzlich grüßt Sie
Ihr Kantor Mathias Bertuleit


⇒ Ältere


Juni / Juli 2016

Liebe Gemeinde,

es ist unübersehbar, wie großartig sich unsere Stadt 71 Jahre nach der Katastrophe vom 13. Februar 1945 entwickelt und ihre Identität wiedergewonnen oder neu definiert hat. Die einst weltberühmte Stadtsilhouette wird nun wieder bekrönt durch die Kuppel der Frauenkirche und den Turm des Residenzschlosses. Der Wiederaufbau des Schlosses und ganzer Straßenzüge rund um den Neumarkt in enger Beziehung zur Vorkriegsbebauung setzt Maßstäbe, die deutschlandweit in kriegszerstörten Städten große Beachtung finden. Durch die Bemühungen in den letzten Jahren ist es gelungen, das brachliegende Zentrum der Stadt zu neuem urbanen Leben zu erwecken, dessen Anziehungskraft durch die enge Verbindung Dresdens mit Kunst, Kultur und Natur in die Welt ausstrahlt. Darüber können wir uns von Herzen freuen!


Doch Erinnerung und Besinnung bedürfen in der Regel konkreter Orte, an denen sich Gedenken und Trauer festmachen können – und dazu zählt zweifellos auch die Ruine unserer Trinitatiskirche. In ihrer Versehrtheit berührt sie in besonderer Weise und spricht eine deutliche Sprache, wohin es führen kann, wenn sich Menschen in ihrem Denken und Handeln weit von Gott entfernen und dem Bösen in ihrem Leben Raum geben.

Dies auch den heranwachsenden Generationen deutlich vor Augen zu führen, ist eine Aufgabe, die angesichts der weltweiten Krisen dringender denn je nötig ist.

Unser »Förderverein zur Erhaltung und Nutzung der Trinitatiskirchruine« stellt sich mit großem ehrenamtlichen Engagement dieser Aufgabe, indem er ideell und finanziell die Johanneskirchgemeinde als Eigentümer der Ruine unterstützt. So konnten auch durch die Initiative des Fördervereins im vergangenen Jahr die Bruchstücke des alten Taufsteines wieder zusammengefügt und in der Turmhalle der Ruine aufgestellt werden. Entstanden ist ein Kunstwerk mit großer Symbolkraft: Zerbrechlichkeit des Lebens und neue Hoffnung.

Die Gottesdienste im »Himmel-offenen-Raum« des Kirchenschiffs lassen uns innehalten und zur Ruhe kommen und Gottes Nähe in ganz besonderer Weise spüren.

Konzerte und verschiedene kulturelle Angebote in den Kellerräumen bereichern unser Miteinander. Ich möchte Sie einladen, diesen Schatz, der uns als Johannesgemeinde mit dieser Ruine anvertraut ist, noch bewusster wahrzunehmen. Lassen Sie sich hier in Ihrem Innersten berühren

Im Namen des Fördervereins grüßt Sie herzlich
Dietrich Berger


April / Mai 2016

Liebe Gemeinde,

es gibt eine Radiosendung in der ganz unterschiedlichen Menschen die Frage gestellt wird: Was fällt Ihnen schwerer: Anfangen oder Aufhören? Für mich wäre die Antwort eindeutig: Aufhören.

Aufhören bedeutet Abschied zu nehmen und loszulassen. Und das fällt mir sehr schwer. Gerade weil ich so herzlich von der Gemeinde aufgenommen wurde und ich gemerkt habe, wie sehr sich ganz viele Leute aus der Gemeinde, egal ob im Hauptoder Ehrenamt oder in einem der vielen Gemeindekreise sich für meinen Verbleib in der Gemeinde und überhaupt in der Sächsischen Landeskirche engagiert haben. Viele von Ihnen haben mir auch persönlich erzählt, wie sehr Sie meine Entscheidung bedauern. Andere haben mir trotz Traurigkeit auch gute Wünsche für meinen neuen Weg mitgegeben.

Ich möchte mich für Ihre Herzlichkeit, für Ihr Vertrauen und für all die schönen Stunden, Tage und Gottesdienste, die wir gemeinsam erlebt haben, bei Ihnen bedanken. Es war zwar eine sehr kurze, aber desto intensivere Zeit. Trotz dessen, das sich unsere Wege ab dem 1. April 2016 trennen, werde ich viele wunderbare Menschen, Begegnungen und Gespräche mitnehmen, einen großen Erfahrungsschatz, den Sie mir als Gemeinde geschenkt haben. Herzlichen Dank dafür!

Gott spricht: »Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tust«. (Jos 1,9)

Bleiben Sie behütet!

Ihr / Euer
Pfarrer Ciprian Matefy


Februar / März 2016

Liebe Gemeinde,

draußen liegt ein bisschen Schnee, die Sonne schimmert darin und ich sollte mich warm anziehen, damit ich die Welt auch in der kalten Jahreszeit nach Herzenslust genießen kann. Ich freu mich darauf! Meine Errungenschaft möchte ich an dieser Stelle nur zu gern mit Ihnen teilen. Ich kann nur von mir schreiben und doch glaube ich, dass einige ähnlich denken. Der Wunsch nach Urlaub, nach fernen Reisezielen ist so enorm, dass regelrecht ein Rennen bis zum nächsten Urlaub geführt wird. Meine Gastmutter in Madrid sagte einmal zu mir: »Die Deutschen sind ein bisschen komisch, sie leben nur für den Urlaub, für diese zwei Wochen im Jahr.«

Doch was heißt das? Mittlerweile kann ich sie verstehen. Für mich konkret, dass meine Gedanken immer öfter, je kürzer und kälter die Tage werden, in die Ferne schweben, weit weg von hier. Wo es nicht so kalt, es viel länger hell ist und der Himmel öfters blau.

Doch macht mich das glücklich? Der Wunsch, zu reisen und zu entdecken, schlummert in den meisten von uns. Sollte ich nicht versuchen, aus dem etwas zu machen, was ich habe? Ich versuche, mit geöffneten Augen durch die Stadt zu gehen und wahrzunehmen, was unmittelbar neben mir existiert und passiert. Der Weg zur Arbeit, der nicht trist sein muss, sondern eine Reise wert ist. Die einzigartige Landschaft der Sächsischen Schweiz, die so unmittelbar neben mir existiert und der ich mich immer noch zu selten zeige. Die Stadtviertel außerhalb derer, in denen ich mich für gewöhnlich bewege. Oder eine fast unendliche Anzahl an interessanten Orten, die ich noch nicht besucht habe, die doch aber nur eine Bahn- oder Autofahrt entfernt sind. Auch der Weg zum Bäcker kann etwas Besonderes sein, indem wir kleine Umwege laufen, um nicht immer den gleichen alltäglichen Weg zu gehen. Um zu entdecken, um unsere Sinne anzuregen.

Wenn wir dies zu schätzen lernen, das Entdecken, das uns so auf den Urlaub warten lässt, reichern wir unseren Alltag selbst mit Urlaub an. Und werden bestimmt ein bisschen zufriedener.

Im Namen aller Mitarbeiter grüßt Sie ganz herzlich
Ihre Anne Stephan


Dezember 2015 / Januar 2016

Liebe Gemeinde,

ein Montagmorgen im November. Draußen regnet es. Ich mache meine Hausarbeit. Befülle die Waschmaschine, räume die Küche auf. Und noch die Bügelwäsche. Dann aber geht´s an den Schreibtisch. Ich will doch heute die Besinnung für den Gemeindebrief schreiben. Für den Dezember. Ob ich schon etwas vom weihnachtlichen Glanz einfange? Ich hatte da ein schönes Bild gefunden…

Fritz von Uhde hat das Bild »In der Heiligen Nacht« im Jahr 1893 gemalt. Es sind im Original warme Brauntöne. Eine freundliche, warme Ausstrahlung kommt mir entgegen. Es ist ein stilles Bild. Es strahlt Ruhe aus. Die Ruhe, die ich mir für Gottes Fest wünsche und jedes Jahr nicht selbst hinkriege. Hier ist sie festgehalten. Auch wenn ich ahne, daß vorher Hektik, Angst und Sorge die drei Menschen in ihrem Bann hatten. Alles aber, was vorher war, die Wehen und Schreie, die Angst des Mannes, scheinen verflogen. All das war davor. Jetzt aber ist Gott da. Klein, fast so verletzlich wie die Stille, die hier greifbar ist und die schon jedes kleine Geräusch verletzen kann.

Nichts ist zu sehen von dem Kometenschweif, keine heiligen Weisen, keine Engelschöre. Nichts vom Glanz der Weihnacht, auf den ich mich gefreut habe. Der Stall bleibt ein Stall. Er wird kein Schloß und auch keine verkappte Wolkenburg.

In Wolkenburg bei Chemnitz wurde der Maler Fritz von Uhde 1848 geboren. Aber in den Himmel zieht es seine Malerei zeitlebens nicht. Eher zu den einfachen Leuten, zu Bauern und Handwerkern. Ob ich in den kommenden Tagen so auf Jesus schauen werde wie Maria? Die Hände gefaltet, ein wenig aufgestützt läßt sie den Blick nicht von ihrem Kind, das mehr sein wird als nur ihr Kind. Und das Kind schaut sie an. Es erwidert und sucht ihren Blick. Ob in diesem Blick schon etwas liegt von dem, was Gott mir bringt?

Dieser arme Stall birgt viel. Gerade weil er Stall ist und arm bleibt. Im Hintergrund sehe ich die Räume für das Vieh, nur ein Lager aus Stroh für Maria und Jesus. Und dann hat mich auch Joseph bewegt. Deutlich älter als Maria, mit leicht ergrautem Bart, steht er leicht gebückt da. Auf einer umgedrehten Schubkarre steht ein kleiner Kocher und ein Teller mit Löffel. Joseph kocht eine erste leichte Mahlzeit für Maria. Er scheint ganz in diese Arbeit versunken. Vielleicht ist ihm alles zu groß, zu überwältigend. Vielleicht muß er erst für sich klarkriegen, was in dieser Nacht geschah. Vielleicht ist aber auch das Kleine das Eigentliche. »Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.«

Fritz von Uhde wurde für seine Bilder kritisiert. Wegen ihrer Schlichtheit wurden sie abgelehnt. Er male zu naturalistisch und zu oft einen Arme-Leute-Jesus. Ihn hat es nicht in einer Wolkenburg gehalten. Er blieb mit seinen Bildern auf der Erde. So wie Gott alles ablegt. Mit mir neu beginnt als kleiner Mensch in einem armen Stall.

Dies Bild hat mich getroffen, weil es klein bleibt. Es zeigt mir, daß Gott meinen Alltag sucht. Es gibt hier keinen Glorienschein. Das einzige Licht geht von einer Stalllaterne aus. Er reicht aus, um zu erhellen, was wichtig ist. Der Blick Marias, der Blick Jesu, die Fürsorge Josephs.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen im Namen aller Mitarbeiter
Ihre Pfarrerin Carola Ancot


Oktober/November 2015

Liebe Gemeinde,

Am 11.11. feiern wir Sankt Martin. In Vorfreude auf einen Abend mit Martinsspiel, Laternenumzug und Lagerfeuer in der Trinitatiskirchruine backen wir im Kindergarten Martinshörnchen und proben für das Martinsspiel. Doch wer war Martin, den wir am Martinstag feiern?

Martin wurde um 316/317 in Savaria in der römischen Provinz Pannonia prima, heute Ungarn, geboren. Aufgewachsen ist er in Pavia/Oberitalien, der Heimat seines Vaters, eines römischen Offiziers. Mit 10 Jahren begann er mit dem Taufunterricht, getauft wurde er jedoch erst als 18-Jähriger. Mit 15 Jahren ging er zum Militär, wozu er als Sohn eines römischen Militärs verpflichtet war. Vor einer Schlacht gegen anrückende Germanen in der Nähe des heutigen Worms verweigerte er als Offizier des römischen Besatzungsheeres die Teilnahme mit den Worten, er sei von nun an nicht mehr »miles Caesaris «, ein Soldat des römischen Kaisers, sondern »miles Christi«, Soldat Christi, und bat um Entlassung aus dem Armeedienst. Dies wurde ihm jedoch erst nach Ableistung seiner 25-jährigen Dienstzeit im Alter von 40 Jahren von Kaiser Julian gewährt. Ab 334 war Martin als Soldat der Reiterei der Kaiserlichen Garde in Amiens stationiert. Nach seiner Militärzeit gründete er Klöster und wurde schließlich 372 zum Bischof von Tours in Frankreich geweiht. Er half vielen Menschen in Not und setzte sich streitbar für den rechten Glauben ein. Martin starb 81-jährig am 8. 11. 397 in Candes bei Tours und wurde am 11. 11. 397 bestattet.

Um Martin gibt es zahlreiche Legenden. Bis heute prägen diese Geschichten unsere Martinsfeste und Traditionen. Einer der bekanntesten Legenden nach war Martin als römischer Soldat in Amiens stationiert und ungefähr achtzehn Jahre alt, als er an einem sehr kalten Tag auf einen Bettler stieß, der fast unbekleidet, erschöpft und dem Erfrieren nahe am Straßenrand saß. Martin hielt sein Pferd an, öffnete seinen Mantel und zerteilte ihn mit seinem Schwert in zwei Hälften. Die eine Hälfte legte er dem Bettler um die Schultern, die andere behielt er für sich. In der Nacht darauf hatte Martin einen Traum: Christus selbst begegnete ihm; er sah aus wie jener Bettler am Straßenrand, mit dem er den Mantel geteilt hatte. Christus sprach zu ihm und sagte: »Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.«

Wenn ich diese Geschichte höre, denke ich, dass Martin etwas getan hat, das so einfach und doch so schwer ist. Hoch auf seinem Pferd wäre es einfach gewesen, an dem Mann vorbeizureiten, ihn zu übersehen. Bettler gab es viele. Und Menschenleben zählten nicht viel in dieser Zeit. Aber Martin sah den Mann und mehr noch, er blieb stehen, stieg von seinem Pferd und half ihm in seiner Not. Er half unmittelbar mit dem, was er bei sich trug. Er zeigte Menschlichkeit.

Berlin Hauptbahnhof, ich steige aus dem Zug und haben einen kurzen Aufenthalt, bis mein Zug nach Dresden fährt. Ich hole mir einen Kaffee und trete auf den Vorplatz der Bahnhofshalle. Ich bin in Gedanken, erschöpft von der Fahrt, die Frau, die auf mich zukommt, bemerke ich erst spät. »Hallo, haben Sie ein bisschen Kleingeld für mich? Oder wollen Sie eine Zeitung?« Vor mir steht eine Frau um die 40, vielleicht ist sie auch jünger, in der Hand hält sie die Obdachlosenzeitung von Berlin. Mir kommen viele Gedanken. Wie kann es sein, dass jemand in so einem reichen Land wie Deutschland obdachlos ist? Gebe ich ihr Geld? Ich brauche jetzt keine Zeitung. Kann nicht jemand anderes helfen? »Ich kaufe eine Zeitung.«. Sie lächelt mich an und bedankt sich überschwänglich und wünscht mir einen schönen Tag. Für 1,50 Euro halte ich die Straßenzeitung in der Hand, die sogar lesenswert ist. In Erinnerung bleiben das Lächeln und die vielen Wünsche für mich.

Der, der friert, braucht Kleidung. Der, der hungert, braucht Essen. Der Kranke braucht Medizin. Der, der auf der Flucht ist, braucht Asyl. Jesus hat die Menschen gesehen, ist hingegangen und hat sie gefragt »Was willst du, dass ich dir tue?«. Menschlichkeit beginnt da, wo wir beginnen hinzuschauen, stehenbleiben, hinterfragen oder unsere Meinung sagen. Hilfe hat viele Gesichter. Menschlichkeit um der Menschen willen. Menschlichkeit, um Christus willen. Menschlichkeit für alle Menschen, denen wir begegnen.

Lassen Sie uns zum Martinsfest an diese Menschlichkeit denken, an diesem Tag und an allen anderen Tagen.

Im Namen aller Mitarbeiter grüßt Sie ganz herzlich
Ihre Anne Lauterbach.


August/September 2015

Liebe Gemeinde,

eine Anekdote vorweg: Ein Professor der Medizin erzählte seinen Studenten folgenden Fall und bat um Stellungnahme. »Nehmen Sie einmal an, Sie wollten eine Familie beraten, in der der Vater an Syphilis und die Mutter an Tuberkulose erkrankt ist. Von ihren vier Kindern war das erste blind, das zweite gestorben, das dritte taub und das vierte tuberkulosekrank wie die Mutter. Sie ist jetzt mit dem fünften Kind schwanger. Was würden Sie raten?«. Die meisten Studenten vertraten die Auffassung, die Mutter solle eine Abtreibung vornehmen lassen. Daraufhin erklärte der Professor: »Meine Damen und Herren, Sie haben soeben Beethoven ermordet.«

Glücklicherweise hat Ludwig van Beethoven überlebt. Und er lebt heute weiter – in seinen grandiosen Musikschöpfungen. Nun ist seine Musik nicht jedermanns Geschmack. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Aber nur zum Teil, denn in einen jeden von uns scheint der Schöpfer ein Grundmotiv hineingelegt zu haben. Einen Grundrhythmus, der unserem Sein wirklich entspricht. Während des Studiums sagte mein Musikdozent zu mir, jeder Mensch hätte diesen eigenen Grundrhythmus, den es zu entdecken gelte. Deshalb ist musikalisches Wohlempfinden auch genetisch bedingt. Astrophysiker behaupten sogar, das gesamte Weltall bestehe aus Musik, aus Melodie. Rhythmus, erschaffen durch die Schwingungen der Atome oder das Pulsieren der Sonnen.

Was ist mein Rhythmus? Kenne ich ihn? Interessiert er mich überhaupt? Diese Frage sich zu stellen hilft, sein Leben besser einzutakten in einen gesunden Rhythmus von Schwingen und Pulsieren – und in die Pausen dazwischen. Wie unser Titelbild es sagt: »Mach mal Pause!«. Dies sagt sich nämlich schon unser Herz, zwischen den Schlägen hat es immer eine kurze Ruhephase. Dabei sind die Herztöne still, Herzkammerruhe. Die Herzkranzgefäße aber werden jetzt am meisten durchblutet. Unser Herz hat nun seine Auftank- bzw. Ernährungsphase, damit es seine kraftvolle Arbeit von vorn beginnen kann. Und lange durchhält.

Das wünsche ich Ihnen und mir: solche Pausen suchen, einhalten und richtig genießen können. Die Urlaubsund Reisezeit dazu nutzen, unseren richtigen Rhythmus zu leben. Alles andere macht krank. Zu wenig Bewegung genauso wie allzu viel davon, wenn sie in Körper- oder Nervenstress ausartet. Anspruch an sich zu haben, ist gut. Übertriebener Anspruch an sich selbst lässt nur Enttäuschung zurück. Hetzen ohne Pause in Arbeit und Freizeit kann auch unser Taktgefühl den Mitmenschen gegenüber zerstören.

Im Einklang mit sich selbst sein, im Wissen, dass der Schöpfer über uns wacht, weil er alles gut gemacht hat. Gott hat uns sein grandioses Universum anvertraut, damit wir den freien (Lebens-)Raum mit Vernunft füllen. Rücken wir in den Ferien doch alles mal wieder an seinen Platz. Mit der Musik von Beethoven, oder auch nur beim Träumen unter der Sonne.

Eine gesegnete Sommerzeit, mit herzlichen Grüßen, wünscht im Namen aller Mitarbeitenden

Ihr Gemeindepädagoge Klaus Markert


Juni/Juli 2015

Liebe Gemeinde,

es ist eine gute Tradition in unseren Gottesdiensten, sich regelmäßig durch das »Taufgedächtnis« daran zu erinnern, dass wir durch unsere Taufe auf den Namen Jesu Christi ganz zu ihm und zur Gemeinschaft aller Christen gehören dürfen – ein Geschenk, das unserem Leben durch die Kraft des Heiligen Geistes einen tragfähigen Grund gibt.

In unseren Kirchen wird die Taufhandlung, die symbolisch durch Wasser die Sünde abwäscht und gleichzeitig Heilsgewissheit für das Leben gibt, am Taufstein konkret. Er gehört in unseren Kirchräumen neben Altar und Kanzel zu den liturgischen Gegenständen von zentraler Bedeutung.

Die hölzernen Taufständer in unseren Gemeindesälen auf der Fiedlerstraße und auf der Haydnstraße sind uns ja allen wohlbekannt. Doch wussten Sie, dass auch in der 1945 zerstörten Trinitatiskirche Reste des Taufsteins von 1894 erhalten blieben? Bei der Enttrümmerung der Ruine in den Nachkriegsjahren geborgen, lagen sie anschließend jahrzehntelang unbeachtet vor der nunmehr gesicherten Ruine. Es handelte sich um den beschädigten Fuß des Taufsteins und um zwei Bruchstücke der Taufschale.

Es ist der Initiative unseres Fördervereins für die Erhaltung und Nutzung der Trinitatiskirchruine zu verdanken, dass diese kostbaren Teile, die für unsere eigene Gemeindegeschichte wichtig sind, vor dem Vergessen oder gar vor dem endgültigen Verlust bewahrt werden konnten.

Es ist berührend zu wissen, dass auch noch Gemeindeglieder leben, die einst über diesem Taufstein ihren Segen empfingen.

Nachdem der Förderverein die nötigen finanziellen Mittel zugesagt hatte, ist es in enger Zusammenarbeit mit einer engagierten Bildhauer – und Restaurierungswerkstatt gelungen, einen Gestaltungsentwurf umzusetzen, der die vorhandenen Teile wieder in ihren ursprünglichen Zusammenhang bringt, ganz bewusst wurde aber auf eine Komplettrekonstruktion verzichtet. Fehlende Teile und Steinverbindungen wurden nur in patiniertem Stahl ergänzt, so dass zwar das räumliche Erscheinungsbild wiederhergestellt ist, die tiefen Wunden aber, die der Krieg geschlagen hatte, sichtbar bleiben.

Nachdem eine Wiederaufstellung des Taufsteins an seinem Originalstandort in der ehemaligen Taufkapelle aus funktionellen Gründen nicht mehr möglich war, wurde jetzt mit dem neuen Standort in der Turmhalle ein Platz gefunden, der nun nicht nur diesem Hauptzugang zur Ruine eine besondere Würde verleiht, sondern der hier auch allen vorübergehenden Besuchern zu Gottesdiensten und Konzerten unmittelbar zum »Taufgedächtnis« werden kann. Fragen wie »Bin ich eigentlich getauft?« oder »Was bedeutet mir meine Taufe?« geben der neuen Aufstellung dieses Taufsteines einen tiefen geistlichen Sinn und Auftrag.

In seiner geheilten Versehrtheit ist dieser Taufstein ein eindrückliches Symbol für unser Leben: Es ist zerbrechlich und gefährdet – aber Christus kam in diese Welt, um Wunden zu heilen und unserem Leben einen festen Grund zu geben.

Schauen Sie doch einmal ganz bewusst vorbei und lassen Sie sich in diesem Sinne anrühren!

Herzlich grüßt Sie
Dietrich Berger


April/Mai 2015

Liebe Gemeinde,

kennen Sie Ihre Stadt? Diese Frage gibt es immer mal wieder in Dresdner Zeitungen. Meist gilt es dann, ein Detail auf einem Foto einem Gebäude zuzuordnen und als Belohnung winkt ein Preis. Kennen Sie unser Gemeindegebiet? Wo befindet sich das auf der Titelseite zu sehende Portal?

Ich hoffe, Ihnen ist die Antwort nicht schwer gefallen. Was fällt Ihnen aber sonst noch spontan zur Ruine der Trinitatiskirche ein? Die besondere Christvesper am Heiligen Abend? Der zeitige Morgen des Ostersonntags? Ein Gottesdienst unter sonnigem Himmel? Die Jugendarbeit? Die Ausgabe der Dresdner Tafel? Eine Familienfeier? Ein schönes Konzert? Entspannung im Liegestuhl? Oder Baumaßnahmen und Geldbedarf?

Lassen Sie uns etwas zurückblicken. Mitte der 90iger Jahre war die Ruine der ehemaligen Trinitatiskirche in einem sehr desolaten Zustand. Ein Betreten war stets abenteuerlich und durchaus mit Gefahren verbunden. An eine regelmäßige Nutzung konnte nicht gedacht werden.

Im November 1996, also vor bald 20 Jahren, wurde der »Förderverein für die Erhaltung und Nutzung der Trinitatiskirchruine in Dresden-Johannstadt e. V.« gegründet. Der Vereinszweck wird mit dem etwas sperrig wirkenden Namen des Vereins in nicht zu übertreffender Präzision ausgedrückt. Die ersten Jahre des Fördervereins waren von einer regen Bautätigkeit in der Ruine geprägt. Dafür gab es eine Menge Fördergelder und der jetzige Zustand unserer Trinitatiskirchruine konnte Stück für Stück erreicht werden. Das Erreichte ist schön, aber keine Basis zum Ausruhen. Einem Hause widmet sein Besitzer regelmäßig seine Aufmerksamkeit, repariert und pflegt es. Die Erhaltung unserer Ruine ist vielleicht etwas ungewöhnlicher als die eines Hauses, aber letztendlich nicht viel anders. Auch unsere Ruine muss regelmäßig gepflegt und repariert werden, damit sie nicht wieder eine Ruine im wahren Wortsinn wird.

Die Fördermittel der 90‘ger Jahre gibt es inzwischen nicht mehr. Den Förderverein gibt es unverändert und wir wollen die Johanneskirchgemeinde auch zukünftig bei der Erhaltung und Nutzung der Trinitatiskirchruine aktiv unterstützen. Dazu benötigen wir aber selbst etwas Hilfe. Hilfe von Ihnen, der Gemeinde. Die Möglichkeiten für die Unterstützung des Fördervereins sind vielfältig. Die direkteste Art Ihrer Unterstützung ist die Mitgliedschaft im Förderverein. Der Beitrag für »Vollzahler« beträgt nur 30 € / Jahr. Gern können Sie auch regelmäßig einen bestimmten Geldbetrag spenden. Oder wollen Sie lieber ganz praktisch, sozusagen zum Anfassen helfen? Auch das ist möglich. Für unsere Veranstaltungen werden immer Helfer für die vielen »Kleinigkeiten« bei der Vor- und Nachbereitung gesucht. Und schon einige Wochen vorher sind viele Dinge zu erledigen.

Es beginnt mit dem Dachaufbau im Frühjahr, in diesem Jahr konkret am 18. April 2015. Für die einzelnen Veranstaltungen müssen dann beispielsweise Abläufe geplant, Plakate erstellt und verteilt oder Einkäufe erledigt werden. Auch direkt vor, während und nach den Veranstaltungen werden helfende Hände benötigt. Viele der Arbeiten sind einzeln betrachtet nicht sehr zeitaufwändig. Sie können aber auch indirekt und ganz bequem und mit unmittelbarem Nutzen für sich selbst helfen. Besuchen Sie unsere Veranstaltungen. Die Termine finden Sie immer im Gemeindebrief. Der Überschuss aus den Eintrittsgeldern und dem Getränkeverkauf wird vom Förderverein vollständig zur Erhaltung der Ruine verwendet. Bitte helfen Sie uns beim Helfen. Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig und ganz bestimmt ist auch etwas für Sie dabei.

Lassen Sie mich nochmal auf das Titelbild zurückkommen. Ist Ihnen noch etwas aufgefallen? Genau, das Tor an der Ruine sieht inzwischen ganz anders aus. Diese Veränderung war auch ein Projekt des Fördervereins. Erinnern Sie sich noch? Das war doch im Jahr… Das ist unsere Preisfrage. Wann wurde das Tor im Hauptturm der Trinitatiskirchruine umgebaut?

Ihre hoffentlich richtige Antwort senden Sie bitte per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Oder Sie notieren die Antwort auf einer (Post-)Karte und werfen diese in den Vereinsbriefkasten am Gemeindezentrum Fiedlerstraße. Unter den Absendern der richtigen Antwort verlosen wir 10 Gutscheine für je ein Freigetränk. Ihren Gewinn können Sie bei einer unserer Veranstaltungen in der Trinitatiskirchruine im Jahr 2015 genießen.

Übrigens, wenn Sie für die Lösung der Preisfrage im Internet nachsehen wollen, werden Sie wahrscheinlich kein Ergebnis finden. Der Förderverein besitzt derzeit keine eigene Homepage. Wir werden die Lösung im nächsten Gemeindebrief veröffentlichen. Daher ist der Einsende- bzw. Abgabeschluss schon am 30. April 2015.

Es grüßt Sie im Namen des Fördervereins

Eike Lindh, Vorsitzender des FV


Februar/März 2015

Liebe Gemeinde,

mit der Jahreslosung für 2015 »Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob«, sind wir aufgefordert Rechenschaft vor uns selbst abzulegen. Wie nehmen wir einander an? Wie achten und schätzen wir den anderen? Wie helfen wir dem anderen, dem Fremden, dem Armen?

In unserer Gemeinde gibt es eine gute Tradition, die zeigt, ja es gibt immer wieder Menschen, die von sich weg auf andere schauen und einfach helfen. Folgender Brief erreichte uns, den wir an dieser Stelle gern allen zugänglich machen:

»Im Januar 2015 gibt es die Teestube mit Suppenküche der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde, Dresden Johannstadt-Striesen, seit nunmehr 9 Jahren. Jeden Mittwoch ist sie von 8 Uhr bis 12 Uhr, in der Trinitatiskirche, geöffnet.

Ins Leben gerufen wurde die Teestube der Johanneskirchgemeinde durch Herrn Pfarrer Affolderbach, welcher nach einer Möglichkeit suchte, die Bedürftigen während der Wartezeit bis zur Ausgabe der Dresdner Tafel nicht im Regen und in der Kälte stehen zu lassen. Frau Regine Puhlmann und Herr Ulrich Prüfer organisierten und meisterten liebevoll, einfühlsam und ehrenamtlich in dieser Zeit die Versorgung aller Bedürftigen mit einer heißen Tasse Kaffee, Tee, einer wohlschme-ckenden Suppe und auch mit einem allzeit offenen Ohr für die Sorgen und Nöte aller Gäste.

Tatkräftige Unterstützung haben die beiden seit vielen Jahren durch Frau Brandt und Frau Dr. Herold. Wir danken Ihnen allen für Ihr wundervolles und beherztes Engagement. Die Atmosphäre ist herzlich, auch wenn es manchmal nicht so einfach ist, allen Bedürfnissen gleichzeitig gerecht zu werden.

Mit Zutaten für die Suppe, wie z. B. frischem Gemüse, Suppenwürfeln und Nudeln, wird die Teestube / Suppenküche durch die Dresdner Tafel unterstützt. Oft muss aus Wenigem etwas »gezaubert« werden, aber Dank der Kreativität und Flexibilität des Teams entstehen immer wieder wohlschmeckende Suppenkreationen. Eine besondere Freude ist es, wenn von der Dresdner Tafel Kuchen geliefert wird, der von umliegenden Bäckereien gespendet wurde. So gibt es eine leckere Ergänzung, die zum Kaffee gereicht werden kann. Tausend Dank auch für diese Unterstützung!

Es ist schön zu wissen, dass es einen Ort gibt, wo jeder willkommen ist, der die Möglichkeit des Aufwärmens bietet und die Wartezeit bis zur Ausgabe der Dresdner Tafel auf gemütliche Art und Weise verkürzt. Die Gäste haben so auch die Gelegenheit, soziale Kontakte zu pflegen, sich auszutauschen oder einfach einmal von Herzen miteinander zu lachen, bei einer guten Tasse Kaffee.

Ein spezielles Dankeschön geht an dieser Stelle auch an Frau Dr. Preibisch-Effenberger, die die Teestube mit großzügigen Spenden unterstützt hat. Ebenso gilt unser Dank auch allen anderen, die den »Engeln der Teestube« mit Spenden in Form von Kaffee, Tee, Nudeln, etc., helfend unter die Arme greifen.

Wir freuen uns natürlich auch weiterhin über Spenden jeglicher Art.«
Nele Grabs

Wir können nur Danke sagen und wünschen den »Engeln der Teestube« und allen Helfern Gottes Segen bei all ihrem Tun.

Ihre Mitarbeiter der Johanneskirchgemeinde


Dezember 2014/Januar 2015

Liebe Gemeinde,

wir tragen alle unsere Erwartungen in uns. Wir haben unsere Wünsche. Wir können viel aufzählen, was sich alles verändern soll – in unserem eigenen Leben, in unseren Familien, in unserer unmittelbaren Umgebung, in unserer Stadt, in unserem Land, in unserer Welt.

[Image]
Foto: Caroline Pollmann

Oft tragen unsere Erwartungen auch konkrete Gesichter: die heilenden Fähigkeiten des Arztes zur Wiederherstellung der eigenen Gesundheit, die Veränderungen am Arbeitsplatz, um alles viel einfacher, alles viel besser zu erleben. Oder dass der Nachbar doch endlich viel freundlicher, rücksichtsvoller wird, die Politik viel sozialer, gerechter und endlich Frieden auf unserer Erde einkehre.

Wir tragen alle an unseren Erwartungen. Wir tragen, weil sich das Erwartete so nicht einstellt - wie erwartet. Nicht so schnell. Nicht so reibungslos. Und überhaupt: ob es jemals Wirklichkeit wird, wer kann das schon sagen?

In Erwartung leben?! Ist dies möglich?

Die Antwort darauf hängt von dem ab, worauf wir warten. Wir leben im Advent. Als Christen betonen wir, wir warten auf Gott, auf seine Ankunft in unserer Welt. Auf sein Heil. Auf seinen Frieden. Auf seine Gerechtigkeit. Wir warten auf die Geburt Jesu. Wir erinnern uns an Bethlehem, an die Geburt des Jesus-Kindes damals im Stall.

Wir warten abwartend, zweifelnd, mancher schon resignierend und kann vielleicht deshalb nicht warten, bis es Weihnachten wird mit seinen unvergleichlichen äußeren Höhepunkten an geschmücktem Christbaum, Christstollen, Weihnachtsliedern…

Warten zu müssen, hat in der heutigen Zeit keinen guten Klang. Wir warten nicht freiwillig. Warten zu können oder warten zu dürfen, empfinden wir als fremd.

Das Warten aber im Advent ist eine Einladung, diese Zeit als geschenkte Zeit zu begreifen, als ein Warten dürfen. Es ist eine Gelegenheit, den Blick und die Aufmerksamkeit verstärkt auf mich, auf den Nächsten und auf Gott zu richten; auf das, was im Alltag allzu oft in den Hintergrund tritt. Dabei warten wir nicht mit ungewissem Ausgang, sondern unser Warten hat ein Ziel. Gott ist unser Ziel. Irgendwann wird der Lichtweg bei uns angekommen sein.

Schauen Sie sich deshalb einmal in Ruhe das umstehende Bild an. Es ist ein für mich faszinierendes Wortspiel: Erwartet (sein) – Er wartet (auf uns / mich).

Welche Saiten des Lebens werden damit nicht angerührt?! Erwartet sein – zielgerichtet, ausgerichtet leben zu können!

Er wartet – da ist einer, der auf uns / mich wartet. Das verspricht Heimat und Geborgenheit!

Und wenn ER auf uns wartet, dann begegnet er uns in allen Dingen unseres Lebens. In den Gesichtern anderer Menschen, in der Vergebungsbereitschaft untereinander, in unserer Hilfsbereitschaft und nicht zuletzt auch in den Flüchtlingen, die Sicherheit für ihr Leben in unserem Land suchen und vielem anderen mehr.

Erwartet sein – das hat ja in unserer Kirchgemeinde in diesem Jahr auch noch einen ganz besonderen Klang. Hauptamtliche Mitarbeiter sind in ihren wohlverdienten (erwarteten) Ruhestand gegangen oder haben ihren Arbeitsplatz gewechselt. Neue Mitarbeiter kamen hinzu. Wie viel an Erwartungen ist damit allein verbunden?

Am 1. Advent führen wir nicht nur unseren neuen Kirchenvorstand, sondern auch unseren neuen Kantor Herrn Mathias Bertuleit ein und am 2. Advent findet die Ordination von Pf. z. A. Ciprian Matefy statt, der in unsere Kirchgemeinde für die für ein Jahr neu geschaffene 4. Pfarrstelle entsendet wird.

Wir wünschen allen von Herzen, dass auf allen Erwartungen, die ein jeder in sich trägt und mit seinem Dienst verbindet, Gottes Segen liegt und ein jeder erlebt: hier in dieser Kirchgemeinde werde ich auch erwartet mit meinen Gaben und Begabungen.

Mit herzlichen Grüßen und Wünschen für eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit – im Namen aller Mitarbeiter

Ihr Pfarrer Christian Haustein


Oktober / November 2014

Liebe Gemeinde,

es ist Oktober und in diesem Jahr erwartet uns ein besonders spannender Herbst. Wir erinnern uns an die bewegende Zeit der friedlichen Revolution vor 25 Jahren. »Wir sind ein Volk und die Mauer ist weg«. Dafür sind wir dankbar.

[Image]
»Hier haben die an Kraft Erschöpften Ruhe«
Gedenkstätte Karnickelberg, Bautzen

In der Bibel lesen wir von den Worten der Propheten. Der hebräische Ausdruck nabi bezeichnet einen Menschen, der »etwas kundtut, ausruft, bekanntmacht« und zwar über etwas, dass er nicht von sich selbst weiß. Er ist also eher als eine Art Herold zu verstehen, der von Gott den Auftrag erhalten hat, dessen Botschaft weiterzugeben. Die Propheten hatten den Auftrag, das Volk zu erinnern: An die Berufung Gottes Volk zu sein, welches nach seinen Weisungen lebt.

Der Glaube sollte sich auch im persönlichen Leben der Menschen zeigen und nicht nur im Tempel zelebriert werden. Einer der großen Propheten war Jesaja. Er wirkte in Jerusalem, der Hauptstadt des Reiches Juda, zwischen 736 und 701 v. Chr. In dieser Zeit erweiterte das Assyrische Reich seinen Machtbereich bedrohlich und auch Juda war von dieser Expansionspolitik betroffen. Durch eine anti-assyrische Bündnispolitik mit den Philistern und Ägyptern versuchte sich Juda der assyrischen Vorherrschaft zu entziehen. Der Prophet Jesaja aber stellte sich dagegen und verkündete ein uneingeschränktes Nein Gottes. Sein Volk sollte im Vertrauen auf Gottes Zusagen stillhalten und ihn handeln lassen.

Können wir uns vorstellen, welche Reaktionen Jesaja mit seinen Prophezeiungen damals wohl ausgelöst haben musste? Stellte er sich mit seiner Aufforderung zum Stillhalten nicht auch gegen jede Vernunft?

In heutiger Zeit hören wir immer wieder die lauten Rufe nach schnellem Handeln. Doch wie verantwortungsvoll verhalten wir uns, wenn wir etwas tun? Sind wir überhaupt in der Lage, die Folgen unseres Handelns zu überblicken? Und macht nur derjenige Fehler, der etwas tut, oder kann ein Nichthandeln, ein Unterlassen, also ein »still bleiben« und abwarten nicht auch verantwortungslos sein?

Wahrscheinlich bleiben wir Zeit unseres Lebens auf der Suche nach den Antworten auf diese Fragen. Und vielleicht ist gerade diese Suche der Auftrag an uns.

Jesaja fragt nach unserem Gottvertrauen und fordert uns zur Erinnerung auf. Hier kommen mir Stichworte wie Erinnerungskultur, Aufarbeitung und Gedenkkultur in den Sinn.

Alle diese Bereiche wenden sich gegen das Vergessen und spielen in der Seniorenarbeit eine wichtige Rolle. Je älter wir werden, desto lebendiger erinnern wir uns an die Vergangenheit; an unsere Kindheit und Jungendzeit. Da sind Erinnerungen an die Kriegs – und Nachkriegszeit, eine Zeit voller Hunger, Angst, Leid und Vertreibung, die mit unserem Lebenslauf verbunden sind.

Doch es gibt auch Stimmen die müde sind und das Erinnern an Geschehnisse vor so langer Zeit kritisch hinterfragen. Ist es nicht irgendwann genug? Wann sollte das Buch zugeschlagen werden?

Mir ist das schmerzhafte, aber wichtige Erinnern auf unserem letzten Busausflug nach Bautzen Ende August noch deutlich vor Augen. In den beiden Gefängnissen der Stadt hatten die Gefangenen großes Leid und Unrecht in der Zeit des Nationalsozialismus, während der sowjetischen Besatzungszeit und vor allem auch unter dem menschenverachtenden Regime der Staatssicherheit der ehemaligen DDR zu ertragen. Das Foto auf dem Titelblatt zeigt den zentralen Gedenkort auf dem Karnickelberg, dem Begräbnisplatz der verstorbenen Häftlinge beider Gefängnisse. Ein würdevoller Ort der Erinnerung und ein Mahnmal gegen das Vergessen. »Hier haben die an Kraft Erschöpften Ruhe«. Diese Worte stehen auf einer Mauer geschrieben, die mit einer kleinen Bank zum Innehalten einlädt. Einen Moment ausruhen und den Gedanken freien Lauf lassen. Erinnern Sie sich! Das wünsche ich Ihnen in diesem Herbst.

Mit herzlichen Grüßen und im Namen aller Mitarbeiter,

Ihre Susanne Schmitt, Seniorenarbeit


August / September 2014

Liebe Gemeinde,

Der Sommer ist da! Der ersehnte Urlaub rückt näher. Jetzt ist Zeit, neue unbekannte Wege zu gehen und Abenteuer zu erleben oder vertraute Lieblingsorte aufzusuchen. Ferien sind Zeit zum Ausruhen, Zeit zum Kraftschöpfen, Zeit zum Nachdenken, aber für einige auch die Zeit des Abschieds und Neubeginns.

[Image]

»Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt. Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.« EG 395 Im September beginnt das neue Kindergartenjahr und wir verabschieden 19 Kinder in die Schule. Auch in meinem nun neunten Jahr fällt mir der Abschied manchmal schwer. Die Kinder sind ein Stück ihrer Reise mit mir gegangen, jetzt geht ihre Reise weiter, Andere werden sie jetzt begleiten und ihnen beim Wachsen zur Seite stehen. Aber jeder, der geht, hinterlässt Spuren. Hier ein gemaltes Bild zum Abschied an meinem Kühlschrank, da ein Foto an der Pinnwand, dort eine Erinnerung im Gedächtnis. Und auch die Bleibenden haben Spuren bei den Weiterreisenden hinterlassen. Manche kommen wieder, sind als Praktikant dann kaum wiederzuerkennen.

Abschied bedeutet, loszulassen und neue Wege zu gehen, das Vertraute hinter sich zu lassen und Unbekanntes zu entdecken. Nach dem Sommer werden einige von uns neue Wege gehen. Neue Kinder werden zu uns in den Kindergarten kommen, unsere Praktikanten werden als Erzieher ihr Berufsleben beginnen. Auch unsere Gemeindepädagogin und unser Kantor wünschen sich eine neue berufliche Herausforderung. Sie alle packen ihren Koffer und gehen neue Wege. … Ich packe meinen Koffer und tue hinein… Was nehme ich mit? Was brauche ich?

»Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.«

Wir packen unseren Koffer mit vielen nützlichen praktischen Dingen, aber das Wichtigste braucht gar keinen Platz im Gepäck: Gottes Segen. Gottes Segen braucht nur einen Platz in unserem Herzen. Ich packe meinen Koffer und tue hinein… was ich an Glauben, Liebe und Hoffnung habe. Dazu alles sonst, was zum täglichen Leben nötig ist. Darüber hinaus mache ich mir keine Sorgen, habe ich keine Angst: Gottes Segen ist mit mir, wenn ich fortgehe auf neuen Wegen. Das gilt für unsere Urlaubsreise und für alle, die neu anfangen.

»Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit undEwigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.«

Ich wünsche uns allen eine gute Reise und große Gelassenheit beim Kofferpacken. Ich wünsche uns ein gutes Gedächtnis dafür, dass der Segen Gottes uns begleitet und überall und jederzeit bei uns ist. Von der Kraft dieses Segens her wünsche ich uns täglich genug Glauben, Liebe und Hoffnung auf der Reise durch das Leben.

Mit herzlichen Grüßen im Namen aller Mitarbeiter,

Ihre Anne Lauterbach


Juni / Juli 2014

Liebe Gemeinde,

das Titelfoto ist mehr als eine Momentaufnahme von einigen Mitgliedern des Kirchenvorstands während der Klausurtagung im März dieses Jahres. Das Foto zeigt ebenso: Wir sind unterwegs. Gemeinsam. Uns begegnet unfertiges. Wir halten inne. Wir reden miteinander, diskutieren. Wir hören aufeinander, Wir nehmen einander wahr. Keiner hat eine fertige Antwort. Im Gegenteil. Es gibt immer wieder viel zu tun. Da muss so manches angestoßen, getan werden. Keinem allein kann dies zugemutet werden. Da will vieles wachsen. Da braucht es ebenso Geduld und ein fröhliches, ein offenes Herz.

[Image]

Freuen Sie sich, wenn etwas geschieht und aufgebaut werden kann – für andere, für alle?

Sehen Sie gern etwas wachsen? Suchen Sie Gemeinschaft, Menschen die mit Ihnen auf einem gemeinsamen Weg sind? Möchten Sie Verantwortung übernehmen für Ihre Kirchgemeinde? Denn:
KIRCHE SIND WIR – Kirchenvorstandswahl

In diesem Jahr finden am 14. September die Kirchenvorstandswahlen in unserer Landeskirche statt. Der Kirchenvorstand ist die juristische Vertretung der Gemeinde und trägt einen wichtigen Teil der Verantwortung für das Leben der Gemeinde.

Der Kirchenvorstand wird alle sechs Jahre neu gebildet. Mit der Einführung der neuen Kirchvorsteher am 1. Advent 2014 (30.11.2014) endet die Amtszeit des bisherigen Kirchenvorstandes. In unserer Gemeinde wird sich der Kirchenvorstand in Zukunft aus 10 gewählten und 4 berufenen Mitgliedern zusammensetzen. Dazu kommen die Pfarrerinnen und Pfarrer, die von Amts wegen zum Kirchenvorstand gehören.

Wir suchen Gemeindeglieder, die bereit sind, Verantwortung für unsere Gemeinde zu tragen. Wahlvorschläge kann jedes Gemeindeglied bis zum 3. August 2014 einreichen.

Wahlvorschläge müssen von mindestens fünf Gemeindegliedern mit ihrer Unterschrift unterstützt werden.

Wählbar sind Kirchgemeindeglieder, die am Wahltag

  1. wahlberechtigt sind und das 18. Lebensjahr vollendet haben,
  2. das 68. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Das Wahlrecht nach kirchlicher Ordnung haben Konfirmierte bzw. nach dem 14. Lebensjahr Getaufte.

Eine weitere Wahlvoraussetzung ist, dass es keine Rückstände bei der Zahlung des Kirchgeldes gibt.

Nach § 5 Abs. 4 der Kirchgemeindeordnung ist die Erfüllung der Pflicht zur Entrichtung von Kirchensteuer Voraussetzung für die Übernahme kirchlicher Ämter und für die Teilnahme an kirchlichen Wahlen.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an unser Pfarramt. Dort können Sie auch die Wählerlisten vom 16. Juni bis 18. Juli 2014 einsehen.

Bitte nutzen Sie die Gelegenheit, die Richtigkeit und Vollständigkeit (Familien- und Vorname, Geburtsdatum, Anschrift) zu prüfen, damit die Wahlberechtigung gewährleistet ist. Einsprüche sind bis zum 17. August 2014 schriftlich und begründet an den Kirchenvorstand zu richten. Die Wählerliste wird eine Woche vor dem Wahltag geschlossen.

Am Wahltag verhinderte Wahlberechtigte können Ihr Wahlrecht im Wege der Briefwahl ausüben und müssen dazu bis spätestens 9. September 2014 beim Kirchenvorstand einen Wahlschein beantragen.

Die Namen der Kandidaten werden in unseren Kirchgemeindehäusern und auf unserer Homepage im Internet ab 15. August veröffentlicht.

Am Sonntag, den 7. September werden sich die Kandidaten nach dem Gottesdienst in der Trinitatiskirchruine vorstellen.

Wir laden schon jetzt alle wahlberechtigten Gemeindeglieder ein, sich an dieser Wahl zu beteiligen. Es geht um das Wohl unserer Kirchgemeinde und unserer Kirche.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Pfarrer Christian Haustein


April / Mai 2014

Liebe Gemeinde,

die beiden Abendmahlskelche aus dem 17. Jahrhundert gehören zu den wenigen Kostbarkeiten, die die Böhmische Gemeinde zu Dresden, eine der Wurzeln unserer Johanneskirchgemeinde, über die Jahrhunderte durch Kriege und Vertreibung gerettet hat. Bis heute verwenden wir sie bei besonderen kirchlichen Festtagen.

[Image]

Abendmahl, das heißt Abschied. Am Abend verabschieden wir uns vom Tag. Am Gründonnerstagabend nahm Jesus die letzte Mahlzeit mit seinen Jüngern ein. Brot und Wein sind seine Abschiedsgeschenke an sie und an uns. 1614 durften die evangelischen Böhmen in Prag ihre Salvatorkirche bauen. Doch schon 1620 endete mit der Schlacht am Weißen Berg diese kurze Periode der freien Religionsausübung. Die Evangelischen in Böhmen wurden verfolgt und vertrieben. Sie mussten von ihrer Heimat Abschied nehmen. Viele kamen nach Sachsen. Im Gepäck führten sie die Kelche mit sich, Symbole des Abschieds. Die Exulanten hatten dafür gestritten, dass jeder Christ das Abendmahl in Brot und Wein empfängt. »Nehmet hin, und trinkt alle daraus«, sagt Jesus. Abendmahl – Zeichen des Abschieds. Bis heute feiern wir mit Sterbenden das Abendmahl.

Das Abendmahl weist uns auf unsere Abstammung hin. Es steht in der Tradition des jüdischen Passamahls. Juden erinnern sich beim Passamahl an den Auszug aus Ägypten. Christen denken an Jesus und seine Jünger und an jeden, der durch die Jahrhunderte hindurch Stärkung aus dem Heiligen Abendmahl gezogen hat. Die böhmischen Christen zu Dresden sahen sich in der Traditionslinie ihrer Väter und Mütter. Sie wollten so treu wie diese ihren Glauben leben. Einer der Bibelverse, der in den alten Predigten auftaucht, ist Psalm 22,5: »Unsere Väter hofften auf dich, und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.« Auch wir können aus der Standhaftigkeit unserer Vorfahren im Glauben lernen, z. B. derer, die in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts gelebt haben.

Abendmahl, das bedeutet Absolution. »Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird«, heißt es in den Einsetzungsworten. Im Abendmahl nimmt Christus alles weg, was uns von Gott trennt. Er erlöst uns von unseren Verfehlungen, befreit uns von dem, was uns beschwert. Die böhmischen Exulanten in Dresden praktizierten vor dem Abendmahl noch die Einzelbeichte. Heute bringen wir unsere Schuld im gemeinsamen Sündenbekenntnis vor Gott. Dass Christus uns erlöst hat, ist der Grund unseres Glaubens. Darum nannten die alten Prager Protestanten ihre Kirche »Salvatorkirche«. »Erlöserkirche« hieß wiederum die Kirche ihrer Nachfahren auf der Paul- Gerhardt-Straße in Striesen. Sie wurde 1880 geweiht und 1945 zerstört.

Liebe Schwestern und Brüder, lassen Sie sich herzlich einladen zu unseren Abendmahlsgottesdiensten. Beispielsweise mit den Konfirmanden am Gründonnerstag, zu Ostern und Pfingsten.

In diesem Jahr jährt sich die Einweihung der Salvatorkirche zu Prag zum 400. Mal. Darum laden wir Sie herzlich ein zu einem Vortrag über die böhmischen Exulanten in Dresden am 29. April im Gemeindehaus Haydnstraße. Am 14. Juni wollen wir mit Mitgliedern der Prager Salvatorgemeinde von Leitmeritz zur Radebeule wandern. Und vom 3. bis 5. Oktober sind wir von den Pragern herzlich eingeladen, das Jubiläum mitzufeiern. Ich würde mich freuen, wenn Sie bei der einen oder anderen Gelegenheit mit dabei wären.

Im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter grüßt Sie ganz herzlich

Ihre Pfarrerin Carola Ancot


Februar / März 2014

Liebe Gemeinde,

»Alle Sünder willkommen!« – so steht es auf der weit geöffneten Tür.

Ein Gag oder ernst gemeint? Dieses Schild existiert an einer Pilgerübernachtungsstätte in der Nähe von Görlitz. Ich vermute, derjenige, der dieses Schild anbrachte, hat sich dabei etwas gedacht. Wirkt dieses Schild nun aber einladend, wie die offene Tür oder doch eher hemmend, denn wer will schon ein Sünder sein und dies dann noch offen zu erkennen geben durch den Zutritt über diese Türschwelle hinweg? Was werden die anderen dann denken?

[Image]

Was denke ich von mir selbst?

Die ersten Erfahrungen dieses Jahres liegen bereits hinter uns oder sie hängen uns noch an; sie begleiten uns weiterhin auf dem Weg durch dieses Jahr. Nicht alles lässt sich ja abschütteln wie der Staub von manchen Sachen. Da begegnet uns in den kommenden Tagen der 13. Februar: diese Geschichte werden wir nicht los. Dieser Tag hat sich eingebrannt in das Gedächtnis. Wir sind wieder aufgerufen, der Zerstörung Dresdens zu gedenken. Aber es ist ja nicht nur die Zerstörung, die uns zu schaffen macht, es ist die Gleichgültigkeit und die Verführbarkeit des Menschen, es ist das Wegschauen, wenn andere Menschen bedroht, verfolgt, misshandelt und getötet werden.

Es sind auch die Heilsversprechungen von Menschen, die an den Stolz, die Eitelkeit und den Egoismus anknüpfen, weshalb der Mensch für Irrwege so empfänglich ist. Am Ende dieser verführerischen Heilsversprechungen steht immer Zerstörung. Menschenrechte werden verletzt. Frieden missachtet.

Was Menschen einander antun können, wird uns in diesem Jahr auch drastisch vor Augen geführt, wenn sich am 28. Juli der Beginn des 1. Weltkriegs mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien zum 100. Mal jährt. Aber was hat das alles mit uns heute zu tun?

Das sechste Themenjahr der Lutherdekade beschäftigt sich in diesem Jahr mit der Frage »Reformation und Politik«. Wie politisch sollten Christen sein? Und wie christlich die Politik? Die Landtagswahlen werden uns in diesem Jahr zu einer persönlichen Entscheidung herausfordern.

Auch Kirchenvorstandswahlen stehen am 14. September 2014 an. Die Frage lautet dann: Wem gebe ich mein Vertrauen und wünsche, dass er bzw. sie im Kirchenvorstand Verantwortung für unsere Gemeinde trägt? Bin ich selbst bereit, dieses Amt zu übernehmen und es als meine Berufung von Gott her anzusehen? Stelle ich mich deshalb dieser Aufgabe?

Wenn wir dabei auf unser eigenes Leben oder das des anderen Menschen schauen, ob es dann auch heißen kann »Sünder willkommen!«?

Vor uns liegen nun auch die sieben Wochen der Passionszeit. Es ist eine gute Gelegenheit, sich mit den Lebensfragen auseinanderzusetzen. Der Leidensweg Jesu eröffnet uns die Möglichkeit, sich mit dem auseinanderzusetzen, was an Schwerem und Leidvollem in unser Leben hineingelegt ist. Den »Schatten« unseres Lebens können wir nicht abwerfen, aber es gibt diese Möglichkeit von Gott her, das Dunkle als wesentlich für unsere innere Reifung zu begreifen und das Unverständliche auszuhalten.

Das Wort der Jahreslosung »Gott nahe zu sein ist mein Glück« (Psalm 73,28) hilft uns dabei, denn es stammt von einem Menschen, der sein Leben mit den Lebensentwürfen anderer verglich. In seinem Ringen mit den »Warum – Fragen« des Lebens kommt er zu dem Ergebnis, wo er sagt: Ich aber suche Gottes Nähe, denn Gott hält mich an seiner rechten Hand. Bei Gott gilt: »Sünder willkommen!« Dieses Willkommen sein lasst uns miteinander in unserer Kirchgemeinde leben und gestalten.

Ihnen allen eine gesegnete Zeit – wo und wie auch immer sich Ihr Leben gestaltet

Ihr Christian Haustein


Dezember 2013 / Januar 2014

Liebe Gemeinde,

in der Nacht ist es geschehen. In der Nacht, so erzählt das Lukasevangelium, in der Nacht – da waren die Hirten draußen auf dem Felde... Kalt wird es gewesen sein, dunkel sowieso. Und dann wach bleiben, Schafe hüten, die anderen gehören. Naja, zum Leben reicht es – aber zu was für einem Leben!

[Image]

Da ist Sehnsucht nach so viel mehr: Sehnsucht nach Wärme und Licht (nicht bloß wegen der kalten Nacht, sondern Sehnsucht nach Wärme unter den Menschen), Sehnsucht nach Sicherheit, nach Liebe, nach Frieden (denn eine unfriedliche Zeit war es auch damals), Sehnsucht vielleicht (man ist realistisch) nach einer ein bisschen heileren Welt.

Und dann passiert’s! Eine Einladung – ausgerechnet an die da draußen, an die im Dunkeln: Fürchtet euch nicht! Stattdessen freut euch mit großer Freude! Was ihr ersehnt, Rettung, Erlösung – es ist in die Welt gekommen! Ihr könnt es sehen, berühren. Geht hin nach Bethlehem, überzeugt euch!

Was werden die Hirten erwartet haben? Ein Wunder? Machtvolles Eingreifen Gottes in die Geschicke der Welt? Umkehrung der Verhältnisse?

Was finden die Hirten: einen Stall, Leute drin, für die anderswo kein Platz war, eine Futterkrippe, ein kleines Kind. Alles gar nicht so viel anders als da draußen, wo sie hergekommen sind: dunkel, ein wenig Schutz vor der Kälte wohl, aber umso hilfsbedürftiger sind diese Menschen… Wie kann das Rettung sein? Wie kann das Erlösung sein?

Ein alter Hirte erklärt das: »Nun ist ER selbst gekommen, unbezweifelbar, der Jenseitige in unsere Irdischkeit, der Ewige in die Zeit, der Unendliche in die Endlichkeit, der Unsichtbare in die Sichtbarkeit… Wenn ich das bedenke, dann steht mir das Herz still… Es ist ja etwas Ungeheuerliches. Wir begreifen es ja auch nicht mit unserem Menschensinn. Denn wenn der verborgene Gott sich offenbart, dann muss sich alles anders vollziehen, als wir uns das vorgestellt haben. Vollständig anders.« (aus: Manfred Hausmann, Das Hirtengespräch)

Mitten in die Nacht, wo es dunkel ist, wo Menschen frieren, wo sie sich so sehnen – direkt da hinein kommt Gott, sichtbar, berührbar. Und wir feiern das bis heute. Ein Gebet für Heiligabend und immer:

Gott,
unglaublich ist es und ein Wunder,
dass du kommst – zu uns Menschen...
In unsre Herzen kommst du,
tust Staunen hinein und große Freude.
Wir spüren, dass Besonderes geschieht,
dass DU geschiehst, lebendig bist und wirkst in uns...
Du machst unser Leben hell mitten in der Nacht.
So lass uns Licht verbreiten und Freude
und deinen Frieden.
Amen.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Wochen und grüße Sie herzlich
Ihre Angela Giersemehl


Oktober / November 2013

Liebe Gemeinde,

ein Mensch ist ein Wunder. Schon der Körper – innen und außen, Wachstum und Energie, Erhaltung und Bewegung nach einem verborgenen, schönen Plan. Ein zweites Wunder ist das Bewusstsein: wir können fühlen und denken, gestalten und mitteilen. Das dritte Wunder, das mich staunen lässt, ohne dass ich es annähernd verstehe, ist das »Ich«. Was bedeutet es, dass ich zu genau einem Menschen »Ich« sage? Es ist unendlich unwahrscheinlich, dass »ich« einen der Milliarden lebenden Menschen »von innen« erlebe. Ich glaube nicht, dass es Zufall ist.

[Image]

Wer ist »Ich«? Wenn ich darüber nachdenke, ist das ein schwindelerregender Gedanke. Über nichts in der Schöpfung kann ich mich so wundern wie über dieses von Gott geschenkte und manchmal auch recht anstrengende »Ich«.

In der Bibel (2. Mose 3, 14) wird erzählt, wie Mose am Berg Horeb Gott begegnet und ihn nach seinem Namen fragt. Die Antwort ist der häufigste Gottesname in der Bibel, den fromme Juden zwar schreiben, aber aus Respekt nie aussprechen: »Jahwe«, auf Deutsch »Ich bin ich« oder »Ich bin, der ich sein werde«.

»Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde« (1. Mose 1,27): Der Gott »Ich bin ich« schuf mein »Ich bin ich«. Dieses »Ich« ist also keine Nebensache, sondern die Stelle, an der ich Gott am ähnlichsten bin. Hier bin ich (und jeder andere Mensch) sein Bild. Das bedeutet wohl nicht, dass Gott mir ähnlich ist: »Du sollst dir kein Bildnis machen von Gott.« Aber ich vermute, dass das »Ich« Gott nahe und sympathisch ist, ein Kernstück seiner Schöpfung, das er besonders mag.

Moses übernahm nach der Vorstellungsrunde am Berg einen Auftrag Gottes: Das Volk Israel aus Ägypten in die Freiheit zu führen. Dieser Auftrag verlangte, zusätzlich zur Autorisierung durch den »Ich werde sein«, eine Menge Ich-Stärke. Gott beauftragt Leute, die den Mut haben, »Ich« zu sagen. Martin Luther weigerte sich auf dem Reichstag zu Worms, das zu widerrufen, was er für richtig hielt.

Wahrscheinlich sagte er nicht das oft zitierte »Hier stehe ich, ich kann nicht anders«, sondern »Da mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun«. Auch dieser Satz betont das »Ich« und das Gewissen als sensibelsten Teil des »Ich«.

In manchen Zeiten und Gruppen wurde und wird in der Kirche, wo Bescheidenheit ein großer Wert ist, das »Ich« klein gemacht. Da wird Selbstverwirklichung abgewertet, als sei es nicht gerade unser Schöpfungsauftrag von Gott, uns selbst zu verwirklichen. Ich halte das für einen Irrtum. Gottes Wertschätzung für das »Ich werde sein« jedes Menschen ist freilich mit Verantwortung verbunden – bei Mose, bei Luther, bei Ihnen und bei mir. Luther beendete seine Rede deshalb mit »Gott helfe mir. Amen«. Ich bin sicher: Der »Ich bin ich« will auch uns selbst-bewusst.

Mit herzlichen Grüßen
Reinhard John


August / September 2013

Liebe Gemeinde,

freuen Sie sich auch bei jedem Gottesdienstbesuch auf der Fiedlerstraße über das – seit der Renovierung vor wenigen Jahren – so einladende großzügige Foyer des Kirchsaales, das durch eine kleine, aber sehr reizvolle Galerie farbenfroher Landschaftsbilder einen ganz besonderen Akzent erhalten hat?

[Image]

Es sind Bilder, die in tiefer Ehrfurcht vor der Schönheit der Natur, der Schöpfung, entstanden sind, und man ist bei der Betrachtung dieser Bilder geneigt, sie unter ein großes gemeinsames Thema zu stellen, das uns im Psalm 19,1 gegeben ist: »Die Himmel erzählen die Ehre Gottes…«

Was einst u.a. Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach oder Joseph Haydn so einprägsam vertont haben, hat der vor 10 Jahren, am 7. Juni 2003, verstorbene Künstler aus unserer Gemeinde – Werner- Hans Schlegel – in leuchtende Farben umgesetzt. Wir sind sehr dankbar, dass diese Bilder unserer Gemeinde übertragen wurden.

Wer Herrn Schlegel noch erlebt hat, wird sich gern an seine offene, freundliche, warmherzige und humorvolle Art erinnern, die auf andere Menschen ausstrahlte und die sich letztlich in seiner Kunst niederschlug. In unserer Gemeinde kam dies bei den persönlichen Gesprächen nach den Gottesdiensten, besonders aber auch im Umgang mit den Gemeinde-Zivis zum Tragen, deren Hilfe er einerseits dankbar annahm und denen er andererseits stets ein väterlicher Freund und Berater wurde. Gerade dieser Umgang mit jungen Menschen war ihm stets sehr wichtig, hatte er doch selbst seine ersten Glaubenserfahrungen in der Jugendzeit beim CVJM gesammelt.

Geboren am 28. April 1915 in Mosel und nach seiner künstlerischen Ausbildung u.a. bei Paul Schultze- Naumburg und Paul Rößler blieben ihm schmerzliche Einschnitte im Leben nicht erspart: Deportation ins KZ Buchenwald, Krieg, Tod der Ehefrau… Doch sein festes Glaubensfundament hat ihn über all diese Tiefen hinweg getragen und ließ ihn lebenslang einen Suchenden nach Schönheit und Harmonie bleiben.

Dem aufgeschlossenen Betrachter seiner Bilder wird sich diese positive Grundhaltung des Malers und Grafikers erschließen und ihm helfen, eigene Sorgen, Ängste und Zweifel zu bewältigen – eine der besonders segensreichen Wirkungen seiner Kunst!

Seine Verbundenheit mit der Kirchgemeinde brachte Werner-Hans Schlegel nicht nur durch die regelmäßigen Gottesdienstbesuche zum Ausdruck, sondern er übereignete uns zum 100-jährigen Kirchweih-Jubiläum der Trinitatiskirche auch ein Kunstwerk, das in seiner Expressivität eine weitere Facette seines Schaffens zeigt. Es ist das ausdrucksstarke Portrait eines »Ecce homo«, des gegeißelten Christus. Dieses »Sehet, welch ein Mensch« ist für Werner-Hans Schlegel fundamentaler Bestandteil und Ausdruck seiner Glaubensüberzeugung, der er mit diesem Bild künstlerischen Ausdruck gegeben hat.

Werner-Hans Schlegel hat uns auch 10 Jahre nach seinem Tode noch viel zu sagen – kommen Sie doch auf der Fiedlerstraße vorbei und lassen Sie sich von Gottes Wort und seiner Kunst ansprechen!

Herzlich grüßt Sie
Dietrich Berger, Kirchvorsteher


Juni / Juli 2013

Liebe Gemeinde,

in diesem Juni feiern meine Mitschüler und ich unser dreißigjähriges Abitur. Ich freue mich schon sehr auf das Treffen: Wie lange ist das her, dass wir gemeinsam in der Schule saßen? Es kommen die Erinnerungen, und einige »Weißt-du-es-noch«.


[Image]

Später ist es auf einmal so, als säßen wir wieder dort. So geht es uns manchmal mit Erinnerungen: Sie sind nicht nur Rückblick, sondern auch gegenwärtig. Es fühlt sich so an, als geschähe es jetzt im Moment. Nicht nur: »Ich war geliebt«, sondern: »Ich bin geliebt.« Nicht nur: »Da öffnete sich mir eine Tür«, sondern: »Da ist eine offene Tür.« Nicht nur: »Ich war glücklich«, sondern: »Ich bin jetzt voller Glück.« Nicht nur: »Ich fühlte mich völlig frei«, sondern: »Ich bin frei.«

Nicht nur: »Ich wurde getauft«, sondern: »Ich bin getauft.« Ich wurde getauft, damals, als meine Eltern mich Gott anvertrauten. Ich wurde getauft, damals, als ich so gern dazu gehören wollte.

Ich bin getauft, heute – Gott anvertraut, dem ich vertrauen darf, von Gott gehalten, an dem ich mich festhalten kann. Ich bin getauft, heute – und gehöre dazu, zu einer Gemeinschaft, zu der viele verschiedene Menschen gehören, so dass auch ich, so wie ich bin, da hineinpasse. Ich bin getauft, heute – und gehöre in eine Kette von Menschen vor mir und darf weitertragen, was mich trägt.

Ich bin getauft – aber mal ehrlich: Wie oft denke ich eigentlich daran?

Ich muss mich erinnern – nur wie?

Erinnerung kann ich nicht einfach aus der Tasche holen, nach dem Motto: Jetzt gerade fühle ich mich so allein gelassen, also denke ich mal daran, dass ich getauft bin. Das geht nur, wenn die Erinnerung daran geübt ist.

Aber lässt sich Erinnerung einüben? Ich brauche Zeichen, die die Erinnerung lebendig halten, so dass sie mehr ist als nur ein Rückblick. Dazu kann gehören: Wann wurde ich eigentlich getauft? Kann dieser Tag eine Bedeutung haben? Welchen Taufspruch hatte ich? Kann der irgendwo sichtbar werden und mich begleiten? Gibt es eine Taufkerze, die ich am Tauftag anzünden kann? Auch wenn ich den Gottesdienst besuche, werde ich an meine Taufe erinnert. Zum Beispiel in unserem Gemeindehaus in der Fiedlerstraße. Betrachten Sie einmal den hölzernen Taufstein. Jesus steht im Wasser des Jordans. Johannes hält die Taufschale mit Wasser und leert sie über Jesus. Und dazu tritt ein Dritter, Gott, angedeutet in den Lichtstrahlen, die von oben rechts auf Jesus fallen.

Am 7. Juli laden wir Sie herzlich zum Gemeindefest ein. Wir beginnen mit einem Gottesdienst mit Taufen und Taufgedächtnis in der Ruine. Wir wollen uns erinnern: Gott sprach und spricht zu mir: »Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.« (Jes 43,1) Und wozu das alles? Damit ich mich auch dann erinnern kann, wenn es nötig ist, wenn ich mich allein fühle, schuldig geworden bin, mich entscheiden muss, wie ich lebe und wie ich mich verhalten will. Daran will ich mich oft erinnern: Ich bin getauft.

Übrigens: Wir haben bei unseren Nachforschungen zum Taufstein, der wohl in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts geschaffen wurde, den Künstler nicht ermitteln können. Vielleicht können Sie der Erinnerung auf die Sprünge helfen?

Im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter grüßt Sie ganz herzlich
Ihre Pfarrerin Carola Ancot


April / Mai 2013

Liebe Gemeinde,

»Regenbogen, buntes Licht, deine Farben sind das Leben, Gott verlässt die Erde nicht, hat uns seinen Sohn gegeben.« Mit diesem Refrain aus einem christlichen Kinderlied begrüße ich Sie.

[Image]

Der Regenbogen mit seinen vielen unterschiedlichen Farben, wann haben Sie den das letzte Mal gesehen? Nach so einem langen und wirklich schönen weißen Winter freut sich nun jeder auf die Farben des Frühlings oder einfach auf einen leuchtenden Regenbogen am Himmel.

Mit dem Regenbogen verbinde ich sehr viel, wenn ich einen am Himmel erblicken darf, dann weiß ich, Gott ist da, mit seiner unendlichen Gnade ganz nah bei mir.

In unserer Gemeinde gibt es genau so einen Regenbogen, mit soviel unterschiedlichen Gemeindegruppen ist doch unsere Gemeinde wirklich bunt und das ist gut so.

Das Wort »Regenbogen« kommt in dem Wort Regenbogenstraße vor und ist den Kindern unseres Kindergartens sehr wohl bekannt. Zum vierten Mal hat uns dieses Jahr die Regenbogenstraße besucht. Eine große Holzstraße für Puppentheater, die einmal quer durch den Kirchsaal Fiedlerstraße geht.

Die Regenbogenstraße ist genauso bunt, wie der Regenbogen selbst, mit bunten Häusern und einem Zaun und einer Lollibude. Auch die Puppen, die hier wohnen, haben nicht an Farben gespart. Auf der Frontseite des Heftes sehen Sie die Regenbogenstraße mit ihren Bewohnern (gemalt von einem Kind aus dem Kindergarten). Die Kinder erleben hier ein Puppenstück, was in ihre Wirklichkeit hineinpasst und wie sie sich vielleicht schon einmal gefühlt haben. Anschließend gibt es eine biblische Geschichte zu hören, zu sehen und mit zu gestalten.

In diesem Jahr begleitete die Kinder die Josefsgeschichte. Wenn ich an die Josefsgeschichte denke, stelle ich mir immer seinen bunten Mantel vor, den Josef von seinem Vater Jakob bekommen hat, wie ein Regenbogen so bunt als Ausdruck seiner Liebe zu seinem Sohn. Aber auch sein Leben war sehr bunt, mit vielen Höhen und Tiefen verbunden. Doch auch Josef wusste, dass Gott da ist, mit seiner unendlichen Gnade ganz nah bei ihm. Dieses und mehr hören die Kinder von Gott und nehmen es mit in ihren Alltag. Ganz besonders dankbar bin ich, dass auch andere Kindergärten aus Johannstadt der Einladung zu unserer Regenbogenstraße gefolgt sind. Das Evangelium bleibt nicht nur bei uns, sondern zieht wie ein Regenbogen seine Bahn hinaus und endet, wo wir es nicht sehen.

Die Kinder und auch ich, wir freuen uns auf nächstes Jahr, wenn uns die Regenbogenstraße wieder besucht, vielleicht besuchen Sie uns auch mal auf der Regenbogenstraße.

Genießen auch Sie die kommenden Farben des Frühlings und besuchen Sie die unterschiedlichen bunten Veranstaltungen unserer Gemeinde.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Osterzeit. Im Namen aller Mitarbeiter grüße ich Sie alle ganz herzlich
Ihre Kathrin Akwaghoku


Februar / März 2013

Liebe Gemeinde,

»Dunkle Stunden – oder die Kunst des Wartens« – so lautet die Überschrift eines Aufsatzes, den ich kürzlich las. In diesem Aufsatz geht es um die ‚dunklen Stunden‘ im Leben und speziell um die ‚dunklen Stunden‘ im Februar als Sinnbild des Lebens. Anders als zur Advents- und Weihnachtszeit werden die dunklen Tage des Februars nicht durch Kerzen erhellt und vielleicht ist gerade deshalb die Sehnsucht nach dem baldigen Frühjahr, nach den helleren und wärmeren Tagen so präsent. Der Februar hat seine eigene Prägung. Darauf verweist auch der Monatsname. Aus dem Lateinischen kommend (lat. »februare«: reinigen) war der Februar der Reinigungsmonat im altrömischen Jahresablauf. Reinigungs- und Sühneopfer wurden einst dargebracht.

[Image]

Der Monatsspruch für Februar lautet: »Schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei.« (Lukas 11,35) Jesus spricht hier seine Zuhörer an, sich selbst zu prüfen, worauf ihr Augenmerk gerichtet ist. Jesus fordert dazu auf, doch einmal innezuhalten und sich selbst zu fragen, worauf schaue ich eigentlich in meinem Leben? Was ist mir wichtig? Gibt es die Notwendigkeit zu einer Korrektur, zu Veränderungen in meinem Leben?

Die dunklen Stunden im Februar sind Abschiedsstunden von Altem, um offen sein zu können für Neues, was noch im Werden, aber oftmals noch verborgen, unsichtbar ist. So wie am Tagesbeginn die Stunden vor Sonnenaufgang am finstersten und am kältesten sind, so schwierig können diese dunklen Stunden im Februar sein.

»Schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei.«

Vor genau 80 Jahren (1933) geschah die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Das war kein »Geschichtsunfall «, sondern das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses in unserem Land. Vielleicht stand damals auch die Sehnsucht nach einer schnellen, einfachen Lösung für die Probleme im Land Pate.

»Heilsversprechen« da – Schuldzuweisungen dort. Wie aktuell und äußerst gefährlich dieses Denken noch ist, konnte am 1. November vergangenen Jahres beim NPD-Aufmarsch erlebt werden – und wir werden daran erinnert, wenn wir am 13. Februar dieses Jahres wieder der Zerstörung Dresdens gedenken.

Unser von Jesu Liebe hell erleuchtetes Gesicht und Herz ist gefragt, dass wir es allen Mit-Menschen zeigen, »Gott will, dass ALLEN Menschen geholfen werde« (1.Tim.2,4).

Dunkle Stunden im Februar – vielleicht ist es kein Zufall, dass in diesem Jahr der 13. Februar auf den Aschermittwoch fällt und damit die Passionszeit beginnt mit dem Aufruf zur 7-wöchigen Fastenaktion »Riskier was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht« – z.B. Mitgefühl riskieren, Widerspruch, Niederlagen, Verletzungen, Zweifel…

Wenn wir dabei dem Monatsspruch folgen und auf Jesus und sein Leben schauen, dass Gott in und aus der Dunkelheit des Lebens Neues hervorbringen will, wird aus dem unbekannten Anfang im Zusammenleben mit Jesus Gottes schöpferisches Handeln, damit auch wir einmal sagen können: »Siehe, es ist gut!«

Im Namen aller Mitarbeiter grüße ich Sie alle ganz herzlich
Ihr Pfarrer Christian Haustein


Dezember 2012 / Januar 2013

Liebe Gemeinde,

Die Adventszeit hat begonnen. Die Tage werden kürzer und wir sehnen uns nach Licht und Wärme. Überall sind sie jetzt zu sehen, die Sterne. In den Straßen, Häusern und Kirchtürmen leuchten sie uns in weiß, rot und gelb entgegen. Auch im Kindergarten ist es für unsere Kinder immer wieder ein großes Ereignis, wenn der Stern aufgebaut und an der Decke befestigt wird. Zum Morgenkreis und zur Vesper wird das Licht ausgeschaltet und dann erleuchtet der Stern den Raum. Die Kinder freuen sich auf Weihnachten, im Morgenkreis stellen wir unsere Krippenfiguren auf und sprechen über die Weihnachtsgeschichte. Die Kinder basteln Geschenke und üben für das Krippenspiel.


[Image]

Die Monatslosung für Dezember steht im Buch Jesaja 60, 1: »Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!« Mache dich auf und werde licht. Maria und Josef, die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland. Sie alle brechen auf und machen sich auf den Weg nach Bethlehem. In den Beschreibungen des Evangelisten Lukas geht es nicht prunkvoll zu. Nein, die Geburt Jesus findet unter sehr einfachen Bedingungen statt. Ärmlich, im Dunkeln, in einer Krippe in einem Stall kommt Jesus zur Welt. Von ihm geht ein Licht aus, das in der Dunkelheit scheint. Der Stern von Bethlehem leuchtet über der einfachen Herberge. Die ersten Besucher sind einfache Hirten. Sie werden Zeugen von der Geburt des Heilands Christus, Gottes Sohns. Sie haben das Licht gesehen, das sie bis nach Bethlehem führt.

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! Die Adventszeit ist geprägt von Aufbruch und Erwartung. Gott schickt uns seinen Sohn. Was bedeutet das für mich? Mache ich mich auf den Weg? Welchen Weg gehe ich? Welchem Stern folge ich? Kann ich ein Licht in meinem Leben sehen? die Kindergartenkinder die Weihnachtsgeschichte spielen und von dem Licht erzählen, dass mit Jesus in unser Leben gekommen ist. Nach den Gottesdiensten wollen wir Menschen besuchen, die den Weg aus ihren Wohnungen nicht mehr schaffen. Wir machen uns auf den Weg zu ihnen, im Gepäck die Botschaft des Evangeliums. Wir kommen mit einem offenen Ohr und bringen Licht.

Denn Jesus hat gesagt: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.« (Joh 8,12) Denn für alle, ob alt oder jung, krank oder gesund, ist Jesus das Licht der Welt. Er leuchtet über denen, die im Dunkeln wohnen, er leuchtet über denen, die anderen ein Licht bringen und allen, die dem Stern folgen. Gott liebt uns und schickt uns seinen Sohn. Wenn wir unser Leben nach ihm ausrichten, den Weg zu Jesus suchen, an ihn glauben, werden auch wir das Licht in uns haben. Das gilt an Weihnachten und an jedem anderen Tag.

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Adventszeit, eine Zeit des Aufbruchs, der Vorfreude und der Erwartung, eine Zeit der Umkehr und des Neuanfangs. Machen wir uns auch auf den Weg zum Licht, so wie die Weisen aus dem Morgenland, die dem Stern von Bethlehem folgten.

Im Namen aller Mitarbeiter grüße ich Sie ganz herzlich,
Ihre Anne Lauterbach


Oktober / November 2012

Liebe Gemeinde,

sprechen Sie vor dem Essen ein Tischgebet? Diese wohl vertrauten Worte des Dankes, voller Vorfreude auf das kommende und schon verlockend duftende Mahl? In manchen Familien ist es üblich, sich an den Händen zu fassen und das Gebet gemeinsam zu sprechen.

[Image]
»Und er nahm die sieben Brote und die Fische
und sie aßen alle und wurden satt…«
Mt 15, 36 + 37

Wenn wir ein Tischgebet sprechen, werden wir uns der lebendigen Gemeinschaft bewusst, bei der uns Gott ganz nahe sein möchte, auch wenn wir alleine am Tisch sitzen. Schön, dass es uns so gut geht! Im Februar hatte ich eine wunderbare Reise in das Heilige Land Israel unternommen und die biblischen Geschichten haben für mich auf beeindruckende Weise eine Lebendigkeit erhalten, wie ich es mir zuvor nicht hatte vorstellen können. Besonders gefallen hat mir ein Ort in Galiläa, ganz in der Nähe vom See Genezareth. An der Pilgerstätte Tabgha, dem Ort der Brotvermehrung, wurde ein wunderbares Bodenmosaik aus dem 5. Jahrhundert freigelegt. Sie sehen es auf dem Titelbild: Es zeigt zwei Fische und einen Korb voller Brote in deren Mitte. Bereits im 4. Jahrhundert wurde die erste frühbyzantinische Kirche an diesem Ort errichtet. Die erst 1932 vollständig freigelegten Mosaiken zeigen ganz unterschiedliche Darstellungen von einfachen geometrischen Mustern, Gänsen und Reihern und anderen Vogelarten. Der offenbar mit dem Nildelta vertraute Künstler hat Flora und Fauna dieser Region abgebildet. Man erkennt Flamingos, Enten und Schlangen, Lotosblüten und Schilf.

Über den Stein, auf dem Jesus vor der Speisung der Fünftausend Brote und Fische gelegt haben soll, wurde der Altar aufgerichtet. Direkt davor befindet sich das wohl bekannteste Mosaik der Brotvermehrungskirche. Jesus hat mit sieben Broten und ein paar Fischen fünftausend Menschen gespeist und sieben Körbe voll mit Brocken waren übrig, so lesen wir es im Matthäus- und Markusevangelium (Mt 15, 32 – 38; Markus 8, 1 – 9).

In hebräischer Sprache heißt dieser Ort En Sheva, was so viel wie »Ort der sieben Quellen« heißt. Er bezeichnet also eine wasserreiche Stelle. Und wo Wasser ist, da ist auch Leben und Vielfalt und Fruchtbarkeit. Der See Genezareth, auch Yam Kinneret genannt, ist Israels größter Süßwassersee. Er liegt eingebettet zwischen den Golanhöhen im Osten und dem galiläischen Bergland im Westen. Üppiges Grün rahmt den Jordan ein, bevor er am Nordufer den See Genezareth speist. Mit seiner Lage von 210 m unter dem Meeresspiegel ist er der am tiefsten gelegene Süßwassersee weltweit. Seine Größe entspricht rund einem Drittel des Bodensees und er ist Israels wichtigstes Trinkwasserreservoir. Am See Genezareth ist es ganzjährig warm und es gedeihen subtropische Pflanzen, die dem See ihren eigenen Reiz verleihen. Der See ist sehr fischreich und vor allem durch seinen St. Peterfisch (eine Buntbarschart) berühmt.

Wir haben Oktober, den goldenen Monat. Die Ernte ist eingebracht. Wir sind reich beschenkt worden. Wie heißt es schön im Lied von Matthias Claudius: »Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott. Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!«

Ein gesegnetes Erntedankfest wünscht Ihnen
Ihre Susanne Lorenz


August / September 2012

Liebe Gemeinde,

endlich sind sie da, die Sommerferien. Lange haben die Kinder auf sie gewartet. Und auch wir Großen freuen uns auf unseren Urlaub. Oder liegt er schon hinter Ihnen?

[Image]

Nichts ist uns Deutschen so heilig wie die Urlaubstage. Wir sind Weltmeister im Verreisen. Andererseits: auf diesen besonderen Tagen des Jahres lastet ein besonderer Erwartungsdruck. Es ist gut möglich, in der Ferienzeit in eine Krise zu stürzen, wenn der rahmende Alltag fehlt. Ja – Urlaub ist schon eine heilige Sache. Nicht jeder mag im Urlaub wegfahren, nicht jeder kann im Urlaub wegfahren – doch im Wegfahren steckt sicherlich auch ein ganz besonderes Stück »sich entfernen« von der Arbeit: Aus Abstand auf den Alltag schauen können, Neues wahrnehmen, Auftanken ohne die Zwänge des Alltags. Das ist ein Geschenk.

In der Bibel habe ich weder »Ferien« noch »Urlaub« gefunden. Aber über Anlässe, sich vom Alltag zu entfernen, wird doch erstaunlich viel berichtet. Markus erzählt: »Die Apostel versammelten sich bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: »Kommt mit mir an einen einsamen Ort, ihr allein, und ruht ein wenig aus!« Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein.« (Markus 6)

Sich zurückziehen – allein oder mit Freunden, Zeit, ungeteilte Zeit für ganz bestimmte Menschen zu haben. Und das Reisen? Neues sehen, Neues kennenlernen, offen sein für Begegnungen, das ist jüdischchristliche Tradition. Unterwegs sein war das Leben der Nomaden, die als Erste zu dem mitgehenden Gott beteten und ihm vertrauten.

Urlaub, Ferien, Holiday: Gut, dass es diesen Wechsel von Arbeit und Ruhe gibt. Gott persönlich hat ihn vorgelebt: Nachdem er die Welt erschaffen hatte, ruhte er am 7. Tage. Und das war gut. Und ist gut. Alle sieben Tage – und besonders in den Ferien.

Ob Sie Ihren Urlaub noch vor sich haben oder ob Sie schon wieder im Alltag angekommen sind: Nehmen Sie doch mehr aus ihm mit als ein paar Souvenirs.

Nehmen Sie sich auch in Ihrem Alltag mal Zeit, auszuspannen, Zeit, die Seele baumeln zu lassen, Zeit für liebe Menschen.

Solche Holidays, »heiligen Tage«, wünscht Ihnen im Namen Ihrer Kirchgemeinde
Ihre Pfarrerin Carola Ancot


Juni / Juli 2012

Liebe Gemeinde,

mit Paulus unterwegs – das war Motto der Kinder-Bibel-Tage in den Osterferien. Auf dem Foto des Deckblattes sehen wir Kinder, die aus ihrer Sichtweise einen Fries zu Paulusgeschichten gestalten und seine spannenden Erlebnisse in großen Bildern malen. Fast die Hälfte der 27 Schriftstücke unseres Neuen Testaments stammen in Form von Briefen aus der Feder des Paulus bzw. werden ihm zugeschrieben. Der griechische Gebildete und Arzt Lukas, Verfasser auch des gleichnamigen Evangeliums, schildert die Reisen, Ansichten und Glaubensüberzeugungen des Paulus und seiner Mitstreiter. In großen und mehr noch kleinen Episoden beschreibt Lukas die Wege und Umwege des Apostels, der getrieben war von seiner Überzeugung, dass alle Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden sollen.

[Image]

Saulus, mit römischem Beinamen Paulus, weil sein Vater römischer Bürger war, gilt als gefürchteter Christenverfolger. Vor den Toren von Damaskus wird er von Jesus auf dem falschen Weg gestellt, ins heilsame Licht gerückt und bekehrt. Aus dem fundamentalgläubigen Radikalen wird ein Apostel und Gemeindegründer. Was für ein Neuanfang! Ab diesem Ereignis ist Paulus unterwegs im Auftrag seines Herrn und Heilands. Paulus ruft zum Glauben an Jesus als den Sohn Gottes. Er ruft zu Vertrauen, zu Weisheit, Mut und Einsicht, selbst in höchster Not.

Was er predigt, lebt er selbst vor. Gottes Kraft ist es, die mächtig in diesem Mann wirkt. Und von der er sich treiben lässt. Auf vier großen Reisen fährt er übers Meer, erlebt Schiffbruch und andere lebensgefährliche Situationen. Er erleidet Verleumdung, Unverständnis, Ausgrenzung, Krankheit, rohe Gewalt und Gefängnis. Aber er bleibt in all dem treu – seinem Herrn und seiner Berufung. Paulus muss sich mit vielen Lehrstreitigkeiten auseinandersetzen, mit unterschiedlichsten Heilsauffassungen und fragwürdigen Predigtstilen. Unter Tränen versucht er Streit in Gemeinden zu schlichten. Aber vor allem: Er gründet christliche Gemeinden in vielen Regionen der heutigen Länder Türkei und Griechenland. Zum Beispiel in Philippi, heute 15 km von der modernen griechischen Stadt Kavala entfernt.

In einer von Männern dominierten Welt ist der erste Christ Europas eine Frau: die Purpurkrämerin Lydia, eine Kauffrau für teuerste Stoffe und Farben. Lydia sitzt in Philippi mit anderen Frauen am Fluss. Paulus ignoriert das eiserne Gesetz, dass ein Mann nie mit einer fremden Frau spricht. Er redet zu den Frauen, diskutiert mit ihnen über Gott und seine Welt. Dabei »tat der Herr ihr das Herz auf« (Apostelgeschichte 16,14) und Lydia kommt zum Glauben an Jesus Christus. Sie lässt sich taufen. Mit ihr werden alle Familienmitglieder und die Angestellten gleich mit getauft; die erste Keimzelle christlichen Glaubens in Europa ist entstanden.

Jahrhunderte später ist Martin Luther beim Lesen des Paulusbriefes an die Gemeinde in Rom zu der wichtigen Erkenntnis gekommen, die unsere Kirche reformierte. Allein aus Glauben an Jesus, allein aus Vergebung, allein aus Gottes Güte kommen wir bei Gott an.

Ich bin sicher, Sie kennen die Historie mit ihren Geschichten. Vor uns liegt die Ferienzeit mit Reisen und Erholung. Vielleicht ist es Ihnen ja vergönnt, auf der Reise an eine der Stätten zu kommen, in der Paulus wirkte. Meine Anregung bei allem Reisen und Erholen ist: Packen Sie auch die Bibel ein, als Urlaubslektüre obenauf in Ihrem Koffer. Setzen wir uns einmal neu den klugen Worten der biblischen Erzähler aus. Vielleicht geht uns dabei neu »das Herz auf«...

Bleiben Sie unterwegs und zu Hause behütet und geborgen,
Ihr Klaus Markert


April / Mai 2012

Liebe Gemeinde,

eine »Großmutter« unserer Johanneskirchgemeinde ist die Böhmische Exulantengemeinde. Das kam so: Mit dem tschechischen Kirchenreformer Jan Hus (um 1370 – 1415) begann die Reformation in Böhmen mehr als hundert Jahre eher als in Deutschland. Hus betonte die Orientierung an der Bibel und am eigenen Gewissen statt an der Tradition und kirchlichen Hierarchie. Auch seine theologischen Aussagen zum Abendmahl gewannen rasch viele Anhänger. Doch bis zur Religionsfreiheit von 1609 erlitten die protestantischen Christen in Böhmen schwere Verfolgungen. In Prag konnte erst 1611 bis 1614 die evangelische Salvatorkirche gebaut werden, der Ort unserer Partnergemeinde. Die Niederlage in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag beendete 1620 die kurze Freiheit der evangelischen Böhmen. Ihre Führer wurden hingerichtet, die Verfolgung der Protestanten begann wieder. Aus Glaubensgründen flohen von 1621 bis zur Mitte des Jahrhunderts etwa 36 000 Familien. Etwa die Hälfte dieser »Exulanten« (Auswanderer) kam nach Sachsen – auch nach Dresden, wo heute noch die Böhmische Straße nach ihnen heißt. Zuerst feierten die Böhmen ihre Gottesdienste in der Wohnung ihres Pfarrers Matthias Georgines. Seit Gründonnerstag 1650 nutzte die Gemeinde die hölzerne Friedhofskirche St. Johannis vor dem Pirnaischen Tor. Nur dort durften Gottesdienste auf Tschechisch stattfinden.

[Image]

Unser Titelbild zeigt das Holzkirchlein in einer Karte der Brandschäden des Siebenjährigen Krieges: Zahlreiche Häuser, auch rechts unten das Pfarrhaus und die Böhmische Schule, stehen in Flammen. Die Kirche blieb damals unbeschädigt. Ihr Nachfolge bau musste 1861 der Stadtmodernisierung weichen. 1878 bis 1880 baute die Exulantengemeinde deshalb ihre Erlöserkirche in Dresden-Striesen.

Die evangelischen Böhmen gaben sich große Mühe, die Geschichte ihren Kindern und Enkeln mitzuteilen. Vor allem sollte in Erinnerung bleiben, welch hohen Preis die Exulanten für ihre christlichen Überzeugungen zu zahlen bereit waren und wie die Gemeinde durch alle Bedrohungen bewahrt geblieben war. Über der Tür zum 1945 zerstörten Gemeindesaal auf der Paul-Gerhardt-Straße stand (nach 5. Mose 32,7): »Gedenke der vorigen Zeit bis daher und betrachte, was er getan hat an den alten Vätern. Frage deinen Vater, der wird dirs verkündigen, deine Ältesten werden dirs sagen.«

Der Gründonnerstag wurde als Gründungstag der Gemeinde gefeiert, weil am Gründonnerstag 1650 der erste tschechische Gottesdienst in einer Dresdner Kirche stattfand. Auch in diesem Jahr feiern wir am Gründonnerstag den Exulantengottesdienst auf der Haydnstraße. An diesem Tag wird beim Abendmahl der Kelch benutzt, den die Exulanten 1621 aus Prag nach Dresden mitbrachten. Lassen Sie sich einladen zu diesem Exulantengottesdienst – und zur Aufmerksamkeit auf die vielen Spuren der Böhmischen Exulanten und ihres Glaubens in unserer Gemeinde.

Mit herzlichen Grüßen
Reinhard John


Februar / März 2012

Liebe Gemeinde,

»Denn ich bin fremd gewesen …« (Matthäus 25,35) – ein paar Worte Jesu als Überschrift der ersten Kirchennachrichten in diesem noch

[Image]

Manchmal schreib ich versehentlich noch »2011« beim Datum. »2012« ist meiner Hand noch fremd – es braucht ein bisschen Zeit, um damit vertraut zu werden. Ein paar Schritte hinein in dieses Jahr, immer mehr Eintragungen im Kalender, zunehmend Bekanntes. Und die noch offenen, noch freien, unbekannten Stellen gewinnen ihren eigenen Reiz: Platz für vielleicht Überraschendes!

»Denn ich bin fremd gewesen und ihr habt mich aufgenommen.« Jesus beschreibt ganz Ähnliches: Schritte aufeinander zu, nicht machbar ohne Offenheit für das Unbekannte. Jesus hat das echt strapaziert! Jesus hat anders gesehen, anders gewertet, anders gehandelt als die in der Gegend Einheimischen. Und in der Begegnung mit diesem »Fremden« fiel ein ganz neues Licht auf das Eigene: erschreckend, aufrüttelnd, mutmachend, frohmachend …

»Denn ich bin fremd gewesen und ihr habt mich aufgenommen.« Jesus hat das gesagt in einer Rede über das Weltgericht. Bekannt der Satz: »Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.« – Das Aufnehmen dieses Fremden führt geradewegs zur Rechten Gottes!

Das Aufnehmen des Fremden bringt mich dem Reich Gottes näher. Vielleicht gar nicht so sehr des »guten Werkes« wegen, sondern weil ich das Gewohnte, das, worüber ich gar nicht mehr nachdenke, einmal aus einer anderen Richtung sehen kann …

Das Jahr 2012 steht in unserer Gemeinde unter dem Jahresthema »Integration«. Ich freue mich auf alles Begegnen, voneinander Lernen, Nachdenken, miteinander Feiern …

Herzlich grüßt
Ihre Angela Giersemehl


Dezember 2011 / Januar 2012

Liebe Gemeinde,

es begab sich aber zu der Zeit, dass alles ganz anders war. Joseph und seine schwangere Verlobte waren auf der Reise. Sie waren er griffen von den Folgen einer Verwaltungsvorschrift, auf die sie keinen Einfluss hatten. Sie waren fremd: so schutzlos, wie man zu Hause nie ist.

[Image]

Und dann das Fest: Es fehlte alles – Wärme, ein Kinderbett, die bekannten Gesichter. Einer ist gekommen, Gott. Auf dem Titelbild dieses Gemeindebriefes sehe ich: Das Kind ist ganz bei Maria geborgen. Maria ist ganz bei ihrem Kind. Beide sind eins in diesem Moment. Nichts lenkt ab, alles ist Gegenwart.

Ich glaube: Maria brauchte sehr viel innere Freiheit. Sie konnte so viel Glück, Liebe und auch Schmerz fühlen, dass Gott bei ihr Platz und eine Heimat fand. Die Gegenwart Gottes hat die Kraft, Menschen zu verzaubern, die ihr begegnen. Maria und viele Menschen, die Jesus begegneten, haben begriffen: Jetzt ist Gottes Zeit – jetzt ist auch meine Zeit!

Das Bild von Maria und dem Kind, die beiein- ander geborgen sind, ist die Zeichnung eines Soldaten 1942 bei Stalingrad. Kurt Reuber zeichnete das Bild mit Kohle auf die Rückseite einer Landkarte. In Unrecht, Dreck und Tod berief sich seine Sehnsucht auf Gottes intimste Gegenwart. Und Gott, der nicht zu fällig im Stall geboren wurde, ist da, auch in Unrecht, Dreck und Tod.

Weihnachten ist Gottes Weg in den Alltag. Weihnachten zeigt sich im Januar, wenn Rou- tine, Arbeit, Einsamkeit oder Leistungsdruck uns wiederhaben wollen. Gott hat sich in uns schon ausgebreitet. Wir können uns von ihm verzau- bern lassen und gerade deshalb ganz realistisch in unserer Gegenwart leben.

Das wünscht Ihnen
Reinhard John


Oktober / November 2011

Liebe Gemeinde,

so langsam neigt sich das Kirchenjahr schon wieder dem Ende zu. Wer nicht mehr ganz jung ist, fragt sich wie die Zeit nur wieder so schnell vergehen konnte. Und in den meist wenigen ruhigen Momenten lässt man das Vergangene an sich vorbeiziehen.

[Image]

Der Spiegel des Gedächtnisses ist dabei oft beschlagen, weil die Zeit im Alltag nicht reicht, klare Bilder in meine Erinnerungen zu malen.

Zeit – dies scheint ein Schlüsselwort unserer Tage zu sein. Die, welche Arbeit und Beschäftigung haben, sind getrieben von ihr. Die, die keine Arbeit haben oder im Ruhestand sind, kämpfen oft gegen sie an, weil sie so viel Einsamkeit mit sich bringt.

Dabei ist Zeit doch ein ganz besonderes Geschenk unseres Gottes. Fast jeder von uns kennt die »alles hat seine Zeit«-Bibelstelle aus dem Buch Prediger. Und doch fällt es mir so schwer, jeden Schritt des Tages in dieser Gewissheit der zeitlosen Gegenwart Gottes zu gehen. Er, bei dem Zeit keine Rolle spielt, fordert mich auf, im Jetzt so zu leben, dass meine Gegenwart schon ein Schritt in die Ewigkeit ist.

Im vergangenen Sommer habe ich ein kleines Büchlein von und über Gerhard Tersteegen gelesen. Tersteegen war nicht nur einer der großen Liederdichter des deutschen Protestantismus, sondern auch ein begnadeter und leidenschaftlicher Beter. Beim Lesen ist mir bewusst geworden, wie existenziell doch das Gespräch mit meinem Schöpfer ist. Und wieder stellt sich die Frage, warum nehme ich mir nur so wenig Zeit dafür? Dabei ist Gebet ja in keiner Weise nur ein förmliches Gespräch, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung. Ein Geschenk Gottes an Jeden, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Nicht nur bitten und danken, sondern auch fragen, zweifeln, freuen, anklagen, suchen, teilen, oder einfach nur schweigen.

Und warum? Weil Gebet Veränderung bewirkt. Nicht unbedingt immer so, wie ich es mir wünsche, aber immer, wie es gut für mich ist. Mit Gebeten verändere ich nicht in erster Linie meine Umwelt, sondern mich selbst, weil Gott wieder ein Stück mehr von mir lebendig werden lässt und ich die Chance habe, aus der Enge der Zeit in die Ewigkeit zu reichen. Und trotzdem, oder gerade deshalb ist Gebet im Hier und Jetzt, für den Einzelnen und in unserer Gemeinde so wichtig. Es hilft uns klarer zu sehen und Gottes Willen, statt unsere Pläne zu leben.

Auch aus diesem Grund haben sich ein paar Gemeindeglieder entschlossen, wieder einen Gebetskeis für unsere Gemeinde ins Leben zu rufen, zu dem jeder von Ihnen herzlich eingeladen ist.

Ich wünsche uns allen, dass wir den Mut haben, ein wenig mehr Zeit in der Zeitlosigkeit zu verbringen. In der Gewissheit, dass wir mehr geschenkt bekommen, als wir selbst jemals geben können.

Gott segne Sie,
Ihr Johannes Groth.


August / September 2011

Liebe Gemeinde,

nun ist es also soweit: Am 20. August 2011 wird unsere jüngste Tochter eingeschult. »Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne« heißt es, aber leider meistens auch ein davorliegendes Ende. Im konkreten Fall das Ende unserer Zeit im Kindergarten der Johanneskirchgemeinde. Dies bedeutet nach fünf schönen Jahren den Abschied von liebgewonnenen Gewohnheiten – und Menschen!

[Image]

Im Gottesdienst im Saal der Fiedlerstraße am 27. März fragte Herr Pfarrer Haustein: »Was bedeutet für Sie Segen?« Neben einigen anderen Dingen war für mich die Antwort sofort klar: Unser Kindergarten eine Etage tiefer! Weil mir hier jeden Tag beim Bringen und Abholen der Kinder Menschen begegnen, aus denen mir die Liebe und Güte Gottes entgegenstrahlt. Menschen, die die Kinder annehmen, wie sie sind, und ihnen dabei mit liebevoller Konsequenz den Weg in ein selbstbestimmtes Leben ebnen, ohne dabei »selbstbestimmt« mit »ichbezogen« zu verwechseln. Menschen, die die Wichtigkeit von Regeln im Leben eines Kindes kennen und bereit sind, sich auch selbst daran zu halten. Nicht zuletzt Menschen, die den Kindern auch dann noch mit Achtung begegnen, wenn diese »schwierig«, laut, frech, grob oder selbst rücksichtslos sind.

Sie halten das für übertrieben? Dann ein kleines Beispiel: Ich stand zusammen mit einer »fremden« Gruppe Kindergarten-Kinder wartend an der Haltestelle. Ein Junge fragte: »Was ist das hier?« Die Erzieherin antwortete: »Ein Strommast.« Der Junge: »Warum ist das ein Strommast?« Die Erzieherin: »Was fragst du denn so blöd, das muss ich dir jetzt nicht erklären, das ist einfach so!« Eine Situation, die mir ein spontanes Dankgebet entlockte dafür, dass sie mit einer Erzieherin unseres Kindergartens ganz anders geendet hätte. Aus meinem Erleben der letzten fünf Jahre weiß ich, dass die Antwort hier etwa in der Art gewesen wäre: »Also weißt du, ihr habt ja bestimmt zu Hause auch einen Kühlschrank, einen Staubsauger oder einen Föhn. Die funktionieren alle nur mit Strom, und damit der Strom zu euch kommen kann, braucht man Leitungen. Wenn die auf der Erde rumliegen würden, würden ja alle darüber stolpern. Also hängt man sie in die Luft, und dafür braucht man den Strommast.« Selbst wenn das Kind nur die Hälfte versteht oder nicht mehr zuhört, ist der Unterschied doch, dass es lernt, mit seinen (Warum!-)Fragen an das Leben ernst genommen zu werden. Das zurückgewiesene Kind wird sich anderen auf Dauer verschließen, das angenommene dagegen später selbst offen sein für Fragen und Nöte anderer.

»Der Segen des Vaters baut den Kindern Häuser« heißt es im Buch Jesus Sirach, Kapitel 3, Vers 11. In diesem Sinne kann ich mich selbst als Kind Gottes sehen, dessen Segen mir (und na